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Jemenkrieg: Iran liefert Houthis Raketen für Angriffe auf Saudi-Arabien

Von Stefan Frank

Saudi-Arabien wurde in diesem Jahr mehrfach mit iranischen Raketen angegriffen. Das ist das Ergebnis eines geheimen UN-Berichts, von dem die Nachrichtenagentur Reuters Kenntnis erlangt hat. Es handelt sich um einen Bericht des vom UN-Sicherheitsrat eingesetzten Komitees zur Überwachung der Iran-Sanktionen, den dieses am 24. November dem Sicherheitsrat vorgelegt hat. Demnach wurden die Überreste von vier ballistischen Raketen untersucht, die die vom Iran unterstützten Huthi-Rebellen im Jemen auf Saudi-Arabien abgefeuert haben. Diese Raketen seien vom Iran entwickelt und hergestellt worden, so der Bericht. Das Komitee „habe bislang keine Hinweise auf die Identität des Händlers oder Lieferanten“ der Raketen, heißt es in diplomatischer Sprache. Jedem Nichtdiplomaten aber ist wohl klar, dass einzig der Iran iranische Raketen an seine Stellvertreter im Jemen liefern kann.

Iranische Qiam-1-Rakete

Wurden die Raketen, wie anzunehmen ist, erst vor kurzem geliefert, dann hätte der Iran das Waffenembargo gegen die Huthi-Milizen gebrochen, das der UN-Sicherheitsrat im April 2015 verhängt hat.

Wie es in dem Bericht heißt, hätten die UN-Experten zwei saudi-arabische Militärbasen besucht, um die von den Behörden sichergestellten Überreste der Raketen zu begutachten, mit denen Saudi-Arabien in diesem Jahr viermal angegriffen wurde: am 19. Mai, am  22. Juli, am 26. Juli und am 4. November. Zudem nahmen sie vier Einschlagstellen des Angriffs vom 4. November in Augenschein, wo weitere Raketenteile gefunden wurden. „Die Bauart und die Abmessungen der vom Komitee inspizierten Komponenten stimmen mit denen der vom Iran entwickelten und hergestellten Qiam-1-Rakete überein“, schreiben die Inspektoren. Diese Rakete hat nach iranischen Angaben eine Reichweite von 800 km. In den letzten Wochen und Monaten haben die saudi-arabischen Streitkräfte immer wieder Raketen abgefangen, die von den Huthi-Milizen abgefeuert worden waren. Neben der Hauptstadt Riad gehörten auch Mekka und zuletzt die südwestliche Stadt Khamis Mushait zu den Zielen. Nach Erkenntnissen der UN-Experten werden die Raketen in Einzelteilen in den Jemen geschmuggelt und dort von Ingenieuren der Huthis zusammengebaut. Wahrscheinlich würden sie auf dem Landweg, über den Oman, geschmuggelt; dass sie in Schiffen versteckt sind, die ihre Ladung in den Häfen des Roten Meeres löschen, sei „unwahrscheinlich, kann aber als Möglichkeit nicht ausgeschlossen werden“.

Der Iran brüstet sich damit, mit Bagdad, Damaskus, Beirut und Sana’a „vier arabische Hauptstädte“ zu kontrollieren. Zu den wichtigsten Strategien des iranischen Imperialismus gehört es, im Ausland schiitische Milizen aufzubauen, die vom Iran ausgerüstet und befehligt werden und das jeweilige Land dem iranischen Machtbereich einverleiben.

Schon seit Jahrzehnten beschießt die Hisbollah-Miliz vom Libanon aus Israel. Während des Kriegs von 2006 feuerte sie über 4.000 Raketen ab. Seither soll der Iran sie mit über 150.000 Raketen versorgt haben, die präziser sind und eine größere Reichweite haben. Hisbollah-Chef Nasrallah prahlt immer wieder damit, dass diese Raketen als Massenvernichtungswaffen eingesetzt werden könnten. So droht er etwa damit, den israelischen Atomreaktor Dimona zu bombardieren und so eine Nuklearkatastrophe auszulösen. Ein Ammoniumtank in Haifa musste auf Anordnung eines Gerichts geleert werden, nachdem Nasrallah gedroht hatte, ihn zu bombardieren: „Im Krieg von 2006 haben wir davon abgesehen, diese Behälter anzugreifen. Sie lagern dort mehr als 15.000 Tonnen – ich wiederhole: Tonnen – von diesem Gas, das zum Tod von Zehntausenden Menschen führen kann.“

Angriff auf den Flughafen von Riyadh am 4. November 207 (Quelle: Youtube)

Bei einer Dringlichkeitssitzung der Arabischen Liga, die im November als Reaktion auf die Angriffe gegen Saudi-Arabien einberufen wurde, sagte Saudi-Arabiens Außenminister Adel al-Jubeir, sein Land werde „Irans Aggression“ nicht „untätig zuschauen“. „Der Iran hat in der gesamten Region Agenten geschaffen, wie die Huthi- und die Hisbollah-Milizen, in völliger Missachtung aller internationalen Prinzipien“, so al-Jubeir. „Wenn man gegenüber dem Iran Nachsicht zeigt, wird keine arabische Hauptstadt vor seinen ballistischen Raketen sicher sein.“

Der Generalsekretär der Arabischen Liga, Ahmed Aboul-Gheit, sagte: „Wir sagen es in klaren Worten: Die iranischen Drohungen überschreiten alle Grenzen und drücken die Region zum Abgrund hin.“ In der Abschlusserklärung heißt es, die Arabische Liga beabsichtige „nicht, dem Iran im Augenblick den Krieg zu erklären“. Saudi-Arabien habe aber „das Recht, sein Territorium zu verteidigen“.

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