Mena-Exklusiv

Saudische Truppen in Syrien?

Von Thomas von der Osten-Sacken

Noch ist es nur eine Meldung aus der AKP-nahen Zeitung Yeni Safak und könnte deshalb  auch nur Teil des kalten Krieges zwischen der Türkei und den USA über den Fall des ermordeten Journalisten Jamal Kashoggi sein. Aber wundern würde es nicht, sollten Saudi-Arabien und die Vereinigten Arbaischen Emirate wirklich Truppenkontingente ins kurdisch kontrollierte Rojava, also nach Nordostsyrien entsenden. Entsprechende Ideen und Vorschläge wurden schon im April vom Wall Street Journal gemeldet und die Idee ist keineswegs abwegig: Seit langem schon suchen die USA händeringeng nach regionalen Verbündeten für ihren Einsatz an der Seite der kurdischen Volksverteidigungseinheiten (PYD) in Syrien.

Denn Washington könnte isolierter nicht sein: Sowohl das Assad Regime, als auch der Iran und Russland versuchen alles, um  die US-Truppen aus Syrien zu vertreiben, die Nachbarländer Türkei und Irak sind über das Bündnis mit der kurdischen Partei, die für sie nur ein Ableger der PKK ist, alles andere als glücklich, und Ankara droht beständig auch in die anderen Teile Rojavas einmarschieren zu wollen. Seitdem der Islamische Staat militärisch geschwächt ist, suchen die USA Mittel und Wege ihren Einsatz zu beenden oder zumindest einige ihrer Truppen abzuziehen. Sollten die Golfstaaten nun ihrem Verbündeten Trump in Syrien zur Seite springen wäre dies ein diplomatischer Erfolg, denn dann wäre jeder Angriff der Türkei auf der einen oder des Assad-Regimes auf der anderen Seite zugleich einer auf Saudi-Arabien und die Emirate.

Das türkisch-saudische Verhältnis ist seit langem zerrüttet und mit dem Khashoggi-Mord in Istanbul nun auf einem Tiefststand angekommen. Da Trump sich in den letzten Tagen ostentativ auf die Seite Saudi-Arabiens gestellt hat und dem Kronprinzen in Riad seine volle Solidarität versicherte, steht dieser nun tief in der Schuld des amerikanischen Präsidenten. Von daher wäre es kaum verwunderlich, wenn Washington nun als eine Art Gegenleistung die Entsendung von Truppenkontingenten angefragt hätte.

Saudische Truppen (Quelle: Wikipedia)

Die Lage in Syrien würde damit noch unübersichtlicher, hatten Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate, beide jahrelang wichtige Unterstützer von Rebellengruppen, sich doch faktisch aus dem Konflikt herausgezogen und die Kontrolle der Rebellen der türkischen Konkurrenz überlassen. Sollten sich beide nun an der Seite der PYD engagieren, wären sie zurück auf der syrischen Bühne. Schon seit längerem hört man von sich intensivierenden Beziehungen zwischen der kurdischen Partei und den Herrscherhäusern am Golf. Sollte es nun gar zu einer militärischen Kooperation kommen, richtete diese sich nicht nur gegen die Türkei, sondern auch die Achse Teheran-Damaskus, in der die Saudis die größte regionale Bedrohung sehen. Damit würde die PYD/PKK sich zugleich erstmalig recht eindeutig gegen den Iran positionieren, zu dem sie bislang recht gute Beziehungen unterhalten hat.  Kurzum, sehr viele Karten in Syrien würden neu gemischt.

Aber, wie gesagt, bislang handelt es sich nur um eine Meldung aus Yeni Safak.

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