Mena-Exklusiv

Antisemitische Predigt im Islamischen Zentrum Kaiserslautern

Von Stefan Frank

Das Islamische Zentrum Kaiserslautern (IZK) hat zugegeben, dass sein Imam Said Abu Hafs eine Predigt gehalten hat, in der er behauptete, die Juden seien „verliebt in Gold“, „arrogant“, „versklavten andere Menschen“ und seien bestrebt, „Zwietracht unter Muslimen“ zu säen.

Über die offenbar in den Räumlichkeiten des IZK auf Arabisch gehaltene Predigt hatte die Organisation MEMRI, die Medien der arabischen Welt beobachtet, dokumentiert und übersetzt, am 29. Mai berichtet. Laut MEMRI war das Video der Predigt am 30. März 2019 auf den YouTube-Kanal des IZK hochgeladen worden. Inzwischen wurde es entfernt. MEMRI hat Ausschnitte des Videos mit englischen Untertiteln versehen und auf seine Website gestellt. Demnach sagt Imam Said Abu Hafs in seiner Predigt:

„Jesus kam [zu den Juden] und sagte: ‚Lasst Euer Geld zurück und folgt mir!‘ Das war zwecklos! [Jesus sagte:] ‚Ihr seid reich, aber wollt das Königreich [Gottes]? Lasst nur alles zurück und folgt mir! Tragt alte Kleider, esst irgendetwas – Heuschrecken oder was auch immer – und folgt mir!‘ Das ist zwecklos! Das ist der Grund, warum [die Juden] sich gegen ihn wandten. Sie konnten davon nicht profitieren. Also seit altersher haben [die Juden] Geld geliebt. [Der Koran sagt:] ‚Ihr werdet sicherlich herausfinden, dass sie unter allen Völkern die sind, die am gierigsten nach Leben sind.‘ Daher verehrten sie, obwohl sie die großartigen himmlischen Zeichen sahen, dennoch das goldene Kalb – da es aus glänzendem Gold gemacht war. Sie wussten, dass es kein Gott war, doch es war Gold, und das war ihnen genug. Sie sind verliebt in Gold. Sie sind arrogant, vor allem ihre Rabbis und ihre Führer. Sie versklavten andere Menschen. Sie sind arrogant, sie schauen auf andere Menschen herab, und sie halten ihre eigene Rasse in hoher Wertschätzung – ‚Gottes auserwähltes Volk‘ und so weiter […]

Sie sagen, dass Gott die anderen Völker als ihre Esel geschaffen habe. Das ist ihr Glaube. Sie wissen, dass dies nicht mehr der Fall wäre, wenn sie zum Islam konvertierten. Im Islam sind alle Menschen gleich. [Der Koran sagt:] ‚In den Augen Allahs ist derjenige der Edelste unter Euch, der der Gerechteste ist.‘ Sie nahmen Wucherzinsen, Bestechungen und andere Sachen, obwohl es verboten ist und sie das wissen. Darum würde [Konversion zum Islam] ihnen nicht nützen. Sie wären nicht mehr in der Lage, auf ungesetzliche Weise anderer Leute Geld zu nehmen. Darum ist Bekehrung zum Islam für sie sinnlos, so wie auch die Bekehrung zum Christentum für ihre Vorväter sinnlos war. Auf gleiche Weise ist Bekehrung zum Islam sinnlos für sie. Das ist das Problem. Eine ihrer verruchten Methoden, den Islam zu bekämpfen, war, die Einheit der Muslime zu zerreißen, die Bande der Liebe unter Muslimen zu zerstören und Zwietracht unter ihnen zu säen, indem sie vorislamische Slogans benutzen. Das passiert auch heute noch. […] Es ist wohlbekannt und bedarf keiner weiteren Erklärung, dass sie unter allen Völkern am bekanntesten sind für ihren Geiz und ihre Liebe zum Geld.“

Quelle: Youtube

Mena Watch wandte sich am vergangenen Donnerstag (6. Juni) per E-Mail an das IZK und wollte wissen, ob es bestätigen könne, dass das Video der Predigt authentisch ist und dass MEMRI die Predigt korrekt übersetzt hat. Eine Antwort erhielten wir nicht. Doch im Lauf des Tages veröffentlichte das IZK auf seiner Website eine Erklärung:

