Medien über Jerusalem: Ersatz fürs richtige Blutvergießen

„Als Reaktion auf die Entscheidung von US-Präsident Donald Trump, Jerusalem als Hauptstadt Israels anzuerkennen, haben die Palästinenser drei Tage der ‚Wut‘ ausgerufen. Bislang scheint sich die wirkliche Wut allerdings eher in den internationalen Medien als auf der palästinensischen Straße zu entladen. (…) In den vergangenen Tagen haben die Medien das, was sich tatsächlich in der Altstadt von Jerusalem und um sie herum zugetragen hat, maßlos übertrieben. Bislang ist die Zahl der Journalisten und Fotografen, die über die Proteste in der Stadt berichten, größer als die der palästinensischen Demonstranten. (…)

In Jerusalem leben beinahe 300 000 Araber, von denen sich die überwiegende Mehrheit an keiner der kleinen Protestaktionen beteiligt hat, die für die Dutzenden Reporter inszeniert wurden, die sich in der Stadt eingefunden haben. Auf den Straßen Berlins, Kairos, des spanischen Valencia oder denen Istanbuls gab es größere Proteste als in Jerusalem. Von zwei Zwischenfällen am Damaskustor und in der Salah-Eddin-Straße abgesehen blieben die übrigens 28 arabischen Nachbarschaften in Jerusalem weitgehend ruhig und es trug sich nichts Dramatisches zu.

Die gelangweilten Journalisten mussten ihre Schutzhelme und kugelsicheren Westen ablegen und ins Westjordanland aufbrechen in der Hoffnung, ein paar Szenen der ‚neuen Intifada‘ einfangen zu können. (…) Proteste gegen Israel und die USA sind in den Straßen von Ramallah, Hebron und Bethlehem nicht ungewöhnlich. Aber für ‚Kriegsreporter‘ gibt es nichts Aufregenderes, als hinter brennenden Reifen und Steinewerfern zu stehen und direkt aus dem Zentrum der ‚Zusammenstöße‘ zu berichten. Solche Szenen erwecken den Eindruck, als stünden die Journalisten mitten auf einem Schlachtfeld und als riskierten sie ihr Leben, um ihren Zusehern die Geschichten zu liefern. Vielleicht bekommen sie sogar eine Auszeichnung für ihre ‚mutige‘ Berichterstattung aus dem Gefahrengebiet!

So läuft es, wenn man zu viel Angst hat, um in den Jemen, nach Libyen, nach Syrien oder in den Irak zu gehen, um über das wirkliche Blutvergießen zu berichten. Seien wir ganz ehrlich. Die vielen Journalisten, die nach Israel entsandt wurden, erwarteten — ja hofften — dass Trumps Erklärung eine neue palästinensische Intifada auslösen würde. So würden die Medien behaupten können, Trumps ‚Zündelei’ habe zu Gewalt  und Instabilität geführt und den Friedensprozess ‚torpediert’. In Wirklichkeit geht es um den von den Medien kolportierten Hass auf Trump. Natürlich geht es auch um den von den Medien kolportierten Hass auf Israel und die Suche nach jedem erdenklichen Vorwand, die Juden für das ‚Leiden’ der Palästinenser verantwortlich zu machen. Von ärgerlichen Fakten werden die Journalisten sich dabei nicht behindern lassen. Sie berichten weiterhin so, als stehe Jerusalem in Flammen. Die Wirklichkeit vor Ort ist eine gänzlich andere.“ (Bassam Tawil: „Newsflash: Jerusalem Not on Fire!“)

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