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„Mein größter Traum war es, iranische Musik mit Iranern zu machen – Mission erfüllt“

Die israelische Sängerin Liraz Charhi hat ein neues Album mit Musikern aus dem Iran aufgenommen
Die israelische Sängerin Liraz Charhi hat ein neues Album mit Musikern aus dem Iran aufgenommen (© Imago Images / Everett Collection)

Das neue Album der israelischen Sängerin Liraz Charhi, das sie gemeinsam mit Musikern aus dem Iran aufgenommen hat, ist ein Zeichen der Hoffnung und des Friedens.

Der Iran ist ein Land, das sich öffentlich für die Zerstörung Israels ausspricht. Ein Land, in dem man inhaftiert werden kann, wenn man sich weigert auf die israelische Flagge zu treten. Ein Land, in dem immer wieder Holocaustkarikaturen-Wettbewerbe stattfinden. Ein Land, in dem die Todesstrafe darauf steht, mit Israelis zu interagieren und sich für Frieden auszusprechen – und dies seit 1979, seit der Islamischen Revolution. Seit diesem historischen Moment verloren Juden und Frauen im Iran ihre Rechte.

Liraz Charhi ist eine israelische Sängerin und Schauspielerin mit persischen Wurzeln und auch bekannt durch ihr Mitwirken an der neuen israelischen Erfolgsserie „Tehran“. Ihre Eltern migrierten 1970 nach Israel, also noch vor der Islamischen Revolution, als die beiden Länder noch gute Verbindungen zueinander hatten. Etwas, das heute unvorstellbar ist.

Charhis Sehnsuch nach dem Iran

Die Sängerin wuchs damit auf, Hebräisch in der Schule zu sprechen und Farsi zu Hause. Wie sie dem britischen Guardian sagte, war sie durch ihre Identität verwirrt: „Es war wie ein großes Loch in meinem Herzen – ein Fragezeichen. Wer bin ich? Woher kam ich?“ Erst als sie als Schauspielerin nach Los Angeles ging, lernte sie durch die dort ansässige amerikanisch-iranische Gemeinschaft mehr über die iranische Kultur. Sie lernte die iranische Musik der 1970er Jahre kennen und war fasziniert von den Stimmen der Frauen, die voller Mut sangen.

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Beide ihrer Alben sind von dieser Zeit und von namhaften Künstlern, wie Googoosh, Ramesh und Dariush beeinflusst. Auf ihrem ersten Album „Naz“ (Farsi für „Süß“) singt sie zum einen frech über die Rolle der Frau, männliche Erwartungen und wie weiblicher Nutzen aus diesen gezogen werden kann. Zum anderen covert sie alte iranische Lieder wie „Zendegi“ („Leben“) des iranischen Sängers Pooran.

In ihrer Musik ruft sie Frauen dazu auf, mit ihr für Rechte im Nahen und Mittleren Osten zu kämpfen. Es ist ihre eigene Revolution und die Revolution aller Frauen. Sie zeigt durch ihren Tanz, ihren Ausdruck und ihren Gesang weibliche Freiheit und weibliche Kraft. „Wir dürfen tanzen. Wir dürfen singen. Wir dürfen jubeln“, heißt es in einem ihrer Lieder, „Zusammen werden wir eine Revolution machen.“. „Sollte es im Iran zu einer Revolution kommen, wird diese durch die mutigen persischen Frauen kommen“, sagte Liraz zur Jerusalem Post.

Ihr zweites Album wird am 13. November von Glitterbeat Records veröffentlicht werden und trägt den Namen „Zan“ (Farsi für „Frau“). Das Album beinhaltet elektronische Tanzmusik, die an die lebendige, iranische Pop-Szene der 1970er Jahre erinnern möchte, und spiegelt Charhis langersehnten Traum wider, gemeinsam mit iranischen Musikern ein Album aufzunehmen.

Zusammenarbeit mit Musikern aus dem Iran

Ein Ding der Unmöglichkeit, sollte man angesichts der Zustände im Iran meinen – doch in den modernen Zeiten der sozialen Medien Netzwerken hat sich dieser Traum als machbar erwiesen. Charhis kontaktierte online einige iranische Sänger und Bağlama-Spieler (ein traditionelles iranisches Saiteninstrument) für ihr Album und erhielt großen Zuspruch.

Einige der Musiker zogen nach ein paar Monaten aus Angst vor der iranischen Regierung ihre Mitarbeit aus dem Projekt zurück und änderten ihre Profile in den Social Media. Andere wollten nur nicht unter ihrem eigenen Namen erscheinen. Einer der – unter dem Namen Raman Loveworld – Mitwirkenden sagte gegenüber dem Guardian: „Ich weiß, dass es gefährlich ist, sich an diesem Projekt zu beteiligen, aber wir sind doch einfach nur Menschen.“

Für die Aufnahmen verwendeten die Charhis verschlüsselte Nachrichtenkanäle wie Telegram und trafen sich auch persönlich mit iranischen Sängern in europäischen Ländern. Das Projekt ging über Monate und kostete die Sängerin zahlreiche schlaflose Nächte, insofern es nicht nur eine technische, sondern vor allem eine emotionale Herausforderung war: „Jede Nacht hatte ich Angst, dass ich etwas Böses mache, und diese Menschen inhaftiert werden könnten“. In einem am 22. Mai im Iran erlassenen Gesetz heißt es nämlich, dass „jede Kooperation mit dem ‚zionistischen‘ Staat gleichwertig ist mit der Feindschaft gegen Gott“ – worauf also im Extremfall auch die Todesstrafe stehen könnte.

Auf ihrer Facebook-Seite schreibt die Sängerin:

„Das Album ‚Zan‘ ist mein größter Traum, der wahr wird. Es ist das Ergebnis einer Kooperation mit iranischen Künstlern aus dem Iran und aus der ganzen Welt. Ich schrieb dieses Album mit ihnen, um mir die Schmerzen meiner Sehnsucht zu erleichtern. Es war eine Chance, meine Sehnsucht danach, das Land meiner Eltern zu besuchen, in meine Kunst umzuwandeln. Danke, dass ihr mir die Möglichkeit gegeben habt, meine Geschichte zu erzählen. Es ist ebenso Eure eigene. Ich weiß es. Ich liebe Euch.”

Mit ihrem neuen Album schafft es Liraz Charhi, die Gesetze und den Hass des iranischen Regimes gegenüber Israel zu umgehen und entzündet einen Funken Hoffnung, indem sie zeigt, dass Teile der iranischen Bevölkerung sich gegen die Regierung stellen und sogar Inhaftierungen und Todesurteile auf sich nehmen, um ein Zeichen des Friedens und der Zusammengehörigkeit in die Welt zu schicken.

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