Mena-Exklusiv

Eine islamistische Diktatur, die für Ö1 nicht existiert

Sehr geehrter Herr Obrecht,

Ihr Beitrag für die Ö1-Sendung Dimensionen vom 1. März 2017 behandelte die Schwierigkeiten von Wissenschaft, Forschung und Bildung im Gazastreifen. Umso erstaunlicher mutete es an, dass Sie nicht ein einziges Wort darüber verloren, dass in dem von Ihnen porträtierten Gebiet die Diktatur einer Terrororganisation herrscht: Die regierende Hamas kam in Ihrem Bericht schlicht nicht vor. Stattdessen vermittelten Sie durch Ihre Darstellung den Eindruck, alle Probleme Gazas wären von Israel verursacht. Der Küstenstreifen gehört übrigens, anders als von Ihnen behauptet, nicht zu den „sogenannten besetzten palästinensischen Territorien“, weil er im Jahr 2005 von Israel vollständig geräumt wurde, das dort keinerlei Präsenz mehr besitzt.

Der Abzug wurde von der Hamas und anderen Terrororganisationen dazu genutzt, tausende Raketen auf den Süden Israels abzuschießen. Diese militärischen Aggressionen waren schließlich auch der – von Ihnen abermals verschwiegene – Anlass, dass die israelische Regierung Gaza 2007 als „feindliches Territorium“ definierte und 2008 eine Blockade über das Gebiet verhängte. Und auch der von Ihnen als „israelische Invasion“ bezeichnete Krieg von 2014 war ein direktes Resultat der fortgesetzten Raketenangriffe der Hamas auf israelische Zivilisten. Die Ursache für die von Ihnen mehrfach beklagte „mangelnde Mobilität“ der Wissenschaftler ist also bei der sich in Gaza an der Macht befindenden Regierung zu suchen, die für Sie jedoch nicht einmal zu existieren scheint.

Die Weigerung, das Hamas-Regime beim Namen zu nennen, entbindet Sie dann offensichtlich von Überlegungen, wie es denn generell um die Freiheit der Wissenschaft unter einer islamistischen Diktatur bestellt ist. Denn auch diese angesichts des Themas doch eigentlich naheliegende Frage scheint für Sie keiner Erörterung wert zu sein. Ohne jeden Zweifel sind die Bedingungen für universitäre Lehre und Forschung in Gaza äußerst schwierig. Allerdings grenzt es geradezu an Irreführung der Zuhörer, wenn in einem Bericht über diese Situation eine Seite völlig ignoriert und damit zugleich suggeriert wird, Israel trage die alleinige Schuld an den geschilderten Problemen.

Mit freundlichen Grüßen,
Mag. Alexander Gruber
Mena Watch – der unabhängige Nahost-Thinktank

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