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Wo Israel und Palästinenser zusammen gegen Katastrophen kämpfen

Von Stefan Frank

Mitglieder des israelischen und des palästinensischen Katastrophenschutz-Teams (Quelle: MFA)

Wenn ein Land von einer Naturkatastrophe heimgesucht wird, dann wird es damit oft nicht alleine fertig, sondern ist auf Hilfe aus dem Ausland angewiesen. Da Erdbeben und Waldbrände zudem nicht an Staatsgrenzen Halt machen, sind nicht selten mehrere Länder einer Region gleichzeitig betroffen. Es bedarf einer grenzüberschreitenden Kooperation. Genau dies übten in Israel am 24. und 25. Oktober 400 Teilnehmer einer Katastrophenschutzübung – Feuerwehrleute, Piloten, Rettungsteams und Logistikpersonal. Neben Israelis nahmen Mannschaften der Palästinensischen Autonomiebehörde, Jordaniens, Frankreichs, Italiens, Spaniens und Kroatiens teil. Die Übung trug den Namen „Nahostwaldbrände“, doch auch Erdbeben und Gebäudebrände wurden miteinbezogen. Wie es in einer Pressemitteilung des israelischen Außenministeriums heißt, ging es darum, Fähigkeiten zu trainieren, gleichzeitig aber auch Wissen auszutauschen und das gemeinsame Vorgehen im Ernstfall zu proben. Geübt worden sei etwa, eine Katastrophenregion zu evakuieren, Verletzte zu versorgen und abzutransportieren und das Übergreifen von Bränden auf weitere Waldgebiete zu verhindern. „Das Beeindruckende ist vor allem, dass Palästinenser, Jordanier und Israelis dabei Seite an Seite arbeiten, mit einem einzigen gemeinsamen Ziel: Leben zu retten, egal welcher Nationalität“, so das Außenministeriums weiter.

Wie die israelische Website Times of Israel berichtet, wurde ein großer Waldbrand simuliert, der Israel, die West Bank und Jordanien erfasst. „Das Szenario ist, dass ein großes Feuer ausbricht, das zu einer regionalen Katastrophe wird. Anschließend kommen weitere Katastrophen hinzu, die ein Land nach dem anderen treffen“, zitiert Times of Israel einen nicht namentlich genannten Sprecher des Außenministeriums.

Nach Angaben von Yoram Levi, dem Sprecher der israelischen Brandschutz- und Rettungsbehörde, fand die Übung an zwei verschiedenen Orten statt, im Lahav-Wald nordöstlich von Be‘er Scheba und einem Wald südöstlich von Kiryat Gat. Um die Übung realistischer zu gestalten, seien auf offenem Feld in der Nähe der Wälder einige kleine, kontrollierte Feuer entzündet worden. „Es gab ein wenig Feuer, aber mit sehr viel Rauch“, so Levi. Es wurde auch eine gemeinsame Such- und Rettungsaktion nach einem heftigen Erdbeben trainiert. Daran nahmen Teams der israelischen Armee, der Palästinensischen Autonomiebehörde, Jordaniens und Spaniens teil. Auf dem Gelände einer Armeekaserne in Südisrael wurde geprobt, unter Steinen Verschüttete zu finden und zu befreien. „Es ist eine riesige Übung“, sagte Oberstleutnant Shlomi Ben-Yair, der daran teilnahm, gegenüber der Times of Israel. „Wir trainieren jeden Aspekt einer Katastrophe.“

Auf der israelischen Seite hätten neben Feuerwehrleuten und Soldaten des Heimatfrontkommandos auch Vertreter der Polizei, Ärzte und Sanitäter von Magen David Adom und anderen Rettungsdiensten teilgenommen. Jordanien habe ein Löschflugzeug, Feuerwehrfahrzeuge und Dutzende Katastrophenschutzmitarbeiter entsandt. Die Übung sei über viele Monate vorbereitet worden, so Ben-Yair, die Planung habe sowohl in Jordanien als auch in Israel stattgefunden.

 

Schon 2010 und 2016 wurde gemeinsam gelöscht

Mitglieder verschiedener Rettungsteams

Es war nicht das erste Mal, dass Feuerwehrleute dieser Nationen zusammenarbeiteten. Bei den Waldbränden 2010 und 2016 wurde die israelische Feuerwehr von Kollegen der Palästinensischen Autonomiebehörde und Jordaniens unterstützt; auch andere Länder der Region wie Ägypten und die Türkei sowie europäische Mittelmeeranrainer beteiligten sich daran.

Das Hauptproblem bei einem internationalen Rettungseinsatz ist die Sprache, erklärt Ben-Yair; zumeist sei Englisch gesprochen worden, doch auch Hebräisch und Arabisch sei oft zu hören gewesen. „In den Einsatzbesprechungen wurde in drei Sprachen übersetzt, das hat gut funktioniert.“ Bei den Such- und Rettungsaktionen was es allen Teams gestattet gewesen, nach ihren eigenen Vorgaben und Methoden zu handeln, so dass die anderen zuschauen und lernen konnten. „Wir lassen sie ihre eigenen Entscheidungen treffen“, sagte Hauptmann Eden Illouz gegenüber der Times of Israel. „Der jordanische Kommandant kann dann also sagen: Ich übernehme dieses Gebiet und mache es auf meine Art.“ Zusätzlich gab es am Ende aber auch eine Übung, an der Teilnehmer aus allen Ländern direkt zusammenarbeiteten.

Danach fand eine Abschlusszeremonie statt. In einer Rede sprach der Chef der israelischen Katastrophenschutzbehörde, Generalleutnant Dedi Simhi, von der gemeinsamen Mission. Seit seiner Gründung 1948 sei Israel von dem talmudischen Satz geleitet „Wer ein einziges Leben rettet, hat die ganze Welt gerettet.“ Simhi erinnerte daran, dass Israel nach den Erdbeben in der Türkei, Nepal, Haiti und Mexiko Rettungsmannschaften in diese Länder entsandt und beim Löschen von Bränden auf Zypern, in Montenegro und Mazedonien geholfen hatte. „Auch wir haben bei zwei jüngsten Ereignissen Hilfe benötigt. Letzten November, während der beispiellosen Zahl von Bränden forderten und erhielten wir Hilfe von unseren palästinensischen und ägyptischen Nachbarn, von Zypern und vielen anderen Ländern. Ebenso bei den Bränden am Berg Carmel 2010.“ Bei solchen Einsätzen sei es wichtig, miteinander vertraut zu sein und zu wissen, wie man zusammenarbeitet. „Zudem glaube ich, dass eine persönliche Beziehung zwischen den Kommandanten verschiedener Länder bei einer großflächigen Katastrophe von großem Wert sein kann“, so Israels oberster Katastrophenschützer.

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