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Dirndl, Schleier und fragwürdige Inhalte: Die Muslimische Jugend feierte Geburtstag

Von David Kirsch

Vergangenen Samstag feierte die Muslimische Jugend Österreich (MJÖ) ihr 20-jähriges Bestehen. Sie gilt als Vertretung junger, österreichischer Muslime. Zuletzt wurde ihr unterstellt, im Dunstkreis der Muslimbruderschaft zu agieren. Nun durfte auf der Jubiläumsfeier der MJÖ ein Buchverlag fragwürdige Inhalte verbreiten. Alles nur Zufall?

mjoe-buechertisch-iDie Sehnsucht nach dem ganzen Kerl

„Der vom Thron des Familienoberhaupts gestoßene Mann sehnt sich unverändert nach einer Partnerin, die, trotz hipper den-Mädels-gehört-die Welt-Journale, in häuslichen Kategorien zu denken imstande ist, deren Brutpflegetrieb auferlegte Selbstverwirklichungsambitionen überragt. Die von feministischem Dekonstruktionsehrgeiz zur selbstverwirklichungsverpflichteten Geburtsscheinmutter umdefinierte Frau sehnt sich unverändert nach einem ganzen Kerl, der ihr alle die emotionalen und ökonomischen Sicherheiten gibt, die eine junge Mutter braucht, um sich mit weitgehend sorgloser Hingabe dem Nachwuchs zuwenden zu können.“

Verständlich laut war der mediale Aufschrei, als ausgerechnet der freiheitliche Bundespräsidentschaftskandidat Norbert Hofer als Herausgeber der zitierten Zeilen enthüllt wurde. Das 2013 erschienene Buch „Souveränität als Zukunftsmodell“ versteht sich als Kritik an der „Verleugnung und versuchte(n) Wegerziehung des biologischen Geschlechts“, welche „Menschen – vor allem Kinder – krank“ mache. Einer der darin zu Wort kommenden Autoren ist Michael Howanijetz, der neben seiner Tätigkeit als freiheitlicher Bezirksrat in Wien-Brigittenau durch das Verfassen apokalyptischer Untergangsvisionen bekannt wurde. Etwa im national-konservativen Öko-Magazin Umwelt & Aktiv“, das vierteljährlich als Rundbrief des Vereins „Midgard e.v.“ erscheint. Der Bayrische Verfassungsschutz spricht von einer „NPD-Tarnzeitschrift.“

Noch Wochen nach der Enthüllung von Hofers Herausgeberschaft wurden Begriffe wie „Gegengesellschaften“, „Zerstörungsprediger“ und „Familienzerstörer“ breit und kontrovers diskutiert. Weniger weil es überraschend ist, dass FPÖ-Abgeordnete eine pathologische Angst vor modernen Entwicklungen haben. Sondern vielmehr, weil die zuletzt unternommenen Versuche des freiheitlichen Bundespräsidentschaftskandidaten Norbert Hofer, sich in einem liberalen Lichte zu präsentieren, erneut zunichte gemacht erschienen. Mit dem Vorwurf konfrontiert, für die Verbreitung rechtsextremer Inhalte verantwortlich zu sein, reagierte Hofer allergisch: Er stellte sich als Opfer der „Faschismuskeule“ dar und bezeichnete jeden Versuch, ihn „als rechtsextremen Menschen darzustellen“, als „völlig aus der Luft gegriffen.“

„Sag mir, was Du liest und ich sage Dir, was Du bist“, schrieb einst der französische Historiker Pierre de La Gorce. Und tatsächlich ist es oftmals der Blick in das Bücherregal des Gastgebers, der den Gästen einen tieferen Einblick in dessen Gedankenwelt offenbart, als sein öffentliches Auftreten. Das gilt nicht nur für Norbert Hofer. Schließlich ist er nicht der Einzige, der nach außen hin versucht, verständnisvoll und tolerant zu wirken, während er im Kreis der Eingeweihten eine eindeutigere Sprache spricht.


Allah aus Austria

mjoe-vorsitzteamVergangenen Samstag feierte die „Muslimische Jugend Österreich“ (MJÖ) ihr 20-jähriges Bestehen. Rund 20.000 Teilnehmer fanden sich in den Räumlichkeiten des Austria Center Vienna ein, um „ihre Verbundenheit mit Österreich zu zeigen“, wie wien.orf.at berichtete. Für Spaß und Unterhaltung war gesorgt. „Von Falafel bis Baklava, über Hijab-Modenschau und Henna-Workshops“ war, wie im Magazin für neue Österreicher – biber zu lesen war, alles mit dabei.

