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Terroranschlag in Kenia: „Gegen die zionistischen Juden“

Von Tina Adcock

Vergangenen Dienstag führte eine somalisch-islamistische Terrororganisation einen tödlichen Anschlag auf einen Hotel- und Bürokomplex in Kenias Hauptstadt Nairobi aus. Insgesamt starben dabei mehr als 20 Menschen, 30 weitere wurden Verletzte verletzt. Einer der Toten ist der US-Amerikaner Jason Spindler der den Terroranschlag vom 11. September 2011 überlebte. Kenias Präsident, Uhuru Kenyatta, gab noch Dienstagnacht bekannt, dass Sicherheitskräfte die Kontrolle über das Gebäude zurückgewinnen konnten und alle Terroristen „eliminiert“ hätten.

Wie Spiegel Online berichtet, begann der Angriff mit einer Explosion, die drei Autos, die vor dem Hotel standen, beschädigte. Anschließend habe sich ein Selbstmordattentäter in die Luft gesprengt. Am darauffolgenden Tag erschien ein Statement von der somalischen Gruppe Harakat al-Shabaab al-Mujahideen (auch bekannt unter dem Namen „Al-Shabaab“), die eng mit Al-Quaeda verbunden ist. Die Gruppierung bekannte sich zu dem Terroranschlag und gab auch den Grund für die schreckliche Tat bekannt: „[Der Angriff ist] die Antwort auf die geistlosen Äußerungen von US-Präsident Donald Trump und seine Entscheidung, Al-Quds (Jerusalem) als Hauptstadt Israels zu deklarieren.“ Trump habe „den zionistischen Juden die Zustimmung dazu gegeben, die Heiligkeit einer der wichtigsten Stätten des Islam mit ihrer schmutzigen und abscheulichen Politik der ethnischen Säuberung zu entweihen, ohne dabei das Leiden von Millionen von Muslimen zu berücksichtigen, die bereits jahrzehntelang unter der Besatzung der Zionisten leiden.“

Bezeichnend ist hierbei, dass Spiegel Online zwar darüber berichtet, dass al-Schabaab sich zu dem Anschlag bekannte, jedoch kein Wort über die Beweggründe der Terrororganisation verliert. Antisemitismus scheinen dem Online-Magazin keine Erwähnung wert zu sein.

Unter der Überschrift „Jerusalem wird niemals jüdisch sein“, veröffentlichte Al-Shabaab ihr Beknnerschrieben auf der Social-Media-Platform Telegram. Die Terrororganisation behauptet, in Nairobi mehr als 50 „Ungläubige“ getötet zu haben und rief die „muslimischen Familien in Palästina“ dazu auf, sich in Geduld zu üben. Darüber hinaus versicherte die Terrororganisation, dass „die zionistischen Besatzer und ihre westlichen Gönner und Beschützer nirgendwo Sicherheit finden werden, bis Sicherheit in Palästina und in allen muslimischen Ländern herrscht.“ Der Angriff auf das Hotel „ wurde gemäß den Richtlinien von Ayman al-Zawahiri ausgeführt, richtete sich gegen die weltweite Ausrichtung westlicher und zionistischer Interessen und diente der Unterstützung der muslimischen Familien in Palästina.“ Ayman al-Zawahiri ist ist seit der Liquidierung Osama bin Ladens durch amerikanische Spezialeinheiten im Mai 2011 der Anführer des islamistischen Terrornetzwerks Al-Qaeda.

Massaker an den Bani Quraydha

Das Statement von Al-Shabaab endete mit einer Nachricht für die „zionistischen Juden“, die als „Mörder des Propheten und Brüder von Affen und Schweinen“ angesprochen werden: „Wisset, dass ihr durch die Unterdrückung der Muslime in Palästina einen Krieg gegen die gesamte muslimische Ummah (globale Gemeinschaft der Gläubigen) führt. Weder Großbritannien noch Amerika können euch vor den Anschlägen der Muschaheddin schützen. Wisset, dass wir euch für jeden in Palästina vergossenen Tropfen Blut zur Rechenschaft ziehen werden. Was euch erwartet, ist ein Schicksal, das dem eurer Vorfahren von Bani Quraydha (einem jüdischen Stamm in Arabien im 7. Jahrhundert) durch den Propheten Muhammad und seine edlen Gefährten gleicht.“

Es war nicht das erste Attentat mit antisemitischem Hintergrund in Kenia. Im November 2002 gab es bereits zwei Anschläge in der zweitgrößten Stadt des Landes, Mombasa, die auf israelische Staatsbürger abzielten. Bei dem Attentat wurde eine Rakete auf ein startendes Flugzeug der israelischen Airline Arkia abgefeuert, verfehlte aber ihr Ziel, weswegen 261 Passagiere an diesem Tag am Leben blieben. Nahezu gleichzeitig fuhr ein mit Sprengstoff beladenes Auto, in ein Hotel, dass einem Israeli gehört. Dabei kamen 18 Menschen ums Leben.

Immer wieder kommt es in Kenia zu Terrorakten, insbesondere seit die kenianischen Streitkräfte das Nachbarland Somalia im Kampf gegen die islamische Terrororganisation al-Schabaab unterstützen. Die sunnitischen Fundamentalisten kämpfen am Horn von Afrika um die Vorherrschaft und kontrollieren weite Gebiete von Süd- und Zentral-Somalia.

Dazu kommt, dass die Beziehungen zwischen Kenia und Israel freundlich sind und  bereits eine lange Tradition haben. Golda Meir besuchte als Außenministerin das Land bereits im Jahr 1963. Etwas mehr als eine Dekade später arbeiteten beide Länder dann auf der Sicherheitsebene zusammen. Auch während der „Operation Entebbe“ im Jahr 1976 zeigte Kenia, was echte Partnerschaft bedeutet und erlaubte der israelischen Luftwaffe den Überflug über seinen Luftraum. Zu diesem Zeitpunkt hielten deutsche und palästinensische  Terroristen im Nachbarstaat Uganda die Passagiere eines Fluges von Air France gefangen. Sie wollten damit die Freilassung von Mitgliedern der PLO erwirken. Israelischen Spezialeinheiten gelang es jedoch, die Geiseln zu befreien.

Auch heute noch pflegen die beiden Staaten eine gute Beziehung miteinander. Im Jahr 2018 schulten israelische Ärzte und Pflegekräfte im Auftrag des Israel Institute of Technologie (Bereich Global Medicine) ihre kenianischen Kollegen im Bereich der Notfallmedizin. Auch fließt israelisches Know-How in Form von Fachwissen über Bewässerungstechnologien und Wassermanagment in das afrikanische Land. Nicht zuletz deswegen bleibt zu hoffen, dass Kenia sich gegen die islamische Terrororganisation behaupten kann und die Freundschaft mit Israel weiterhin bestehen bleibt. Beide Länder haben neben ihrer Freundschaft jedenfalls auch einen gemeinsamen Feind: islamistische Terroristen, die diese Freundschaft um jeden Preis zerstören möchten.

 

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