Mena-Exklusiv

Ein Kritiker des westlichen Imperialismus

Von Thomas von der Osten-Sacken

In Trier gibt es Streit, weil die dortige Uni Michael Lüders als Gastprofessor geladen hat. Wer mag, kann das hier und hier nachlesen. Die Debatte schlägt auch immer größere Wellen. Und nun kommt von eigentlich ganz unverhoffter Seite Beistand für Dr. Lüders. Die „Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend“ nämlich meldet sich, kämpferisch wie gewohnt zu Wort, und schlägt sich für den umstrittenen Nahostexperten in die Bresche:

„Dass ein Mann wie Lüders, der ‚einfachen‘ Lösungen komplexe Zusammenhänge gegenüberstellt, der als konsequenter Gegner jedes ‚Regime Changes‘ auftritt (womit er sich unter einigen Trierer Studenten, die die Regierung Irans ‚gestürzt‘ sehen wollen, keine Freunde machte), der in genauso nüchterner wie nachvollziehbarer Art die heuchlerische Politik der westlichen Industriestaaten aufzeigt, kurzum: der ein scharfer Kritiker des westlichen Imperialismus ist – dass ein solcher Mann im öffentlichen Diskurs und nun auch an der Trierer Uni eine Stimme hat, ist jedenfalls sehr zu begrüßen.“

Ein wenig erstaunt es schon, dass ausgerechnet Lüders von den Genossen der SDAJ zum scharfen Kritiker des westlichen Imperialismus geadelt wird. Denn der macht ja eigentlich gar kein Hehl daraus, dass er, wenn er gerade nicht in Talkshows sitzt oder in Trier Vorlesungen hält, deutsche Unternehmen berät, die im Nahen Osten tätig sind oder tätig werden wollen. Er bietet unter anderem „ Begleitung von Firmen aus dem deutschsprachigen Raum“ an, „die sich im Nahen und Mittleren Osten engagieren oder bestehende Geschäftsfelder erweitern möchten“. Denn:

„Für die traditionell guten Beziehungen Deutschlands zu den nahöstlichen Staaten ergeben sich in den letzten Jahren neue Möglichkeiten und Chancen: politisch, wirtschaftlich und kulturell.“

Deutschsprachige Unternehmen im Nahen Osten also sind nicht Teil des westlichen Imperialismus liebe SDAJ? Warum? Weil sie bevorzugt Geschäfte mit so gestandenen Antiimperialisten wie Saddam Hussein oder Gaddafi machen, ja denen sogar geholfen haben, ihr Massenvernichtungsprogramm zu entwickeln? Oder weil sie den iranischen Mullahs die Technologie zur Überwachung oppositioneller Umtriebe geliefert haben? Überhaupt unterhält NUMOV, der deutsche Nah-und Mittelostverein für den Lüders aktiv ist beste Beziehungen in den Iran. Numov – 1934 (!) gegründet unter anderem von Mitgliedern der I.G. Farben, Siemens, der Deutschen- und Dresdner Bank – steht seit 73 Jahren steht für die Kontinuität deutschen Antiimperialismus im Nahen Osten?

Auch die Baukräne, an denen Homosexuelle im Iran gehängt werden, stammen aus deutscher Produktion. Diese Liste ließe sich noch beliebig fortführen, aber gut, solange der Iran, Syrien, Saddams Irak oder Libyen unter Gaddafi beliefert werden oder wurden, handelt es sich ja immerhin um Unterstützung dezidiert antiimperialistischer Regime. Nur was ist mit all den Waffenlieferungen etwa an Länder wie Saudi Arabien, die Türkei oder Oman, die ja in den Augen der SDAJ wohl kaum zur „Achse des Widerstandes“ gegen den Imperialismus gehören dürften? Das ist etwa kein westlicher Imperialismus? Was dann?

Es ist jedenfalls schon beeindruckend, wen der Dr. Lüders so schafft, hinter sich zu scharen. Denn als er jüngst erklärte, das mit dem Giftgaseinsatz in Syrien sei alles höchst obskur und vieles deute darauf hin, es seien syrische Rebellen die Schuldigen gewesen, da wurde er als Kronzeuge noch von jeder verschwörungstheoretischen Naziseite in Deutschland und Österreich als Kronzeuge zitiert. Schließlich ist nicht nur die SDAJ in Trier  ja ganz dezidiert gegen Regime Change in Syrien, sondern auch die gesamte rechtsradikale und nationalrevolutionäre Szene.

Denn auch dort ist man antiimperialistisch gesinnt und stimmte der SDAJ sicher ganz zu, dass deutsche Wirtschaftshilfe mit Imperialismus nichts zu tun habe, solange sie nicht jener „Israel-Lobby“ diene, die auch Lüders – ist er auch deshalb bei rechts und links so beliebt? – gerne und oft ins Spiel bringt.

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