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Iran an Europa: Vorsicht vor unseren rein defensiven Raketen!

Von Florian Markl

Gekonnt betreibt das iranische Regime sein altes Spiel: Um die eigenen Interessen voranzutreiben, bemüht es sich nach Kräften, Differenzen zwischen den Vereinigten Staaten und den Europäern zu verstärken. Besonders erfolgreich ist dies, seit Donald Trump im Weißen Haus das Sagen hat, denn den halten viele Europäer für weit gefährlicher als die islamistische Diktatur mitsamt ihrem regionalen Vormachtstreben und ihrem Atomprogramm.

Europa, so das Kalkül von Khamenei, Rohani, Zarif & Co., soll dem iranischen Regime die diplomatische Mauer machen. Dafür umgarnt man dessen maßgebliche Repräsentanten von Sigmar Gabriel bis Federica Mogherini, die bei diesem Spiel nur allzu bereitwillig mitmachen. Um die nützlichen Helfer bei der Stange zu halten, muss von Zeit zu Zeit freilich in Erinnerung gerufen werden, dass es neben dem Zuckerbrot auch noch die Peitsche gibt:

„Der Iran hat damit gedroht, die Reichweite seiner Raketen auf über 2.000 Kilometer auszuweiten. Damit könnten sie auch Europa erreichen. ‚Bisher haben wir Europa nicht als Bedrohung empfunden, daher haben wir die Reichweite nicht ausgedehnt‘, zitierte die Nachrichtenagentur Fars gestern den stellvertretenden Chef der Revolutionsgarden, Hossein Salami. ‚Wenn Europa aber zu einer Gefahr wird, werden wir es tun.‘ (…) Der Iran verfolgt eines der umfangreichsten Raketenprogramme im Nahen und Mittleren Osten. Die Führung in Teheran hat stets beteuert, es sei rein defensiv.“

Selbstverständlich ist es gänzlich absurd, mit der Ausweitung eines angeblich rein defensiven Programms zu drohen, aber das wird in Europa kaum jemanden stutzig werden lassen; der unbedingte Wille zum Appeasement lässt sich durch solche Ungereimtheiten nicht erschüttern. Im alten Kontinent hat man beschlossen, dass das iranische Regime keine Bedrohung darstellt – und wenn doch, dann wenigstens nicht für Europa, steht doch auf den defensiven Raketen, die bei Paraden so gern zur Schau gestellt werden, nicht etwa „Machen wir Berlin dem Erdboden gleich!“ geschrieben, sondern „Tod für Israel!“. Deswegen wird die Drohung aus Teheran keinerlei Umdenken bewirken und man weiterhin so tun, als ob im Grunde alles in bester Ordnung sei und die größte Gefahr heute darin bestünde, dem kompromissfreudigen Teheran gegenüber ‚aggressiv‘ aufzutreten.

Robert Kagan hat die europäische Haltung in seinem nach wie vor lesenswerten Essay „Macht und Ohnmacht. Amerika und Europa in der neuen Weltordnung“ sehr anschaulich dargestellt: Die Amerikaner agierten auf der Ebene der Weltpolitik immer wieder wie ein Sheriff,

„der sich darum bemüht, in einer in seinen Augen gesetzlosen Welt, in der Verbrecher oftmals mit Waffengewalt abgeschreckt oder ausgeschaltet werden müssen, ein gewisses Maß an Frieden und Gerechtigkeit durchzusetzen. Europa gleicht nach dieser ‚Wildwest‘-Analogie eher dem Wirt eines ‚Saloons‘. Banditen erschießen Sheriffs, nicht aber ‚Saloonkeeper‘. Tatsächlich ist der Sheriff, der gewaltsam Ordnung schaffen will, aus der Sicht des Saloonbesitzers manchmal bedrohlicher also die Banditen, die zumindest vorläufig vielleicht nur einen Drink möchten.“

 

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