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Trumps Erklärung, die Kirchenführer und die Christen in Bethlehem

Von Amit Barak

Der muslimische Bürgermeister von Nazareth Ali Salam beschloss letztes Jahr, die Weihnachtsfeiern in der Stadt an Heiligabend ausfallen zu lassen. Das Fest selbst konnte er natürlich nicht ausfallen lassen, jedoch wurden die Aufführungen abgesagt und die Hauptbühne, die an der Verkündigungsbasilika errichtet worden war, wurde wieder abgebaut. Dies sei eine Reaktion auf die Erklärung von Präsident Trump, so Salem, mit der er Jerusalem als Hauptstadt Israels anerkannt hatte. Allerdings kann man davon ausgehen, dass die Entscheidung des Bürgermeisters unmittelbar mit der Tatsache zusammenhing, dass in Israel dieses Jahr Kommunalwahlen anstehen. Offenbar geht es ihm darum, sich eher der Stimmen der muslimischen Mehrheit als jener der christlichen Minderheit zu versichern.

In Nazareth ist die Bevölkerungsmehrheit inzwischen muslimisch, da viele Christen die Stadt verlassen haben, um in jüdische Städte in der Region zu ziehen, insbesondere in das benachbarte Illit. Die Entscheidung des Bürgermeisters, die Ereignisse abzusagen, verursachte Unmut und Ärger unter den arabischsprachigen Christen in Israel. Die Proteste gegen die Entscheidung des Bürgermeisters gingen denn auch von einigen dieser israelischen Christen aus. Angeführt wurden sie unter anderem von Carmelin Ashkar von der Organisation Brotherly Covenant, die sich mit Protestschreiben an verschiedene Entscheidungsträger in Israel, Kirchenführer und israelische und internationale Medien besonders hervortat. Unter anderem hieß es im Brief der Organisation:

„Diese schwerwiegende Entscheidung stellt einen zynischen Missbrauch der christlichen Bewohner dar und schadet Christen in Israel und überall in der Welt. Sie stellt auch einen Affront gegen das heilige Fest dar und schadet den wirtschaftliche Interessen der Stadt und dem Zusammenleben der Religionen. … Wir möchten Herrn Salam daran erinnern, dass Jerusalem bereits seit 3000 Jahren die Hauptstadt Israels ist. Man kann die heilige Bibel und die Geschichte nicht für politische Zwecke umschreiben, die mit der Realität nichts zu tun haben. Wir rufen alle Christen dazu auf, sich nicht zu fürchten, sich ihres eigenen Schicksals anzunehmen und der historischen Wahrheit, der Heiligen Schrift und ihrem Glauben die Treue zu halten. Wir sollten stolze Christen und stolze Israelis sein.“

Vorbereitungen für die Weihnachtsfeier in Nazareth (© Elias Zarina)

Angesichts des Drucks in Israel und der internationalen Berichterstattung zog der Bürgermeister seine Entscheidung schließlich zurück, ließ aber die Hauptbühne nicht an ihren symbolischen Ort zurückkehren. Stattdessen wurde sie an einem anderen Ort in der Stadt wieder aufgebaut. Nachdem Bürgermeister Salam seine Entscheidung zurückgenommen hatte, veröffentlichten Angehörige von Brotherly Covenant die folgende Erklärung:

„Wir begrüßen es, dass der von uns ausgeübte Druck und die Tatsache, dass einige Israelis sich der Sache annahmen, ebenso wie die Aktivitäten anderer Christen den Bürgermeister dazu bewegt haben, seinen Fehler einzusehen und seine Entscheidung zurückzunehmen. Es ist an der Zeit, dass die christliche Bevölkerung, deren überwiegende Mehrheit den Staat Israel respektiert und sich als Partner seiner Gründung begreift, aufhört, eine Geisel der radikalen politischen Aktivisten unter den Arabern und Christen zu sein.“

Der muslimische Bürgermeister von Nazareth war nicht der einzige, der Schritte gegen Trumps völlig berechtigte Erklärung einleitete. Auch unter den Christen, in den Kirchen und unter ihren Vertretern gibt es politische Interessen.

