Mena-Exklusiv

Mit Folterknechten über „Aufbau demokratischer Traditionen“ sprechen

Von Thomas von der Osten-Sacken

Als westlicher Diplomat gehört es, keine Frage, zum Beruf auch unangenehme Zeitgenossen zu treffen und dabei gute Miene zum bösen Spiel zu machen. Schließlich sucht man sich als Diplomat nicht aus, wohin man entsendet wird und in großen Teilen der Welt regieren nun einmal Regimes, bei denen die Einhaltung von  Menschen- oder Bürgerrechten nicht ganz oben auf der Agenda steht. Wenn der britische Botschafter im Irak sich also mit dem Führer der schiitischen Badr-Brigaden, Hadi al-Ameri, trifft, so mag er  dafür gute diplomatische Gründe haben. Sicher wird er sich im Vorfeld auch informiert haben, wer al-Ameri ist. Vielleicht hat er die Seite des Counter Extremism Projects besucht, auf der folgendes über Ameri steht:

„Hadi al-Ameri ist Berichten zufolge der Anführer und Generalsekretär der Badr-Organisation, einer vom Iran geförderten schiitischen Miliz, die im Irak auch als politische Partei agiert. Al-Ameri hat in der Vergangenheit zu konfessioneller Gewalt im Irak aufgerufen. In der Zeit zwischen 2004 und 2006, als es vermehrt zu gewalttätigen Auseinandersetzungen kam, soll al-Ameri Angriffe auf bis zu 2000 Sunniten angeordnet haben. Einer durchgesickerten Kommunikation des US-Außenministeriums zufolge bestehe ‚eine der bevorzugten Tötungsarten [al-Amiris] darin, mit einem Elektrobohrer in die Schädel seiner Gegner einzudringen’. Eine Anklageschrift der US-amerikanischen Bundesanwaltschaft bringt al-Ameri mit einem Anschlag in Saudi-Arabien in Verbindung, bei dem 1996 neunzehn Angehörige der US-Luftwaffe getötet wurden.

Die Partei al-Ameris bemüht sich, ihre Rolle als Stellvertreterorganisation des Iran herunterzuspielen, doch ist die Treue al-Amiris zum religiösen Oberhaupt des Iran ungebrochen. So erklärte al-Ameri Anfang 2015, Ayatollah Ali Khamenei sei ‚der Führer nicht nur des Iran, sondern der islamischen Nation. Davon bin ich überzeugt und ich bin stolz darauf.’ Al-Ameri unterhält zudem weiterhin enge Beziehungen zum Iran und zu dessen Vertreter Qasem Soleimani. Einem hochrangigen irakischen Politiker zufolge ist al-Amiri an der Front der Kommandeur, der dem Iran am nächsten steht.“

Eigentlich, so möchte man meinen, trifft man solche Figuren als westlicher Diplomat, wenn, dann eher hinter verschlossenen Türen und versucht geheim zu halten, mit wem man da Kontakt pflegt. Aber nein, inzwischen leben wir in Zeiten, in denen die britische Botschaft das Treffen auch noch öffentlich auf Facebook und Twitter zelebriert:

„Der Botschafter des Vereinigten Königreichs Jon Wilks traf sich mit Hadi al-Ameri, um über die Bedeutung der Bekämpfung der Korruption im #Irak und des Aufbaus einer starken demokratischen Tradition zu sprechen.“

Es sagt mehr über den Zustand Europas und seiner Rolle im Nahen Osten aus, als man eigentlich wissen möchte, wenn dieser Tage Botschafter im Nahen Osten Typen treffen, die in anderen Zeiten bestenfalls auf der nächsten Terrorliste gelandet wären, um mit ihnen auch noch über „starke demokratische Traditionen“ zu sprechen.

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