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Mehr als ein akademischer Troll: Das Schweigen der Aleida Assmann

Erhielt 2018 den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels: Aleida Assmann
Erhielt 2018 den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels: Aleida Assmann (© Imago Images / epd)

Bezeichnete Aleida Assmann einen Rechtsstreit um eine Jerusalemer Immobilie als »Elend der Welt«, fällt ihr nun zum Krieg gegen die Ukraine nichts mehr ein.

Leo Sucharewicz

»Die Medien konfrontieren uns mit dem Elend der Welt, das wir ohnmächtig an uns vorbeiziehen lassen«, schrieb die »Kulturwissenschaftlerin« Aleida Assmann in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 8. Juli 2020. Das »Elend der Welt« ist ein großes Thema. Für Aleida Assmann besteht es nicht aus Hunger und Armut, nicht in Krieg und Zerstörung, nicht in Krankheit und Korruption, sondern im Rechtsstreit um eine Immobilie am Rande Jerusalems.

Dieses Elend der Welt schmerzt Aleida Assmann und zwingt sie zu einem »Aufschrei gegen die Ohnmacht des Schweigens«. Und – übersehen wir den Antagonismus – zu tiefster Resignation, weil »nichts und niemand mehr zu retten ist«.

Aleida Assmanns Anti-Israel-Obsessionen sind so bekannt wie ultimativ. Nach dem »Elend der Welt« ist nicht mehr viel an beklagenswerten Apokalypsen vorstellbar, auch begrifflich lässt es sich kaum toppen. Was also soll Aleida Assmann zur Zerstörung der Ukraine sagen? Was zum Massenmord an ukrainischen Zivilisten? Zur Zerstörung ganzer Städte? Was zu Hunderten Vergewaltigungen?

Sie sagt – nichts. Aleida Assmann, seit Jahren umtriebig in einem Dunstkreis selbstgeschaffener antiisraelischer Thematisierungen, ist im Konsens der Kritik an Russlands Vernichtungskrieg nicht wahrnehmbar.

Dabei ist die Meisterin des akademischen Geschwurbels zu kunstvollen Offenbarungen durchaus fähig: »Die Erinnerung der Menschen bahnt sich unterschiedliche Wege, entdeckt Zusammenhänge und bildet unerwartete Allianzen, die sich von den Mustern und Vorgaben der Ideologen entfernen und auf diese Weise neue Wege und Zugänge öffnen.«

Es gelingt ihr auch, den Holocaust als erinnerungskulturelles »Geschichtsereignis« kryptoakademisch neu zu definieren. Deshalb fehlt ihr bei der geschundenen Ukraine zwangsläufig die Steigerung vom »Elend der Welt«. Der Geschwurbel-Nachschub stockt. Das monströse Verbrechen an einem Volk in Europa führt bei Aleida Assmann zu keinem vernehmbaren Aufschrei.

Verachtenswert ist nicht allein ihre Geschwurbel-Blockade, sondern die Hässlichkeit gehässiger akademischer Heucheleien. Diese phänotypische Aleidaisierung hat in den vergangenen Jahren um sich gegriffen. Wenn in ZDF-Nachrichten ein palästinensischer Attentäter als »Opfer« betitelt wird. Wenn der Bayerische Rundfunk aus dem blutigen Anschlag eines palästinensischen Terroristen eine »Kneipenschießerei« (sic!) macht.

Aleida Assmann ist mehr als ein akademischer Troll. Sie ist ein Synonym für die neue informative Dreistigkeit, mit der unsere Demokratie untergraben wird.

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