Mena-Exklusiv

BDS hat null Auswirkungen auf die israelische Wirtschaft

Von Adam Reuter

Vor etlichen Jahren erhielt ich eine Einladung zu einem Treffen mit Funktionären des Ministeriums für strategische Angelegenheiten. Zu den Hauptzielen dieses Ministeriums zählt der „Kampf gegen die Delegitimierung Israels“. Gegenstand des Treffens war eine Studie über die Auswirkungen der Boykottkampgane BDS auf die israelische Wirtschaft, die wir vom Unternehmen Financial Immunities durchgeführt hatten. Soweit ich weiß, war diese Studie, die wir 2010 begannen, die einzige dieser Art. Sie sollte feststellen, in welchem Maße die israelische Wirtschaft von den BDS-Organisationen betroffen war. Im Rahmen der Studie wurden Hunderte von hochrangigen Managern großer Unternehmen aus allen Wirtschaftszweigen befragt. Das war für Financial Immunities wichtig; wir sind ein Unternehmen, das seinen Kunden beim Risikomanagement hilft, sowohl auf der Makro- als auch auf der Mikroebene, bis hin zur einzelnen Firma.

Das Ergebnis der Studie verblüffte mich. Ich hatte nicht erwartet, dass es eine solch große Kluft geben würde zwischen den Berichten, die Journalisten über all die Jahre über die Auswirkungen des BDS-Monsters geschrieben hatten und den tatsächlichen Folgen, die, wenn es sie überhaupt gibt, zu vernachlässigen sind. Die Daten der Studie sind auf dem Stand von Ende 2017.

Gleich zu Beginn der Studie bekam ich eine Ahnung von der Nichtigkeit der BDS-Organisation. Ich schuf mir eine falsche digitale Identität und schrieb der Organisation als junger Australier, der an einem Boykott Israels interessiert sei. Ich fragte, was ich zu tun hätte. Als Antwort schickte mir die Organisationen einen Link zu einer Website mit Hunderten, wenn nicht Tausenden von Namen internationaler Konzerne, die Verbindungen zu Israel haben. Mir wurde gesagt, sie zu boykottieren. Als ich die Liste sah, musste ich lachen. Auf ihr stand fast jedes Unternehmen, das irgendwo auf der Welt irgendwas verkauft. All diese Firmen zu boykottieren, hätte mich daran gehindert im Supermarkt Dinge des täglichen Bedarfs zu kaufen, irgendein Mobiltelefon, einen Kühlschrank oder ein Auto.

Der wichtigere Schritt aber war, die Manager der israelischen Unternehmen zu befragen; die wichtigste Frage lautete: „Können Sie in Geld ausgedrückt sagen, wie viel Ihr Unternehmen als Folge des Wirtschaftsboykotts, zu dem BDS aufgerufen hat, verloren hat?“ Der Anteil jener israelischen Unternehmen, die angeben konnten, dass sie einen Schaden erlitten hätten, lag bei etwa 0,75 Prozent. Bei jedem dieser Unternehmen war der Schaden geringer als zehn Prozent des Umsatzes, und auch dies war fast ausschließlich während der Operation Protective Edge [der israelischen Militäroperation gegen den Raketenbeschuss aus dem Gazastreifen im Juli/August 2014; Anm. d. Übers.]. In anderen Jahren hatten sie keine Einbußen erlitten.

Laut unseren Berechnungen, die auf den Informationen basieren, die wir von Unternehmen erhalten haben, beläuft sich der wirtschaftliche Gesamtschaden seit 2010 auf 0,004 Prozent. Um es etwas anschaulicher zu machen: Läge das israelische Bruttoinlandsprodukt bei einer Million Schekel, dann läge der Schaden der Sanktionen bei 40 Schekel – eine völlig zu vernachlässigende Summe.

BDS-Aktivisten in London

Paradoxerweise ergab die Studie auch, dass manche israelischen Unternehmen von den Boykotten profitierten. Wie ist das möglich? Ich fragte den stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden eines bekannten israelischen Unternehmens, das unter anderem eine Kette von Filialen in Europa betreibt. Es war berichtet worden, das Unternehmen hätte einen Schaden erlitten, als BDS-Aktivisten während der Operation Protective Edge vor den Filialen standen und zum Boykott seiner Produkte aufriefen. Zu meiner Überraschung sagte mir der stellvertretende Vorstandsvorsitzende, dass sein Unternehmen keinen Schaden erlitten habe – im Gegenteil. Wie das? Die Aktivisten, die vor dem Geschäft in London demonstrierten, verschwanden nach zwei Tagen, als das journalistische Interesse erschöpft war. Nachdem sie verschwunden waren, war die Zahl der Kunden im Geschäft viermal so groß wie an einem normalen Tag. Es waren nichtjüdische Anwohner aus der Gegend, die Israel mögen und eben deshalb gekommen waren, um ihre Sympathie für Israel zu demonstrieren.

Bei dem genannten Treffen mit den hochrangigen Mitarbeitern des Ministeriums für strategische Angelegenheiten wurde auch gesagt, die Macht der BDS-Bewegung liege vor allem in den Veröffentlichungen in der israelischen Presse. Das ist ein anderes Problem, das wahrscheinlich mit unserer Kultur zusammenhängt: die emotionale und panikartige Reaktion von Israelis auf alles Mögliche – aber das könnte auch ein Zeichen unserer Stärke sein.

Der Autor ist Vorstandsvorsitzender der Unternehmensberatungsfirma Financial Immunities und Mitautor des Buches „Israel – Island of Success“. Der Text wurde von Stefan Frank mit freundlicher Genehmigung des Autors aus dem Englischen übersetzt; er erschien zuerst am 9. Oktober 2018 auf Globes [online] – Israel’s Business Arena.

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