Die „Muslimische Jugend Österreich“ wurde 1996 in Linz gegründet und hat sich das Ziel gesetzt, eine „österreichisch-islamische“ Identität voranzutreiben. Obwohl sie im Jahr 2007 laut ihres damaligen Sprechers, Alexander Osman, auf nur ca. 3.000 zahlende Mitglieder kam, durfte sie bald schon auf tatkräftige Unterstützung seitens der Politik bauen: Einer parlamentarischen Anfrage zufolge u.a. auf die des österreichischen Bundesministeriums für Wirtschaft, Familie und Jugend. Seit 2006 ist die MJÖ außerdem als Mitglied der österreichischen Bundesjugendvertretung Teil der gesetzlich verankerten Interessensvertretung österreichischer Jugendlicher. Seit 2005 existiert zudem eine eigenständige Frauenorganisation der MJÖ, die „Jungen Musliminnen Österreich“ (JMÖ). Deren Gründerin Amani Abuzahra will durch ihr Engagement bei der JMÖ versuchen, „muslimische Mädchen dazu zu befähigen, ein selbstbestimmtes Leben zu führen“, wie sie in einem Interview mit dem Online-Magazin mokant.at kundtat.

Dementsprechend versuchte man vergangenen Samstag auch seitens der Veranstalter, unmissverständliche Akzente zu setzen: Man hüllte sich in Dirndl und Kopftuch, erklärte Österreich zur „Heimat“ und hatte sogar eine oberösterreichische Volksmusikgruppe eingeladen, die „schuhplatteln“ sollte, während etwas prominentere Gäste aus Kultur und Politik den üppigen Feierlichkeiten beiwohnen konnten. Biber war dabei nicht das einzige Medium, welches das Jubiläum nutzte, um alternative Inhalte und Sichtweisen unter das Publikum zu bringen. Neben diversen Informationsständen gab es auch die Möglichkeit, preisgünstig Literatur zu erwerben. Während es auf den Feierlichkeiten der MJÖ eine breite Palette von Vergnügungsangeboten gab, schien die literarische Diversität allerdings weniger ausgeprägt zu sein. Denn das Monopol auf den Verkauf von Büchern schien an einen Buchverlag übergeben worden zu sein, der Abuzahras Diktum vom selbstbestimmten Leben in einem gänzlich anderen Licht erscheinen lässt.


Von Muslimbruder zu Muslimschwester
 
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Der Online-Shop „AlHamra“ ist schick und ansprechend gestaltet. Minimalistisch und doch modern genug, um unkompliziert Bücher einkaufen zu können. Zwar hat der Buchverlag selbst auch eine Außenstelle im 23. Wiener Gemeindebezirk, jedoch ist die nur an zwei Tagen in der Woche geöffnet. Dafür würden Online-Bestellungen „rund um die Uhr bearbeitet“ werden. An Angebot mangelt es nicht. Auf der Startseite von alhamra.at findet sich bereits eine Werbeeinschaltung für die wohl prominenteste Neuerscheinung: „Jung, muslimisch, österreichisch: Einblicke in 20 Jahre Muslimische Jugend Österreich“. Die weiteren Angebote des Buchhandels klingen allerdings schon etwas anders.

Da wäre zum Beispiel „Das Buch der Reinheit – Kitab at-Tahara“, erschienen im Verlag „Islamische Bibliothek (IB)“. Als Gründer dieses Verlags gilt der Ägypter Muhammad Rassoul, der zu Lebzeiten in Köln und Düsseldorf u.a. als Übersetzer islamistischer Werke arbeitete. Rassoul gründete im September 1978 den Verein „Islamisches Zentrum Köln“. (IZK) Dieser fungierte zumindest zeitweise als Zweigstelle der „Islamische(n) Gemeinschaft in Deutschland“ (IGD). Der bayrische Verfassungsschutz bezeichnet sie als die „deutsche Zentrale des ägyptischen Zweigs der Muslimbruderschaft“. Der nordrhein-westfälische Verfassungsschutz nennt die IGD sogar im Zusammenhang mit islamistischem Terrorismus. Muhammad Rassoul übersetzte zudem das Werk des Chefideologen der ägyptischen Muslimbruderschaft, Sayyid Qutb, „Zeichen auf dem Weg“, in dem die totale Knechtschaft gegenüber Allah propagiert wird. Kein Wunder also, dass die Salafisten von „LIES!“ bis heute Rassouls Werke verteilen.