Weihnachtsempfang von Yariv Levin

Dreizehn christliche Würdenträger in Israel, darunter der Armenische Patriarch Nourhan Manougian, der griechisch-orthodoxe Patriarch Theophilus III., die koptischen, aramäischen und äthiopischen Erzbischöfe sowie der Leiter des lateinischen Patriarchats unterzeichneten eine Erklärung gegen Präsident Trumps Entscheidung. Gemeinsam mit den übrigen Unterzeichnern des Schreibens nahmen sie nur einige Tage später an einem jährlichen Weihnachts- und Neujahrsempfang des israelischen Tourismusministers Yariv Levin teil, zu der alle Kirchenführer und in Israel ansässigen christlichen Organisationen eingeladen waren. Auch mit dem israelischen Präsidenten Reuven Rivlin trafen sich die Kirchenführer zur traditionellen Zusammenkunft zwischen den Jahren. Außerdem gab es Treffen mit dem Bürgermeister von Jerusalem.

Es versteht sich von selbst, dass nicht alle Anführer christlicher Organisationen und alle Priester in Israel den Brief unterschrieben. Mehrere haben öffentlich erklärt, dass sie die Entscheidung von Präsident Trump unterstützen. Viele Christen in Israel haben sich über die Entscheidung gefreut und haben dies auch öffentlich kundgetan. Dies verweist auf die Trennung zwischen den Kirchenführern, die sich dem politischen Diktat der Palästinensischen Autonomiebehörde fügen wollen, und den israelischen Christen, die ihre Sicherheit und Freiheit in Israel schätzen.

Es gibt unter den israelischen Christen eine lautstarke extremistische Minderheit, die antiisraelische Aktivitäten befördert. Die prominentesten Aktivisten innerhalb dieser  Minderheit sind die Anführer des Rats der (vom israelischen Staat finanzierten) griechisch-orthodoxen Kirche in Nazareth und Bischof Atallah Hanna, ein Terrorunterstützer, der junge Christen dazu aufruft, sich der Hamas anzuschließen, und sich auch mit Bashar al-Assad getroffen hat. Zusammen mit den Beamten der Palästinensischen Autonomiebehörde üben sie politischen Druck aus. Hinzu kommen unter anderem die Angehörigen der Sabeel-Organisation.

Die Proponenten dieses politischen Aktivismus findet man unter den propalästinensischen Kräften in den Kirchen. Hinzu kommt der Druck der palästinensischen Behörden. Es ist wichtig zu wissen, dass die in Jerusalem ansässigen Kirchen auch über Gotteshäuser und Klöster in den Palästinensergebieten, im Gazastreifen und in Jordanien sowie über Kontakte im gesamten Nahen Osten verfügen. Sie sind für die Sicherheit ihrer Geistlichen und Besitztümer in jenen Ländern und Regionen verantwortlich. Insofern ist ihre Furcht verständlich. In erster Linie wird Druck von den Beamten der Palästinensischen Autonomie ausgeübt, die die Christen für ihre Propagandazwecke ausbeuten und zugleich ihre eigene Misshandlung der christlichen Bevölkerung erfolgreich verdecken.

Doch mit den Zahlen lässt sich schwer streiten. Die christliche Bevölkerung in den von der Palästinensischen Autonomiebehörde kontrollierten Gebiete ist gewaltig zusammengeschrumpft, seit Israel ihr jene Kontrolle übertrug. In den 1970er Jahren machten Christen ungefähr fünf Prozent der Bevölkerung im Westjordanland aus. Inzwischen liegt der Anteil nur noch bei rund zwei Prozent. Am deutlichsten ist die Entwicklung in Bethlehem, dem Geburtsort König Davids und Jesu. Waren dort 1950 noch 86 Prozent der Bevölkerung, was der Stadt einen eindeutig christlichen Charakter verlieh, liegt der Anteil inzwischen nur noch bei zehn Prozent und nimmt weiter ab.

Im Gazastreifen ist es noch schlimmer. Von einigen tausend Christen sind nur noch ein paar hundert übrig, die verfolgt werden und konstant bedroht sind. Ihre Feiertage und Rituale sind massiven Einschränkungen unterworfen.

Die Christen hatten dies vorhergesehen. Gleich nach dem Sechstagekrieg von 1967 wandten sich hunderte angesehene Persönlichkeiten aus Bethlehem an die israelische Regierung und baten darum, dass Israel die Stadt einschließlich der darin befindlichen Geburtskirche annektieren möge. Die israelische Regierung weigerte sich jedoch aus demographischen Gründen, dies zu tun. Im Rahmen des Osloer Abkommens gab es einen erneuten Versuch. Der damalige christliche Bürgermeister von Bethlehem Elias Freij wandte sich an den damaligen israelischen Ministerpräsidenten Yitzhak Rabin. Er fürchtete um die Zukunft der Christen in Bethlehem und bat Rabin, sich nicht aus der Stadt zurückzuziehen. Rabin erwiderte, die Kirchenführer sollten ihn offiziell und öffenlich ansprechen, doch weigerten sie sich und Israel zog sich aus Bethlehem zurück und übertrug die Kontrolle über die Stadt an die Palästinensische Autonomiebehörde. So wurde eine sich seitdem stetig verschlechternde Situation für die Christen geschaffen. Für die Verschlechterung sind die Kirchenführer unmittelbar verantwortlich.

