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Ein Regenbogen über ganz Tel Aviv

Von Lisa Vavra

In Tel Aviv, der LGBTQ-freundlichsten Stadt der Welt, fand vergangenen Freitag die Gay-Pride Parade statt. Diese gehört zu den weltweit größten Regenbogenparaden der Welt und ist die meistbesuchte im Nahen und Mittleren Osten. Während in den umliegenden Ländern Menschen aufgrund ihrer sexuellen Einstellung verfolgt und vertrieben werden, feiern etwa 250.000 Personen in Tel Aviv ein Fest der freien Liebe und der Toleranz. „Es geht nur um Akzeptanz“, so Tomer Versace, einer der darstellenden Drag-Queens auf der Pride Parade. Besucher und Besucherinnen aus zahlreichen Ländern kamen alleine für die Parade angereist. Auch der diesjährige „International Pride Ambassador“ Neil Patrick Harries, bekannt durch die amerikanische TV-Serie „How I met your Mother“, war anwesend.

Bereits seit einem Monat wird in Tel Aviv gefeiert, beginnend mit dem LGBTQ-Filmfestival, einer Konferenz der Gay-Community, Ausstellungen, dem Eurovison Songcontest etc. fanden 45 Veranstaltungen statt. Gleich nach dem Jerusalem-Tag Anfang Juni wurden die Israel-Fahnen, die die gesamte Stadt schmückten, durch Regenbogenfahnen ersetzt. Die Parade war der Höhepunkt des Monats. Sie startete bereits morgens auf dem Ben Tsiyon Boulevard, wo eine Drag-Queen-and-King-Show das Event eröffnete. Weiter führte sie über den Rothschild-Boulevard und die Bograshov Street zum Strand wo die Parade im Charles Clore Park endete. Die gesamte Stadt schien in bunte Regenbogenfarben getaucht zu sein und nicht wenige der Teilnehmenden trugen aufwändige Kostüme und Make-Up. Durch Musik und Tanz wurde eine jene Stimmung geschaffen, die einem Fest der Liebe und der größten Party Tel Avivs gerecht wird.

Doch Tel Aviv steht nicht für ganz Israel und selbst hier lautete der Slogan der Parade: „Der Kampf geht weiter“. In Israel herrscht ein religiöses Eherecht, dass es säkularen Paaren, die nicht durch einen Rabbiner getraut werden wollen, und gleichgeschlechtlichen Paaren nicht ermöglicht zu heiraten. Während die Gay-Community in Tel Aviv stark ausgeprägt und gut vernetzt ist, sieht man in Jerusalem kaum gleichgeschlechtliche Paare händchenhaltend durch die Stadt gehen. „In Haifa und Jerusalem war die Polizei strenger gegenüber der Parade und ich fühlte sogar Feindseligkeit von einigen der Polizisten“, so denn auch einer der Gäste der Parade. Jedoch wurden dieses Jahr auch hier stärkere Maßnahmen als zuletzt getroffen, um die jeweiligen Paraden zu schützen. So wurden bereits im Vorfeld zwei Personen festgenommen, die unter Verdacht standen, die Gay Pride in Jerusalem stören zu wollen. Früher kam es immer wieder zu Übergriffen durch Ultraorthodoxe während der Parade in Jerusalem und 2009 kam es in einem Jugendzentrum der LGBTQ-Community in Tel Aviv zu einem Massaker, das immer noch nicht aufgeklärt wurde.

Auch wenn es natürlich auch in Israel und Tel Aviv noch Verbesserungsbedarf im Umgang mit minorisierten Gruppen wie der LGBTQ-Szene gibt, macht das Land große Schritte in Richtung mehr Toleranz: So wurde etwa vergangene Woche der erste offen homosexuelle Kabinettminister ernannt und die israelische Polizei wirbt als inklusive Maßnahme gezielt Transgender-Personen an, wie im Vorfeld der Gay Prides bekannt gegeben wurde. Pünktlich zu Beginn des Shabbats wurde die Parade offiziell als beendet erklärt. Die Teilnehmenden feierten jedoch am Strand und in den Straßen noch bis in die Nacht hinein. Was die Religion vorschreibt, muss in Tel Aviv eben nicht zwingend eingehalten werden.

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