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Israel plant, Erdogans Einfluss in Jerusalem einzuschränken

Von der Redaktion Times of Israel

Der israelische nationale Sicherheitsrat schränkt Berichten zufolge möglicherweise Aktivitäten von Hilfsorganisation der türkischen Regierung ein. Hadashot News berichtete am Samstag, dass Israel in Betracht ziehe, die Aktivitäten der internationalen Hilfsorganisation des türkischen Staates, in Jerusalem und den Palästinensergebieten einzuschränken, um den Bemühungen von Präsident Recep Tayyip Erdogan um mehr Einfluss in Ostjerusalem entgegenzuwirken.

Der nationale Sicherheitsrat arbeitete mögliche Maßnahmen gegen das Türkische Präsidium für Internationale Kooperation und Koordination (TIKA) aus, welches in Ostjerusalem, im Westjordanland und im Gazastreifen tätig ist. Den Meldungen zufolge glauben Mitarbeiter des israelischen Geheimdienstes, dass TIKA Mitglieder der Islamischen Bewegung in seinen Büros beschäftigt und dass mehrere seiner Mitglieder Gelder und Informationen an die Terrorgruppe Hamas übermittelten. Zu den in Betracht kommenden Maßnahmen gehören allgemeine Einschränkungen aller Aktivitäten von TIKA sowie die Auflage für die Einrichtung, individuelle Genehmigungen für jedes Projekt einzuholen.

Hadashot berichtete, die Verdachtsmomente Israels gegenüber TIKA seien durch die Verschärfung der anti-israelischen Rhetorik Erdogans in der letzten Zeit noch verstärkt worden. Im vergangenen Monat berichtete die Tageszeitung Haaretz, dass Jordanien, Saudi-Arabien und die Palästinensische Autonomiebehörde Israel drängten, gegen Erdogans Bestrebungen in Ostjerusalem vorzugehen. Dem Bericht ist zu entnehmen, dass türkische Islamverbände in den letzten Jahren eine wachsende Zahl von Programmen und Exkursionen für Tausende Palästinenser vor Ort finanzierten und großen Einfluss auf die Proteste um den Tempelberg nahmen. Der türkischen Tageszeitung Sabah zufolge führte TIKA 400 Hilfsprojekte durch, darunter Restaurierungsarbeiten am Felsendom sowie die Einrichtung eines neuen Schlafsaals für Studentinnen an der Al-Quds-Universität in Ramallah.

Ein israelischer Beamter sagte gegenüber der Zeitung Haaretz im Juni, dass die Türkei versuche, über staatliche Wohltätigkeitsorganisationen Grundbesitz zu erwerben. Die Palästinensische Autonomiebehörde sei es zudem leid, „noch einen weiteren Grundherren in Ostjerusalem zu haben“. Diplomaten berichteten der Zeitung, dass Jordanien bereits vor mehr als einem Jahr erste Bedenken gegenüber Jerusalem äußerte und Israel beschuldigte, nach der Unterzeichnung des Versöhnungsabkommens mit der Türkei im Jahr 2016 „am Steuer eingeschlafen zu sein“. Berichten zufolge sorgt sich Riad indessen, dass Erdogan versuchen könnte, seinen Einfluss in Jerusalem zu nutzen, um sich selbst zum Wächter der muslimischen Stätten im Stadtgebiet zu ernennen und seine wachsende Macht über die arabisch-muslimische Welt dauerhaft zu festigen.

Die Beziehungen zwischen Jerusalem und Ankara zerbrachen 2010 nach einer Razzia der israelischen Marine auf einem türkischen Schiff, welches versuchte, Israels Blockade des von der Hamas kontrollierten Gazastreifens zu durchbrechen. Bei der Razzia wurden die IDF-Truppen von den Aktivisten an Bord angegriffen – 10 Türken starben und mehrere Soldaten wurden verwundet.

Im Mai erreichte das Verhältnis zwischen Israel und der Türkei einen neuen Tiefpunkt, nachdem die beiden Staaten im Zuge eines aggressiven Wortgefechts nach den tödlichen Zusammenstößen an der Grenze des Gazastreifens die Gesandten des jeweils anderen ausgewiesen hatten. Erdogan nutzte die sozialen Medien, um Israel als „Terrorstaat“ zu bezeichnen, der „Völkermord“ an den Palästinensern begehe.

Ministerpräsident Benjamin Netanyahu schlug wenig später zurück und klagte an, der türkische Führer sei als eifriger Unterstützer der Hamas selbst an „Terrorismus und Massakern“ beteiligt. Als Reaktion darauf drängte der türkische Ministerpräsident Binali Yildirim muslimische Staaten dazu, ihre Beziehungen zu Israel zu überdenken, während Erdogan einen „Sondergipfel“ der Organisation für Islamische Zusammenarbeit (OIC) einberief, um über die Angelegenheit zu diskutieren.

Auf Englisch zuerst erschienen bei The Times of Israel.

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