Mena-Exklusiv

Die Geschichte von Israels Staatsgründung erzählt im digitalen Zeitalter

Von Stefan Frank

Aus Anlass von Israels 71. Geburtstag hat die Israelische Nationalbibliothek angekündigt, eine Fülle von historischen Fotos im Internet zu veröffentlichen, die das Leben israelischer Soldaten zeigen, und ermuntert die Nutzer dazu, diese zu identifizieren und ihr deren Namen zu nennen, damit sie in den Katalog der Fotos mit aufgenommen werden können.

Einige Fotos aus Israels Kriegen sind zu Ikonen geworden: so etwa das Hissen der „Tintenflagge“ in Eilat in den letzten Tagen des Unabhängigkeitskriegs 1949 oder die drei Fallschirmspringer an der Klagemauer nach der Befreiung der Jerusalemer Altstadt im Juni 1967. Die Namen dieser Soldaten sind bekannt: Avraham Adan – der später General wird und eine wichtige Rolle im Jom-Kippur-Krieg spielen sollte – hisste die „Tintenflagge“ (die so hieß, weil sie ein eilig von den Soldaten von Hand gefertigtes Provisorium war), die drei Fallschirmspringer an der Klagemauer waren Yitzhak Yifat, Tzion Karasenti und Chaim Oshri.

Doch es gibt viel mehr Bilddokumente aus Israels Kriegen. „Unter den vielen Schätzen, die in der Israelischen Nationalbibliothek (NLI) bewahrt werden, sind Tausende von Fotografien, die die Soldaten der Israelischen Verteidigungsstreitkräfte (IDF) im Lauf der Geschichte des Staates Israel zeigen“, heißt es in einem Eintrag auf dem Blog der Nationalbibliothek, in dem diese sich an die israelische Bevölkerung wendet: „Als Teil des massiven Digitalisierungsprojekts, das die Bibliothek in den vergangenen Jahren unternommen hat, werden diese alten Fotografien wieder zum Leben erweckt, die vergilbenden Negative werden in hochauflösende Bilder konvertiert.“ Seit letztem Jahr habe die NLI in Zusammenarbeit mit Facebook-Israel Fotoalben auf Facebook gestellt. Oft aber fehlten Informationen über die Identität der Soldaten, die auf den Fotos zu sehen sind. Darum appelliert die NLI nun an die israelische Öffentlichkeit: „Wir laden die Öffentlichkeit hiermit ein, ihre Lieben, Familienmitglieder und Freunde, die in diesen Kriegen gedient haben, zu identifizieren. Auf diese Weise wird ihrer Namen auf den Geschichtsseiten des Staates Israel gedacht, ihr Andenken zum Nutzen künftiger Generationen bewahrt werden, gemeinsam mit den Kulturschätzen in der Nationalbibliothek.“

Die Israelische Nationalbibliothek besitzt nach eigenen Angaben insgesamt 2,5 Millionen Fotos, die die Geschichte des Landes und des Staates Israel dokumentieren – bis zurück zur Frühphase der Fotografie vor 150 Jahren. Die bedeutendste Sammlung ist die Dan-Hadani-Sammlung. Hadani hatte 1965 die Israel Press & Photo Agency (IPPA) gegründet und war bis zu deren Auflösung im Jahr 2000 ihr Direktor. Allein in diesen 35 Jahren entstand rund eine Million Fotos, die Israels Geschichte in diesem Zeitraum dokumentieren, und die Hadani der NLI zur Verwahrung übergab. In vielen Fällen aber, so die Nationalbibliothek, sei bei den Kriegsfotografien nur eine Jahreszahl und der Name der betreffenden Militäroperation verzeichnet, etwa „1982, Frieden von Galiläa“. „Aus diesem Grund“, so die NLI, „hat die Bibliothek entschieden, sich an die Öffentlichkeit zu wenden und verbreitet diese Fotografien mit der Unterstützung von Facebook-Israel nun an so viele Menschen wie möglich, damit diese helfen können, die wichtigste aller Informationen zur Verfügung zu stellen: wer die Soldaten auf den Fotos sind und was die Geschichte hinter ihnen ist.“

Es handle sich um ein „langfristiges Projekt“, so die NLI, nach und nach werde sie immer mehr Fotos auf ihrer Facebookseite veröffentlichen. Derzeit gibt es dort rund 200 Fotos in acht Alben: Elf Fotografien aus dem Unabhängigkeitskrieg, elf aus dem Sinai-Feldzug von 1956, 27 aus dem Sechs-Tage-Krieg, 17 aus dem Abnutzungskrieg, 37 aus dem Jom-Kippur-Krieg, 54 aus dem ersten Libanonkrieg, 33 Fotos zum Thema „Die IDF in den Siebzigerjahren“ und 14 Fotos „IDF in den Neunzigerjahren“.

Im „digitalen Zeitalter“, sagt Adi Soffer-Teeni, die Länderdirektorin von Facebook-Israel, sei es möglich, „die Geschichte der Staatsgründung auf andere Weise zu erzählen“. Die Geschichte und die Personen, die daran mitgewirkt hätten, würden „fassbar und für die Öffentlichkeit zugänglich“. „Die Geschichte eines Staates ist einer der größten Güter, die er besitzt, so Soffer-Teeni. „Sie umreißt, was er ist und was er werden wird. Die Schatztruhe von Bildern erzählt die Geschichte des Staates in seinen verschiedenen Etappen und verbindet uns mit den Menschen, die da waren, und dank denen wir nun unseren 71. Unabhängigkeitstag feiern können. Ich bin sehr begeistert davon, und ich hoffe, dass wir in der Lage sein werden, die Gesichter auf diesen äußert seltenen Fotografien mit Namen zu verbinden.“

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