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Veganismus, E-Scooter und ein Meer aus Plastik

Von Lisa Vavra

Umweltschutzdemo in Tel Aviv (Quelle: lunatlv.com)

Israel: Das veganste Land der Welt. Hier ernähren sich etwa fünf Prozent der Bevölkerung vegan und verzichten somit auf jegliche tierische Produkte. Weitere acht Prozent sind Vegetarier. Noch vor wenigen Jahren war Veganismus ein Phänomen, das alleine den urbanen, linken Raum ansprach. Heute ist er in Israel beinahe zum Mainstream-Kult geworden. Sogar die israelische Armee bietet bereits vegane Stiefel als Alternative zu Leder an. E-Scooter und Elekto-Bikes gehören in Tel Aviv zum Stadtbild dazu. Man sollte also glauben, hier in einem Land mit einem hohen ökologischen Bewusstsein zu leben. Doch Israel ist eben ein Land der Gegensätze. Es heißt nicht zu Unrecht: „Zwei Israelis, drei Meinungen.“ Wer nach Mülltrennung fragt, wird ausgelacht. „Das ist nicht Europa, hier in Israel trennen wir unseren Müll nicht.“

Laut Erhebungen des israelischen Ministeriums für Umweltschutz, leiden die Städte Tel Aviv und Haifa unter weitaus mehr Umweltverschmutzung als europäische Städte. Rund 25.000 Menschen sterben jährlich an den resultierenden Folgen. Etwa die Hälfte der Fälle ist auf den Gebrauch von Fahrzeugen zurückzuführen. Auch die Verschmutzung durch Plastik im Wasser, ist hier zehnmal so hoch, wie die Umweltbelastung des westlichen Mittelmeeres. Davon sind etwa 70-80% durch den von Israel produzierten Müll verursacht. Vor Allem handelt es sich hierbei um Verpackungsmaterialien, Tüten und Plastikflaschen, die von Badegästen am Strand liegengelassen werden und so ins Meer gelangen.

Einige wenige Organisationen, wie „Clean the Butts“ oder „Plastic Free Israel“ versuchen durch Reinigungs-Events und Onlinekampagnen auf die hohe Umweltverschmutzung aufmerksam zu machen. Vor Allem durch Bildung muss ein Umdenken generiert werden und ein höheres Bewusstsein erzeugt werden. Allerdings sind schon kleine Fortschritte zu beobachten. So gingen im April erstmals 4.000 Menschen in Tel Aviv für Umweltschutz auf die Straßen.

Außerdem gibt es seit letzter Woche ein neues Gesetz in den Küstenstädten Herzliya und Eilat, das den Verkauf von Plastik am Strand verbietet. So soll der Verschmutzung der Meere entgegengewirkt werden und der Gebrauch von Plastik reduziert werden. Anstelle dessen wird für nachhaltige Alternativen geworben. Wer dennoch Plastik auf den Strand mitbringt, dem wird eine Geldstrafe auferlegt. Dies ist Teil der Initiative Herzliya, eine Küstenstadt nur wenige Kilometer von Tel Aviv entfernt, plastikfrei zu machen. Das Projekt soll durch neue Gesetze und Bildungsprogramme durchgesetzt werden. Ob ihm jedoch Erfolg beschieden ist, wird erst die Zeit zeigen.

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