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Was Sie schon immer über koscheren Sex wissen wollten

 

Von Lisa Vavra

Quelle: Instagram

Chana Boteach eröffnete im Juni 2019 den ersten koscheren Sex-Shop weltweit. Dieser befindet sich in der Montefiore-Straße im Herzen Tel Avivs. Von außen könnte man denken es handle sich um eine weitere schicke Modeboutique, was in dieser Nachbarschaft keine Seltenheit darstellen würde. Die große Aufschrift in der Auslage „koscherer Sex“ ist jedoch kaum zu übersehen. Die 28-jährige Tochter eines bekannten Rabbiners richtete das Geschäft sehr bedacht ein. Auf der linken Seite wird Vintage-Kleidung verkauft, während die rechte Seite des Ladens der eigentliche Sex-Shop ist. So muss sich niemand unwohl fühlen, den Laden zu betreten. Kunden können zuerst einen Blick auf die trendigen Klamotten werfen und so ungezwungen den Shop erkunden. Außerdem werden vor dem Wochenende Shabbat-Kerzen an die Konsumenten verteilt, denn „was braucht man mehr an einem Freitag Abend als eine Kerze und einen Vibrator“, so die Geschäftsbesitzerin.

Chana Boteach tritt mit der Eröffnung ihres Sex-Shops in die Fußstapfen ihres Vaters. Der orthodoxe US-Rabbiner Shmuley Boteach veröffentlichte 1999 den weltweiten Bestseller „Koscherer Sex: Ein Leitfaden für Leidenschaft und Intimität“. Genau darum soll es nämlich gehen, um die Intimität zweier Menschen, wie sie auch in der Torah beschrieben steht (Genesis 2,24): „Darum verlässt der Mann Vater und Mutter und hängt seiner Frau an und sie werden ein Fleisch.“ Die Eröffnung des koscheren Sex-Shops in Tel Aviv löste eine Debatte darüber aus, was koscheren Sex ausmacht und was dies überhaupt bedeutet. Chana Boteach antwortet auf diese Fragen damit, dass dieser Sex die Intimität und das Sich-Vereinen zweier Menschen darstelle. Sie möchte all das unterstützen, was Menschen miteinander verbindet und diese Verbindung zueinander stärkt. Sie möchte ihnen dabei helfen ihre Sensualität durch das Judentum neu zu entdecken. Dabei bedient sie sich des jüdischen Konzepts „tikkun olam“, all das zu unterstützen, das zur Verbesserung der Welt beiträgt.

Torah und Feminismus

Die Ansichten der jungen Tel Aviverin spiegeln jedoch nicht vollkommen die ihres Vaters wider. Ihr Blick ist vielmehr durch feministische Ansichten geprägt. Sie möchte vor allem die weibliche Sexualität hervorheben und ist der Meinung, dass diese viel stärker ausgeprägt und tiefgängiger sei als die Sexualität von Männern. In der Torah steht geschrieben, dass ein Mann dafür da sei, seiner Frau die sexuellen Bedürfnisse zu erfüllem. So soll er auch nicht auf lange Reisen gehen, um seine Frau nicht unbefriedigt zu lassen. Chana Boteach möchte auf die Besonderheit der weiblichen Sexualität aufmerksam machen und diese ins Bewusstsein der Menschen zurückholen. Während sich der Sex-Shop in erster Linie an die Wiederfindung und Erhaltung von Lust verheirateter Paare richtet, ist er jedoch offen für jeden und jede.

Boteach betont, dass sich Konzept „koscherer Sex“ an all jene richte, die sich aneinander binden möchten, die lernen und verstehen möchten zu lieben und intim miteinander zu sein. Sie richtet sich dabei an Frauen, Männer, ob gay oder straight spielt für sie keine Rolle, weswegen auch die Besucherschaft des Ladens vielfältig ist. Eines ihrer liebsten Beispiele ist ein 80-jähriger religiöser Jude, der einen Vibrator für den 50. Geburtstag seiner Frau kaufte. Kritik an ihrem Konzept kommt hauptsächlich von der orthodoxen Community, doch Chana Boteach hat bereits durch ihren Vater gelernt mit dieser Kritik umzugehen. So lässt sie sich nicht entmutigen, sondern möchte auch in New York und Los Angeles weitere Filialen eröffnen: „Das Judentum ist das Zentrum meines Lebens, und dennoch lebe ich in einer modernen Welt. Ich möchte diese beiden Teile miteinander verbinden und somit das Licht des Judentums zurück in die Welt bringen“, so die junge Israelin.

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