Mena-Exklusiv

Russland, der Iran und die Türkei teilen sich die Beute

Von Thomas von der Osten-Sacken

iran_russia_turkeyIn Syrien ist etwas Ruhe eingekehrt, der von Russland vermittelte Waffenstillstand hält, da auch die Türkei eine Kehrtwende in ihrer Syrienpolitik vollzogen hat. In Kürze wird es Friedensgespräche in Kasachstan unter Ägide Russlands, des Iran und der Türkei geben zu denen weder die USA noch die EU eingeladen sind. Der Westen, so die Botschaft, hat im Nahen Osten nichts mehr zu melden. Drei Staaten, die sich alle eigentlich als imperiale Reiche verstehen und stolz sind, das Erbe von Imperien angetreten zu haben,  versuchen nun – Great Game 2.0 –  die Region unter sich aufzuteilen. Und das ohne Teilnahme auch nur eines arabischen Staates: Saudi Arabien, das jahrelang in allen Konflikten mitmischte, steht außen vor.  Die Araber schauen einmal mehr zu, wie über ihre Zukunft entschieden wird. Soviel auch zu ihrem antiimperialistischen Kampf – nun hängt ihr Schicksal ab von Moskau, Teheran und Ankara.

Und wie es aussieht haben die auch ganz konkrete Pläne: Syrien wird vorläufig aufgeteilt in ein Gebiet, dass der Iran und Russland – zumindest solange, wie zwischen beiden keine offenen Konflikte auftreten – kontrollieren werden, und in dem Assad als einflussloser Satrap weiter in Damaskus auf dem Präsidentenstuhl wird sitzen dürfen.  Aus dieser Region werden die Sunniten, die noch nicht geflohen oder gestorben sind ausgesiedelt und Schiiten aus Irak, Afghanistan und anderswo angesiedelt. Was längst schon alltägliche Praxis ist, wird dann offiziell sanktioniert: Eine demographische Neuordnung, die an jene Massenumsiedlungen nach Ende des 1. Weltkrieges in der Region erinnert.

syria_refugeesIrgendwo müssen die sunnitischen Araber, die ja immerhin ca. 70% der syrischen Bevölkerung ausmachen hin, Millionen hat man zwar schon über die Grenzen gejagt und zu Flüchtlingen gemacht, aber Millionen leben noch immer in Syrien. Also wird es unter türkischer Oberaufsicht wohl eine Sunniten-Enklave in und um Idlib geben: eine Art Schutzzone, in der – wie heute schon in einigen nordsyrischen Städten, Jarablus etwa –  Ankara de facto die Kontrolle ausüben wird und dafür garantieren, dass keine Rebellen mehr die iranisch-russischen Enklaven angreifen.

So in etwa soll die koloniale Neuordnung Syrien aussehen. Die USA und EU werden dankbar für die Ruhe und Stabilität sein, die dann einkehrt, selbst wenn jetzt schon klar ist, dass diese Ruhe eine trügerische sein wird, und der Konflikt in Syrien könnte sogar vorläufig eingedämmt werden.

Dann geht es ans Beute machen. Türkische Baufirmen stehen schon zu Dutzenden in den Startlöchern, der selbsternannte Sultan in Ankara kann es kaum erwarten, schließlich würden Aufträge auch der schwer kriselnden türkischen Wirtschaft helfen:

„Recep Tayyip Erdogan, whose army is attempting to clear 5,000 square kilometers in northern Syria of Islamic State, talks about building entire cities when his soldiers’ work is done. In regular addresses, he describes a future in which refugees return home to Turkish-built apartment blocks supplemented by Turkish-built schools and social facilities.“

Aber auch in Teheran will man sein Stück vom Kuchen, schließlich hat die Islamische Republik Milliarden nach Syrien gepumpt, um Assads Überleben zu garantieren:

„Iran will be granted a license to become a mobile service operator in Syria under agreements to expand economic ties between the countries. Five memorandums of understanding were signed at a ceremony attended by Syrian Prime Minister Emad Khamis and Iranian Vice President Eshaq Jahangiri in Tehran on Tuesday, building on ties that have included billions of dollars of Iranian support for Syrian President Bashar al-Assad’s efforts to regain control of parts of his country from rebel groups.

A consortium affiliated to Iran’s Islamic Revolutionary Guards Corps (IRGC) controls much of Iran’s telecoms sector after it bought 50 percent plus one share in the state telecoms company in 2009.“

Das ist nur ein Anfang.  Der Iran wird sich, was von Syrien und seiner Wirtschaft in seiner Einflusssphäre noch übrig ist, sukzessive unter den Nagel reißen. so sieht die Logik von Banden aus, die in den Kategorien von Beute denken.

Und Russland? Moskau wird viele seiner Investitionen wohl abschreiben müssen, dafür aber seine militärische Präsenz ausweiten und zementieren:

„Russia plans to improve and expand its naval and air bases in Syria, the Interfax news agency reported on Sunday, citing an unnamed source, as Moscow cements its presence in the Middle Eastern country, its only overseas military deployment. The source told Interfax that Russia will start repairing a second runway at Hmeimin air base near Latakia, while the Tartus naval base will be upgraded in order to handle bigger ships such as cruisers.“

So werden sie sich am Ende alle als Gewinner fühlen. Bis es zum nächsten Konflikt kommt. Denn neben wirtschaftlichen Interessen verfolgt der Iran konsequent sein ganz eigenes Programm und das zielt auf die „operative Entfernung des zionistischen Krebsgeschwürs“ (Ayatollah Khamenei). Ein Ziel, das Russland nicht verfolgt, ja das nicht einmal in russischem Interesse liegt. Der nächste Konflikt ist also vorprogrammiert. Bis er ausbricht, teilen sie sich die Beute. Und die heißt Syrien.

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