Mena-Exklusiv

Gar nicht moderat, wenn es um Juden geht

Von Stefan Frank

Nach dem Terroranschlag von Manchester kamen sie in den britischen Medien als Vertreter und Stimmen der moderaten und friedfertigen Muslime zu Wort: Fawzi Haffar und Dr. Siema Iqbal. Doch in der Vergangenheit sollen sie u.a. über Twitter antisemitische Kommentare verbreitet haben. Das schreibt die in New York erscheinende Wochenzeitung Jewish Press unter Berufung auf die in Manchester ansässige NGO North West Friends of Israel (NWFOI).

Haffar gehört der Stiftung Manchester Islamic Center an, zu der die Didsbury-Moschee gehört, die Salman Abedi, der Mörder von Manchester, besucht haben soll. In einer Ansprache, der eine Schweigeminute für die 22 Todesopfer vorangegangen war und die in Ausschnitten von vielen britischen Fernsehsendern gezeigt wurde, sagte Haffar, die „Gedanken und Gebete“ des Manchester Islamic Center gingen zu „den Opfern, ihren Familien und Freunden und den unterschiedlichen Gemeinschaften im Großraum Manchester“. „Die furchtbare Gewalttat, die sich am Montagabend in Manchester ereignet hat, hat uns alle schockiert. Sie hat uns wirklich alle schockiert. Dieser Akt der Feigheit hat keinen Platz in unserer Religion oder einer irgendeiner Religion.“ Seine Einrichtung helfe im übrigen bedürftigen Menschen „jeder Herkunft und jeden Glaubens“ mit Kleidung und Essen und halte regelmäßig interreligiöse Dialoge ab.

Doch wenn die nun aufgetauchten Tweets, von denen NWFOI Screenshots präsentiert, authentisch sind – was von Haffar, der seinen Twitter-Account inzwischen gelöscht hat, bislang weder bestätigt noch dementiert wurde –, dann hören die Toleranz und Höflichkeit bei ihm auf, wenn es um Juden geht. 2014 twitterte er offenbar zu einer unbekannten Person: „Du bist so ignorant!!! Deine Zeit wird kommen und wenn Du ein #Zionist bist, weiß ich dass Du erledigt bist.“ Ein anderer Tweet lautet: „Ihr habt unseren #Propheten Jesus getötet und tut so, als wärt Ihr unsere Freunde, Ihr #ZioNazi seid schlecht.“ In einer weiteren Kurznachricht werden jüdische Israelis als „Invasoren“ bezeichnet; zudem wird ihnen unterstellt, sie würden religiöse Stätten schänden: „Je mehr die #jüdischen Invasoren #muslimische und #christliche #arabische heilige Stätten in #Palästina angreifen, desto mehr Hass gibt es.“ Auch Theorien, die Juden große Macht hinter den Kulissen zuschreiben – ein Klassiker des Antisemitismus – finden sich. So wird in einem der Tweets über Chuck Hagel, der von 2013 bis Anfang 2015 US-Verteidigungsminister war, prophezeit, die „jüdische Lobby“ werde ihn zu Fall bringen.

Dr. Siema Iqbal ist eine Schönheitschirurgin, die gelegentlich Kolumnen schreibt, etwa für den Blog Huffington Post oder die Tageszeitung Guardian. Im Guardian veröffentlichte sie 2015 einen vielbeachteten Kommentar, in dem sie sich über eine Rede des damaligen Ministerpräsidenten David Cameron zur Prävention von „Radikalisierung“ unter Muslimen beschwerte. „Zum ersten Mal“ in ihrem Leben fühle sie sich, als gehöre sie „nicht mehr zur Gesellschaft“. „Die Islamophobie, die Außenpolitik und das Messen mit zweierlei Maß geben mir ein Gefühl der Isolation und sind, so vermute ich, die wahren Triebkräfte hinter Radikalisierung.“ In einem Artikel jüngeren Datums, der auf dem Blog Middle East Eye erschienen ist, macht sie nun Camerons Nachfolgerin Theresa May dafür verantwortlich, dass es ihr „schwer“ falle, sich in Großbritannien zu Hause zu fühlen – mit fast genau denselben Argumenten wie in dem vorherigen Beitrag: Muslime würden in den Medien „dämonisiert“ und die politischen Initiativen zur Prävention von Radikalisierung junger Muslime seien „diskriminierend“. Zudem machte Iqbal einmal mehr summarisch „die Außenpolitik“ für Bombenanschläge in Großbritannien verantwortlich und stellte sich somit in die Reihe derer, die den Terroristen irgendwie verständliche, wenn nicht gar moralische Anliegen zugute halten.