„Es ist nicht zu leugnen, dass die Übersetzung größtenteils korrekt ist, jedoch ist es nicht einfach die idiomatischen und Mehrdeutungen der arabischen Sprache zu verstehen. Einen Satz aus einem oder zweistündigem Vortrag zu ziehen macht wirklich keinen Sinn und ruiniert den Zusammenhang. Wir reden hier immer noch über eine Handlung, welche vor 2000 Jahren passiert ist und in der Bibel niedergeschrieben wurde. Mit Juden werden im Allgemeinen die Gruppe der Menschen gemeint, welche damals mit Jesus konfrontiert wurden. Der Imam hat bloß wiedergegeben was ihm überliefert wurde und nichts Eigenes erfunden. Er war immer für Zusammenleben und Verständnis zwischen den Religionen und seine Vorträge sind auch auf Deutsch sowie die Predigten. Wir distanzieren uns von allen antisemitistischen (sic!) und religionsfeindlichen Äußerungen sowie politischen Meinungen. Es war auf keinen Fall gemeint, gegen die Juden zu hetzen. Die Videos wurden als Maßnahme entfernt damit sie nicht missbraucht werden.“

Aus dem Zusammenhang gerissen? Mehrdeutungen der arabischen Sprache? Es ist schwer, sich einen Zusammenhang vorzustellen, in welchem die Äußerungen des Imams etwas anderes sind als bösartige Verleumdung und antisemitische Hetze. Dass die Juden „verliebt in Gold“ seien, wiederholt Said Abu Hafs so oft, dass es auch wirklich im Kopf jedes Zuhörers hängenbleiben muss. Er verbreitet die Behauptung einer jüdischen Verschwörung gegen „die Einheit der Muslime“ – was, wenn es wahr wäre, die Juden automatisch zu Feinden des Islam machen würde (zumindest in den Augen von Leuten wie ihm). Dass die Juden „unter allen Völkern am bekanntesten sind für ihren Geiz und ihre Liebe zum Geld“ seien, hält er für eine „wohlbekannte“ Tatsache, die „keiner weiteren Erklärung“ bedürfe. Und damit es keine Missverständnisse gibt, fügt er hinzu, dass dies – anders, als es das IZK nun darzustellen versucht – nicht bloß zur Zeit Jesu (oder zur Zeit des Propheten Mohammed) so gewesen sei: „Das passiert auch heute noch.“ Es sei der „Glaube“ der Juden, „dass Gott die anderen Völker als ihre Esel geschaffen“ habe.

Dass der Einwand der „Mehrdeutigkeit“ der arabischen Sprache eine Schutzbehauptung ist, zeigt sich darin, dass das IZK ja nicht bestreitet, dass die  englische Übersetzung von MEMRI „größtenteils korrekt“ ist. Gäbe es ein Missverständnis, das auszuräumen wäre, würde das IZK das explizit tun – und etwa sagen: „In Wahrheit hat Said Abu Hafs voller Abscheu über antisemitische Vorstellungen gesprochen, die er verurteilt.“ Das sagt das IZK nicht.

Der SWR berichtete am Freitag, der rheinland-pfälzische Verfassungsschutz habe das Video „analysiert“ und von einer „antisemitischen Predigt“ gesprochen. Seine Erkenntnisse habe der Verfassungsschutz an das Landeskriminalamt weitergeleitet. Die Polizei in Kaiserslautern teilte dem SWR mit, dass es „erste Besprechungen“ zu dem Thema gegeben habe. Die Ermittlungen hätten begonnen. Kaiserslauterns Oberbürgermeister Klaus Weichel (SPD) schreibt in einer Stellungnahme, die Vorwürfe gegen den Imam des Islamischen Zentrums Kaiserslautern müssten „lückenlos aufgeklärt“ werden. „Ich fordere die Verantwortlichen auf, an einer ehrlichen und offenen Aufarbeitung dieses Falls mitzuwirken. Sollten sich die Vorwürfe von Antisemitismus und Hetze bestätigen, halten wir uns weitere Schritte offen, so wie etwa den Eintrag des Islamischen Zentrums Kaiserslautern auf der städtischen Homepage unter der Rubrik ‚Kirchen und Religionen’ zu entfernen. Denn Beleidigungen und Diffamierungen gegenüber anderen Glaubensrichtungen werden wir auf Seiten, die von der Stadtverwaltung mit einer Verlinkung unterstützt werden, nicht dulden“, so der Oberbürgermeister.

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