Mena-Exklusiv

Warum ein iranischer Krebsforscher nicht in die USA einreisen durfte

Von Florian Markl

„US-Einreiseverbot: Iranischer Krebsforscher trotz Visums ausgewiesen“, titelt die Webseite der Tiroler Tageszeitung. Zehn Stunden lang sollen Mohsen Dehnavi, der in einem Kinderkrankenhaus in Boston hätte arbeiten sollen, seine Frau und ihre drei Kinder am Flughafen festgehalten worden sein, bevor ihnen schlussendlich die Einreise in die USA verwehrt wurde. Ein bestens ausgebildeter Forscher, der sich aufgrund des von der Trump-Regierung verhängten Einreiseverbots für Menschen aus sechs mehrheitlich muslimischen Ländern wieder auf die Heimreise machen musste – so stellte es jedenfalls auch der Präsident einer iranischen Lobby-Organisation in den USA via Twitter dar:

Die Zurückweisung Dehnavis erfolgte laut den zuständigen amerikanischen Behörden freilich nicht auf Basis der von Trump verhängten Einreisebeschränkungen, sondern dürfte einen ganz anderen Grund gehabt haben: Wie Golnaz Esfandiari von Radio Free Europe/Radio Liberty erläutert, ist Dehnavi nämlich nicht nur mit Krebsforschung beschäftigt, sondern diente als Mitglied der paramilitärischen Basidschi dem Repressionsapparat des islamistischen Regimes in Iran. Die Basidschi sind eine paramilitärische Miliz, die zu den iranischen Revolutionsgarden gehört, und maßgeblich an der brutalen Niederschlagung der Protestbewegung im Jahre 2009 beteiligt war.

Laut ehemaligen Studenten und Aktivisten war Dehnavi der Chef der Basidschi an der Universität von Teheran. „Er war unter den Basidschi, die Studenten fotografiert haben, die in- und außerhalb der Universität protestiert haben“, erinnerte sich ein ehemaliger Student. „Einige Tage später wurden diese Studenten festgenommen.“ Auch von physischen Angriffen Dehnavis auf Studenten ist die Rede.

Dass ihm jetzt die Einreise in die Vereinigten Staaten verweigert wurde, ist vor diesem Hintergrund nicht überraschend: Wegen ihrer Verantwortung für Menschenrechtsverstöße im Zuge der Repressionswelle gegen die sogenannte Grüne Bewegung im Iran nach den gefälschten Präsidentschaftswahlen 2009 verhängten die USA Sanktionen gegen die Revolutionsgarden und die Basidschi. Warum er zurückgeschickt wurde, ist weniger interessant als die Frage, wie Dehnavi zuvor an ein gültiges Visum für die USA gelangen konnte.

Dass er in den Vereinigten Staaten arbeiten wollte, verdeutlicht jedenfalls die Doppelmoral der Schergen des islamistischen Regimes im Iran, wie ein Iraner auf Twitter bemerkte: „Er wird von den Studenten-Basidschi dafür bezahlt, die amerikanische Flagge zu verbrennen – und erwartet dann, in die USA gelassen zu werden.“

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