Als 2003 der Sicherheitszaun zwischen Jerusalem und Bethlehem installiert wurde, unternahmen Christen noch einen weiteren Versuch, sich soweit wie möglich der Palästinensischen Autonomiebehörde zu entziehen. Beim Bau verblieben am Sicherheitszaun gelegene Kirchengrundstücke auf der palästinensischen Seite. Kirchenführer nahmen daher Kontakt mit israelischen Beamten auf und baten darum, den Verlauf des Zauns dahingehend zu verändern, dass möglichst viele von ihren Grundstücken sich auf der israelischen Seite befinden würden. Israel erwies sich als empfänglich für die Sorgen der Christen. So kam es zu Verhandlungen mit dem Vatikan, die tatsächlich zur Änderung des Zaunverlaufs führten.

Derlei Dinge werden in der Regel hinter verschlossenen Türen geregelt und werden, wenn überhaupt, erst sehr viel später bekannt gegeben, denn Israel sorgt sich um die Sicherheit der christlichen Priester. In der internationalen Öffentlichkeit wird die Sache allerdings ganz anders dargestellt. Öffentliche Erklärungen von Kirchenführern und leitenden Christen in den Palästinensergebieten und weltweit richten sich oft gegen Israel. Politische Interessen und Furcht sind die Hauptursachen für diese Entstellung der Wirklichkeit und Verwandlung von Lügen in Wahrheiten.

Wie lassen sich die Furcht und Flucht der Christen erklären? Hier sind einige repräsentative Beispiele für die Beschränkungen und Verfolgungen, denen sie ausgesetzt sind. Im Juli 2015 wurde das Kloster Beit Sahour in der Nähe von Bethlehem von islamistischen Salafisten übernommen. Am 26. September 2015 brannte das Kloster St. Charbel (Mar Charbel) in Wadi Ma’ali nahe Bethlehem ab. Bischof Moussa Al Haj berichtete, zwei Tage vor dem Brand seien Muslime in das Kloster eingebrochen und hätten Wertgegestände gestohlen. Wie üblich behauptete die Palästinensische Autonomiebehörde, der Brand sei durch einen Kurzschluss entstanden. Sabohi Makhoul vom maronitischen Patriarchat in Jerusalem erklärte, es habe sich nicht um einen Kurzschluss, sondern um absichtliche Brandstiftung durch radikale muslimische Gruppen gehandelt. Viele Christen versuchen, ihre Immobilien und Grundstücke zu verkaufen, ehe sie in westliche Länder fliehen, vornehmlich an Juden. Die Geschäfte werden über zahlreiche Vermittler abgewickelt, da auf solch einen Grundstücksverkauf die Todesstrafe steht. So hält die PA es mit den Menschenrechten.

In einer von der Organisation Open Door veröffentlichten Liste von 50 Ländern, in denen Christen verfolgt werden, steht die Palästinensische Autonomiebehörde aus guten Gründen auf Platz 36, während Israel dort nicht zu finden ist.

Während die Palästinensische Autonomiebehörde den Christen Beschränkungen auferlegt, gegen ihre Religionsfreiheit verstößt, ihre Sicherheit untergräbt und sie ausnutzt, ist die Situation in Israel ganz anders. Der griechisch-orthodoxe Patriarch Theophilos III hat sich jüngst bemüht, seine eigenen Interessen abzusichern, indem er die ihm von der Palästinensischen Autonomiebehörde zugedachte Rolle spielt und Israel in internationalen Foren grundlos scharf angreift. Das offizielle Israel schweigt hierzu. Dies ist der Unterschied zwischen dem jüdischen, demokratischen und freien Staat Israel, der den Akteuren, die ihn verleugnen und die Wahrheit verzerren, mehr oder minder erfolgreich Raum bietet, und der Palästinensischen Autonomiebehörde, bei der noch so viel europäische Unterstützung offenbar nichts an der Korruption ändern wird – oder daran, dass sie jeden, der von ihrer Linie abweicht, terrorisiert. Dazu gehört insbesondere auch die christliche Minderheit, die sie langsam aber stetig aus ihrem Gebiet vertreibt.

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