Siema Iqbals aktuelle Worte zu dem Terroranschlag in Manchester – „Wir trauern zusammen und werden Manchester zusammen wiederaufbauen“ – waren für viele besonders berührend, weil sie selbst und ihr Ehemann zum Tatort geeilt waren, um erste Hilfe zu leisten. Angesichts des Misstrauens gegen Muslime, das der Terroranschlag, wie sie befürchtet, schüren könnte, sagte sie: „Es ist, wenn wir als Gemeinschaft zusammen trauern, traurig zu sehen, dass Ereignisse wie dieses uns entzweien können. Wir müssen Manchester reparieren und wiederaufbauen, in Solidarität und Eintracht“.

Doch auch bei ihr hört die Eintracht offenbar auf, wenn es um Juden geht. Im August 2014 soll sie einen Tweet mit dem Text „Waffenstillstand in Gaza? Glaub das nicht! Die Juden shoppen nach billigeren Bomben“ verbreitet haben. Und wie die Labour-Abgeordnete Naz Shah, deren Parteimitgliedschaft deshalb suspendiert wurde, soll sie vorgeschlagen haben, den Staat Israel aus dem Nahen Osten in die USA zu verpflanzen. Wie Jewish Press berichtet, hat Iqbal zudem in der Vergangenheit zu Demonstrationen vor einem Geschäft aufgerufen, das israelische Waren verkauft.

 Gideon Falter, der Vorsitzende der britischen NGO Campaign Against Antisemitism sagte gegenüber Jewish Press: „Es ist von größter Wichtigkeit, dass die Gesellschaft nach einem barbarischen Akt des Terrorismus zusammensteht, doch wir müssen sicherstellen, dass nicht Schwindler fälschlicherweise für Stimmen des Friedens gehalten werden und eine Bühne bekommen. Wenn sie wahr sind, zeigen diese Behauptungen, dass Herr Haffar und Dr. Iqbal überhaupt nicht moderat sind, wenn es um Juden geht, und sie könnten keine schlechteren Botschafter der Koexistenz sein. Antisemitismus ist oft ein Einfallstor für Extremismus, und diejenigen, die ihn unterstützen, müssen geächtet werden und nicht als Stimmen des Friedens präsentiert.“

 Nach Angaben des Community Security Trust (CST), einer Stiftung zum Schutz britischer Juden, gab es in Manchester im letzten Jahr über 200 antisemitische Vorfälle. Darunter waren verbale und tätliche Attacken – auch auf Kinder – und Friedhofschändungen wie das Zerstören von Grabsteinen. Auf Twitter fanden sich in den Tagen nach dem Anschlag von Manchester zahlreiche Tweets, in denen Israel (bzw. dem Mossad, den Juden, den „Zionisten“ etc.) vorgeworfen wurde, hinter der Tat zu stecken.

Ein Gedanke zu „Gar nicht moderat, wenn es um Juden geht

  1. unbedeutend

    „Ihr habt unseren #Propheten Jesus getötet und tut so, als wärt Ihr unsere Freunde, Ihr #ZioNazi seid schlecht.“ – Ich möchte diesen Menschen nicht verteidigen. Doch üblicherweise bestreiten Muslime, dass Jesus am Kreuz gestorben ist (Sure 4,157-158). Könnte es sein, dass dieser Mensch in seinem Hass seine Dogmen vergisst?

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