das-deutsche-kalifatSchließlich ist auch Rassouls Buch „Das deutsche Kalifat“ in jihadistischen Kreisen ein Evergreen. In der 2010 erschienenen Untersuchung „Islamismus in Deutschland“ attestiert Mathias Rohe Rassoul die „Propagierung einer Gegengesellschaft“, indem er die Errichtung eines islamistischen Gottesstaates ankündige und „Hass gegen Christen und Europäer“ schüre. Ein besonderes Problem hatte Rassoul zudem mit selbstbestimmten Frauen. In seinem 824 Seiten starken und nach Stichwörtern wie „Menstruation“, „Muttermilch“ oder „Mischehe“ geordneten Nachschlagwerk „Der deutsche Mufti“ wendet sich Rassoul gegen lose Freundschaften zwischen Mann und Frau. Er bezeichnet sie als „Ehe ohne Trauschein“ – was der Unzucht gleichkomme. Die Teilnahme muslimischer Kinder an Geburtstagsfeiern bezeichnete er als „Verderb“.

Das in schlichtem Grün-Weiß gehaltene Design von alhamra.at lädt zum weiteren Schmökern ein. Schauen wir uns weiter um. Wir finden ein Buch über „die muslimische Familie in der hiesigen Gesellschaft“, das sich sogenannten „Misch-Masch-Ehen“ widmet. Einer der Autoren ist Ahmad von Denffer. Er ist seit 1984 Referent für deutschsprachige Angelegenheiten des „Islamischen Zentrum München“ (IZM), ebenfalls eine Zweigstelle der IGD. Laut dem ehemaligen Leiter Mohammad Mahki Akef soll auch das IZM der Muslimbruderschaft angehören. Einer seiner Mitgründer war Said Ramadan, der als Schwiegersohn des Gründers der Muslimbruderschaft Hassan al-Banna ebenfalls zu deren Kadern gezählt wird.

So übersetzte Ahmad von Denffer auch Yusuf Al-Qaradawis „Erlaubtes und Verbotenes im Islam“ – das Werk des aktuellen Chefideologen der Muslimbruderschaft. Dass Al-Qaradawi etwa dadurch bekannt wurde, palästinensische Selbstmordattentate zu unterstützen und die Shoa als gerechte Strafe Gottes umzudeuten, war dem Politikwissenschaftler Farid Hafez, einem der Herausgeber des Jubiläumswerkes über die MJÖ, in seinem 2013 im Standard erschienen Beitrag über die Demokratiebereitschaft der Muslimbruderschaft übrigens keine Erwähnung wert. Von Denffer postulierte in seiner 2002 veröffentlichten Schrift „Islamische Charta“, dass es darum ginge, „diese Gesellschaft in eine islamgemäße umzuwandeln“ und stellte „auf verschiedenen Gebieten eine Unvereinbarkeit“ zwischen deutschem und islamischem Recht fest – vor allem im „Bereich Rolle der Frau“.

Derartiges Gedankengut vertreibt AlHamra nicht nur über das Internet – auch auf der Jubiläumsfeier der MJÖ wurden vergleichbare Inhalte feilgeboten.


Die unnatürlichen Homosexuellen

„Als allgemein akzeptierte Regel gilt: Je züchtiger eine Frau ist, desto mehr bedeckt sie ihren Körper, desto mehr schützt sie sich vor neugierigen Blicken und desto mehr meidet sie auffälliges Benehmen jeglicher Art. Je mehr Teile ihres Körpers eine Frau frei legt und je auffälliger sie sich benimmt, als desto weniger vornehm und züchtig gilt sie. Die Bedeckung des Kopfes ist für die Frau eine persönliche Pflicht.“

Diese Zeilen stammen aus dem Buch „Islamische Etikette & orientalische Höflichkeit“ von Dr. Mohammad Attassi. Es war eines der Bücher, die der Buchhandel AlHamra vergangenen Samstag anbot. Ausgerechnet anlässlich des Jubiläum eines Vereins, von dem man immer wieder lesen kann, dass er noch nicht einmal ein religiöser sei, wie Dudu Kücükgöl vom Ex-Bundesvorstand der MJÖ zuletzt im Standard sagte.

