Mena-Exklusiv

Shorts als Zeichen des Protests im Kulturkampf gegen Islamisten

Eine kleine Geschichte aus Marokko, die zugleich viel aussagt über Konflikte, sich verändernde Wahrnehmungen, Realitäten und den Kulturkampf in der Region, der oftmals über die Kleidung von Frauen ausgetragen wird.

Von Thomas von der Osten-Sacken

Bilder des Anstoßes: Freiwillige in Marokko. (Quelle: Youtube)

Eine belgische Hilfsorganisation warb Freiwillige an, die helfen sollen, im armen Süden Marokkos eine Straße zu bauen. Viele meldeten sich, darunter auch viele junge Frauen, die vor Ort, in Taroudant, eigenen Angaben zufolge auch sehr gastfreundlich und warmherzig begrüßt wurden. Lokale Medien berichteten von dem Freiwilligeneinsatz und zeigten die Belgierinnen in Shorts und T-Shirts bei der Arbeit.

Die Bilder sorgten bei religiösen Fundamentalisten für Aufruhr, widersprechen sie doch islamischen Kleidungsvorschriften. So postete ein Lehrer aus dem Norden des Landes auf seiner Facebookseite, die Köpfe dieser Frauen sollten abgeschnitten werden, damit niemand mehr wage, die Lehren des Islam in Frage zu stellen. Da vor einiger Zeit in Marokko schon zwei skandinavische Touristinnen von IS-Sympathisanten brutal enthauptet wurden, sorgte das Posting im Land für Aufregung. Der Lehrer wurde unter dem Verdacht verhaftet, Terrorismus zu fördern, den Belgierinnen freigestellt, das Land zu verlassen.

Und dann das: Überall im Land solidarisierten sich marokkanische Frauen ausdrücklich mit den belgischen Freiwilligen und einige riefen sogar zu einer Demonstration in der Hafenstadt Casablanca auf. Mit dem Hashtag #YesWeShort mobilisierten sie zu einer Kundgebung, zu der die Teilnehmerinnen und Teilnehmer alle in Shorts und T-Shirts erschienen, um lautstark gegen „Obskurantismus“ und Leute zu protestieren, „die versuchen, uns ihre extremen Gedanken aufzuzwingen und das Image unseres Landes zu zerstören“.

Mit dem Begriff „Obskurantismus“ bezeichnen Frauenorganisationen im Maghreb islamistisch misogyne Vorschriften gegen ihre Selbstbestimmung. Erst im vergangenen Jahr demonstrierten etwa Algerierinnen gegen rigide Bekleidungsvorschriften an öffentlichen Stränden. Immer öfter finden solche Proteste statt und stoßen dabei auf recht breite Unterstützung. Sie sind Beispiele eines sich überall in der Region zuspitzenden Kulturkampfes, bei dem es immer wieder um die Kleidung von Frauen geht – einem der Hauptschlachtfelder von Islamisten und Traditionalisten.


[Anmerkung der Redaktion: Sie können sich diesen Artikel vorlesen lassen, indem Sie auf das „Play“-Symbol über dem Text klicken. Das ist ein Pilotprojekt, die Software befindet sich in der Testphase. Wir freuen uns über Ihr Feedback an info@mena-watch.com.]

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