Mena-Exklusiv

Hat der Libanon Angst vor israelischen Frauen?

Von Alexander Gruber

Der Libanon hat sich seit Ehud Baraks Beirut-Einsatz im Fummel nicht mehr so sehr vor einer israelischen Frau gefürchtet“, twitterte kürzlich die Haaretz. Die israelische Tageszeitung machte sich damit über den Verbot des Hollywoodstreifens „Wonder Woman“ in seinem nördlichen Nachbarland lustig, indem sie auf eine Aktion israelischer Eliteeinheiten anspielte. An dem Einsatz, mit dem Israel 1973 auf den Anschlag palästinensischer Terroristen bei den Olympischen Spielen in München reagierte, war auch der spätere Premierminister Ehud Barak beteiligt – verkleidet als Frau mit brünetter Perücke und Makeup, wie Baraks damalige Ehefrau Noah später der Öffentlichkeit bekannt machte.

„Einer Quelle im Ministerium und einem Beamten im Sicherheitsapparat zufolge hat das libanesische Innenministerium den neuen Wonder Woman-Film am Mittwoch verboten, weil eine israelische Schauspielerin darin die Hauptrolle spielt. Der Libanon betrachtet Israel als ein feindlich gesinntes Land und das Wirtschafts- und Handelsministerium überwacht die Einhaltung eines Boykotts jeglichen Geschäftsverkehrs mit Israel. Der Film hätte am Mittwoch in den meisten größeren Kinos in Beirut anlaufen sollen, nachdem am Vortag Privatvorführungen stattfanden. Der regionale Verleih für Warner Brothers erklärte, die öffentlichen Erstaufführungen seien kurzfristig gestrichen worden. Die Quelle im Ministerium sagte, es sei auf Empfehlung des Generaldirektorats für Sicherheitsfragen ein Verbot des Films erlassen worden, in dem die ehemalige israelische Soldatin Gal Gadot die Hauptrolle spielt. (…)

Die israelische Schauspielerin hatte auch eine Rolle in ‚Batman vs. Superman’ sowie in einigen Fortsetzungen von ‚Fast und Furious’: Filme, die alle in libanesischen Kinos gespielt wurden. ‚Gott sei dank, dass der Film verboten wurde’, sagte Samah Idriss, der Gründer der Campaign to Boycott Supporters of Israel-Lebanon, die sich für ein Verbot des Films eingesetzt hatte. ‚Wir sind entschlossen, auch auf ein Verbot ähnlicher Filme hinzuwirken.’ Die Aktivisten denunzierten Gadot auf Facebook, weil sie im israelischen Militär gedient hat. Idriss, dessen Gruppe sich vergebens um ein Verbot von ‚Batman vs. Superman’ bemüht hatte, nannte das jetzige Verbot einen ‚großen Sieg’.“

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