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US-Wahlkampf: Warum Israels Feinde einen jüdischen Kandidaten unterstützen

 

Von Jonathan S. Tobin

Die Präsidentschaftswahlkampagne von Bernie Sanders freut sich über die Unterstützung durch Ilhan Omar und andere Antisemiten. Das sagt viel über die Zukunft der radikalen Aktivistenbasis der US-Demokraten aus.

Bernie Sanders (Foto: Gage Skidmore/CC BY-SA 2.0)

Zu einem Zeitpunkt, an dem sein Präsidentschaftswahlkampf am seidenen Faden zu hängen schien, war Senator Bernie Sandes (I-Vt.) hoch erfreut darüber, von den Rockstars der Demokratischen Partei Verstärkung zu bekommen. Nur wenige Tage nach seiner Rückkehr in den Wahlkampf nach einem Herzinfarkt wirkte es wie eine dringend benötigte Infusion, als der 78-jährige deklarierte Sozialist Unterstützung durch die Abgeordneten Alexandria Ocasio-Cortez (D-N.Y.) und Ilhan Omar (D-Minn.) erhielt.

Ein anderes Mitglied der so genannten „Squad“ der Demokratischen Linken, die Abgeordnete Rashida Tlaib aus Michigan, sagte zunächst auch ihre Unterstützung zu, nahm das aber im letzten Moment wieder zurück. Offenbar hat sie sich noch nicht entschieden, ob sie nicht stattdessen die Nominierung der Senatorin Elizabeth Warren aus Massachusetts zur Präsidentschaftskandidatin 2020 befürworten sollte.

Die „Zukunft der Demokratischen Partei“

Ungeachtet dessen ist die Ankündigung, dass Omar ins Lager von Bernie Sanders eingetreten ist und ihren nicht unerheblichen Einfluss für seinen Wahlkampf geltend machen will, von einiger Bedeutung: Sie ist eine der führenden Gegner Israels und hat sich mehrfach ungeheuerlicher antisemitischer Rhetorik bedient.

Viele Demokraten, darunter der Parteivorsitzende Tom Perez, haben Ocasio-Cortez und die anderen drei Squad-Mitglieder (die Abgeordnete Ayanna Pressley aus Massachusetts ist die vierte) als die „Zukunft der Demokratischen Partei“ bezeichnet. Versuche pro-israelischer Demokraten, vehemente Befürworter der antisemitischen Israel-Boykottbewegung BDS wie Omar und Tlaib innerparteilich zu marginalisieren, sind offenkundig gescheitert.

Und Omar ist auch nicht die einzige Israel-Hasserin, deren Unterstützung sich Sanders erfreut. Wie ich bereits im September schrieb, hatte er keine Bedenken, das BDS-Postergirl Linda Sarsour zu seiner offiziellen Wahlkampfmitstreiterin zu ernennen. Sarsour hat jüdische Frauen dafür angegriffen, Israel zu unterstützen, und eine ganze Reihe antisemitischer Aktionen gesetzt, einschließlich der Unterstützung eines Hasspredigers wie Louis Farrakhan von der Nation of Islam, als Sarsour noch eine der Leiterinnen der gegen Trump protestierenden Aktivistinnengruppe Women‘s March war.

An ihrer Seite hat sich jetzt ein weiterer palästinensischer Amerikaner, Amer Zahr, der Sanders-Wahlkampagne angeschlossen. Zahr ist Juraprofessor an der University of Detroit und Teilzeit-Standup-Comedian, der nicht nur BDS unterstützt, sondern auch mit bösartigen Angriffen auf Juden und Israelis aufgefallen ist. Letztere bezeichnete er als „fremde kolonialistische Siedler“ und sagte: „Es ist nicht notwendig, Verteidiger Israels als Drecksäcke, Schweine und Bastarde zu bezeichnen. ‚Zionist‘ ist beleidigend genug.“

Die Feinde Israels

Warum umgibt sich ein Kandidat wie Sanders, der nicht nur jüdisch ist, sondern sich selbst als „100 Prozent pro-israelisch“ bezeichnet, mit Menschen wie Omar, Sarsour und Zahr?