wunder-des-lebensDer AlHamra-Verlag hatte noch mehr zu bieten. Etwa den „Wunder des Lebens. Ratgeber zum islamischen Familienleben und zur Sexualerziehung für Jugendliche“ von Fatima M. D’Oyen. D’Oyen ist eine 1979 zum Islam übergetretene Amerikanerin, die neben ihrer Funktion als Direktorin einer islamischen Schule in Großbritannien vor allem als Autorin von islamischen Kinderbüchern wirkt. Herausgeber: das Islamische Zentrum München.

„Eines der vielen Probleme der modernen Gesellschaft“, so ist zu lesen, sei

„die Zunahme der Anzahl der Homosexuellen. (…) Als Muslime glauben wir, das (sic!) Homosexualität unnatürlich und unrein ist, gegen das Gesetz der Natur, nach der wir erschaffen wurden. Allah hat Männer und Frauen als Ergänzung füreinander erschaffen. Wir sollen einander helfen, heiraten, Kinder miteinander bekommen. Jedes Geschlecht hat seine eigenen Qualitäten, und das eine ist nicht vollständig ohne das andere. Wie schon vorher bemerkt, sind die Körper von Mann und Frau so geschaffen, daß sie beim Geschlechtsverkehr ganz natürlich zueinander passen, und das verschafft beiden Vergnügen. Andererseits haben Männer, die ihr sexuelles Bedürfnis mit anderen Männern befriedigen wollen, diesen Vorteil nicht. Sie müssen sich alle Arten von unnatürlichem und unreinem Ersatz ausdenken, wie z.B. Analverkehr, bei dem ein Mann seinen Penis in den After seines Partners einführt, was im Islam streng verboten ist. (…) Wie weit ist das entfernt von der wunderschönen Weise, die Allah für verheiratete Paare geschaffen hat, um einander ihre Liebe zu zeigen! (…) Wenn jemand wagt zu sagen, daß so etwas falsch ist, nennen sie ihn ‚homophobisch‘ (Homosexuelle fürchtend)!“.

Doch nicht nur von der islamischen Norm abweichende Homosexuelle finden explizite Erwähnung. Auch für Jugendliche im Kindesalter soll ein straffes Regelwerk gelten, das mit Freiheit und Selbstbestimmung rein gar nichts zu tun hat.

„Es macht nichts, wenn man gelegentlich ganz von selbst solche Erektionen hat, aber man sollte sich vor allem hüten, was sexuell erregt und dann eine Erektion hervorruft – wie z.B. enge Kleidung zu tragen, die an dieser Stelle reibt, oder Bilder von Frauen, die nicht richtig bekleidet sind, anzuschauen. (…) Manche Menschen berühren sich selbst am Geschlechtsteil, weil sie das Gefühl mögen oder um eine Erektion herbeizuführen und Samen austreten zu lassen. Obwohl zu diesem Verhalten in manchen liberalen Gesellschaften ermutigt wird, ist Masturbation nach der Scharia beschämend und unrein. Es kann der psychischen und geistlichen Gesundheit eines Menschen schaden, wenn es zur regelmäßigen Gewohnheit wird.“

Freilich soll auch das gesellschaftliche Zusammenleben zwischen Mann und Frau stark reglementiert werden. Im darauffolgenden Kapitel wird konsequenterweise argumentiert, dass „ein Junge und ein Mädchen (oder ein Mann und eine Frau), die nicht enge Familienmitglieder sind (mahram), sich nicht allein miteinander aufhalten (dürfen). (…) Verabredungen und zwanglose Junge-Mädchen-Freundschaften, wie sie in der liberalen Gesellschaft vorkommen, sind im Islam nicht erlaubt.“ Damit „zwanglose Junge-Mädchen-Freundschaften“ gar nicht erst entstehen können, wird geraten,