Sanders verkörpert eine neue Definition jüdischer Identität, in der das Gefühl der Zugehörigkeit zum jüdischen Volk und die Unterstützung der Rechte der Juden durch das universalistische Bedürfnis ersetzt werden, für Feinde des jüdischen Staates Partei zu ergreifen. In diesem Sinne ist er, wie der Autor einer Kolumne der Jewish Telegraphic Agency feststellte, trotz seines hohen Alters „die Zukunft des amerikanischen Judentums“. In einem Bewerberfeld, in dem viele gewillt sind, Israel und seiner Regierung gegenüber kritisch eingestellt zu sein, ist ironischerweise Sanders derjenige unter den ernsthaften Demokratischen Präsidentschaftsanwärtern, der den jüdischen Staat am wenigsten unterstützt. Auch wenn er stets darauf besteht, ein Befürworter des Landes zu sein, hat er seine distanzierte Haltung in den vergangenen Jahren immer wieder unter Beweis gestellt, etwa indem er israelische Selbstverteidigungsmaßnahmen gegen Hamas-Terroristen an den Pranger stellte und mit völlig übertriebenen Verurteilungen von Israels Premier Benjamin Netanjahu vorpreschte.

Es ist nicht klar, ob die Squad, geschweige denn Sarsour und Amer, Sanders helfen werden können, mit Elizabeth Warren Schritt zu halten, die den verblassenden Joe Biden als Demokratischen Spitzenreiter verdrängt zu haben scheint. Gegen sie spricht möglicherweise, dass sie für Ocasio-Cortez & Co. sowie für Leute wie Sarsour nicht radikal oder anti-israelisch genug sein könnte.

Wichtiger als das Schicksal von Sanders‘ Kandidatur ist aber die Art und Weise, wie die antisemitischen Israelhasser ihn benutzen, um ihre Positionen zu legitimieren und ihre Bemühungen weiter voranzutreiben, die Unterstützung für BDS zum Mainstream innerhalb der Demokratischen Partei zu machen. Es ist zu erwarten, dass Omar und Sarsour in Zukunft ihre Befürwortung von Sanders als falschen Beweis dafür anführen werden, dass sie gar keine Antisemiten seien, trotz der Fülle an gegenteiligen Belegen.

… blicken einer rosigen Zukunft entgegen

Im Augenblick konzentrieren sich die meisten Demokraten auf die Konkurrenz unter ihren Präsidentschaftskandidaten, auf die Debatten darüber, wie groß der Einfluss des Staates sein soll und auf die Frage, welcher Stellenwert radikaler Identitätspolitik im öffentlichen Raum gegeben werden soll. Damit gerät aber aus dem Scheinwerferlicht, welch stetige Fortschritte die Befürworter intersektionaler Hirngespinste, die Israel verdammen, in ihrem Bestreben darum verbuchen können, ihre schädliche Ideologie zum Mainstream zu machen.

Das Versagen der anderen Demokratischen Kandidaten, Sanders für seine Umarmung von Antisemiten zur Rechenschaft zu ziehen, ist entmutigend. Aber von einer Partei, in der Omar und Tlaib als Heldinnen und Opfer rechter Verleumdungen gelten, statt als Verbreiter von Hass gesehen werden, war wohl nichts anderes zu erwarten. Auch wenn die meisten Demokratischen Abgeordneten und eine Mehrheit ihrer Wählerschaft an der Seite Israels stehen, weisen die Bemühungen Warrens um eine Unterstützungserklärung von Tlaib darauf hin, dass die radikalen Antisemiten auf eine frohe Zukunft in der Demokratischen Partei hoffen können.

(Der Beitrag ist zuerst beim Jewish News Syndicate erschienen. Übersetzung für Mena-Watch: Florian Markl)

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