„in einem jüngeren Alter zu heiraten als es im Westen üblich ist. (…) Der eine mag für die Verantwortung eines Erwachsenenlebens mit 15 Jahren reif sein, während ein anderer mit 25 noch nicht reif ist, und im Allgemeinen werden Mädchen schneller reif als Jungen. Damit ein Mädchen körperlich reif ist, sollte sie zumindest (sic!) das Größenwachstum abgeschlossen haben (normalerweise zwischen 14 und 18 Jahren), so daß eine Schwangerschaft und Geburt ohne Gefahr für ihre eigene Gesundheit oder die Gesundheit ihres Kindes überstehen kann.“

Wenn die Vorstandsvorsitzende der Jungen Musliminnen Österreich Amani Abuzahra beklagt, dass „das Bild der unmündigen, rechtlosen Muslimin (…) großteils durch die Medien transportiert“ werde, dann hat sie zweifellos Recht. Mitunter allerdings auch durch die Medien, die auf der Jubiläumsfeier ihrer Schwesterorganisation zum Verkauf angeboten wurden.


Alles nur Verschwörung?

Die durch den Verlag AlHamra vermittelten Ansichten und Wertvorstellungen liegen verdächtig nahe an den Positionen der islamistischen Muslimbruderschaft. Die Muslimische Jugend Österreich sah sich zuletzt immer öfter dem Vorwurf der geistigen Nähe zu islamistischen Kreisen ausgesetzt. Der Islamwissenschaftler Ednan Aslan vermutet „alte Männer mit Bärten“ hinter der MJÖ, welche die Jugendlichen „wie Marionetten“ steuern würden. „Der Irrgarten der Muslimbruderschaft“ hält, so sieht es die Politikwissenschaftlerin Nina Scholz, auch ein Plätzchen für die MJÖ bereit. Nach intensiver Recherche fand die NZZ schließlich heraus, dass die MJÖ eine Zeit lang unmittelbar in ein Netzwerk islamistischer Organisationen integriert war. Schließlich gestand auch die offizielle Vertretung der MJÖ ein, „nur für einen kurzen Zeitraum (2003 – 2005) außerordentliches Mitglied“ des „Forum of European Muslim Youth and Student Organizations“ gewesen zu sein. Dieses kann wohl zweifellos dem Netzwerk der Muslimbruderschaft zugerechnet werden: Ihr Gründer war kein geringerer als der bekannte deutsche Muslimbruder Ibrahim El-Zayat. Die MJÖ sieht in all dem weiterhin lediglich „abstruse Verschwörungstheorien“.

Als Norbert Hofer als Herausgeber eines vor Sexismus nur so strotzenden Pamphlets entlarvt wurde, ging ein verständlicher Aufschrei durch die österreichische Medienlandschaft. Wie wird es in diesem Fall sein? Es ist höchste Zeit, alle ungeklärten – und unbequemen – Fragen adäquat und aufrichtig zu beantworten: Wie repräsentativ sind Organisationen wie die Muslimische Jugend Österreich für die Mehrheit der österreichischen Muslime wirklich? Bei den jüngsten Wahlen der „Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich“ hatte die MJÖ 54 Wahlberechtigte genannt, 39 Mitglieder haben schließlich ihre Stimme abgegeben. Bei einer Organisation, die über mehrere Tausend Mitglieder verfügen will, ist das mehr als nur merkwürdig.

Welchen Islam vertritt die MJÖ tatsächlich? Ist sie bloß das proklamierte „Sprachrohr der Muslime“ – oder nicht vielmehr eine konservative Vereinigung, die sich im Umfeld islamistischer Organisationen bewegt? Wie glaubwürdig ist das von der MJÖ beanspruchte Engagement gegen „Antisemitismus & Homophobie“, wenn am Büchertisch bei ihrer Festveranstaltung Homosexualität als „unnatürliches“ Phänomen gebrandmarkt wird? Und: Welche Vorbildfunktion erfüllen hochrangige Politiker und Politikerinnen wie Innenminister Wolfgang Sobotka (ÖVP), die Nationalratsabgeordnete Claudia Gamon (NEOS), die Verbandsvorsitzende der Sozialistischen Jugend Österreichs Julia Herr und die Landtagsabgeordnete Faika El-Nagashi (GRÜNE), wenn sie auf solchen Veranstaltungen in Erscheinung treten – oder der Landtagsabgeordnete Omar Al-Rawi (SPÖ), der gar als Redner geladen war? Norbert Hofer neigt dazu, unbequemen Fragen auszuweichen oder von einem „Einzelfall“ zu sprechen. Wird die MJÖ es ihm gleich tun?

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