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Marokko liefert Panzer an die Ukraine

T-72B-Panzer der marokkanischen Streitkräfte
T-72B-Panzer der marokkanischen Streitkräfte (Quelle: Open Source)

Damit ist das Königreich Marokko der erste afrikanische Staat, der der Ukraine militärische Hilfe leistet und gepanzerte Fahrzeuge in das vom Krieg zerrüttete Land schickt.

Wie die algerische Nachrichtenagentur Menadefense berichtet, hat Marokko Panzer in die Ukraine geschickt, um die Gegenoffensive gegen die russischen Streitkräfte zu unterstützen. Dem Bericht zufolge wurden T-72B-Panzer an die Streitkräfte in Kiew geliefert, die Rabat in den Jahren 1999 und 2000 von Belarus erworben hatte, um im Norden die sogenannte »russische Brigade« zu bilden, die das Land vor den Panzerdivisionen des Nachbarlandes Algerien schützen sollte. 

Die genaue Anzahl der gelieferten Panzer ist nicht bekannt, aber auf Bildern, die bei einem Besuch des tschechischen Ministerpräsidenten Petr Fiala in den Werkstätten von Excalibur Army im mährischen Šternberk gemacht wurden, sind etwa zwanzig Stück zu sehen. Das tschechische Rüstungsunternehmen Excalibur Army hatte sie modernisiert, bevor sie vergangene Woche zu ihrem Kampfeinsatz in die Ukraine in den Kampfeinsatz geschickt wurden. Damit ist das Königreich Marokko das erste Land in Afrika, das der Ukraine militärische Hilfe geleistet hat und gepanzerte Fahrzeuge in das vom Krieg zerrüttete Land schickt.

Richard Kubena, kaufmännischer Direktor des Unternehmens, erklärte Mitte Dezember gegenüber Medien, Excalibur Army bereite sich »auf einen Großauftrag zur Modernisierung von bis zu hundertzwanzig T-72 Kampfpanzern vor, die aus einem afrikanischen Land stammen«. Der Kauf der Panzer zur Lieferung an die Ukraine werde von den Vereinigten Staaten und den Niederlanden im Rahmen eines Abkommens in der Höhe von rund 90 Millionen Euro bezahlt.

Laut Kubena sollten im Laufe des Januars achtzehn Panzer modernisiert und für den Versand vorbereitet werden. Insgesamt ist geplant, neunzig afrikanische T-72-Kampfpanzer an die Ukraine zu verschicken, plus weitere dreißig als Option, die im nächsten Jahr gekauft werden sollen. 

Neue Linie Marokkos

Die Entscheidung Marokkos, Waffen an die Ukraine zu liefern, mit der Rabat seine neutrale Haltung im russisch-ukrainischen Konflikt aufgibt, fiel auf dem Gipfel in Ramstein am 26. April 2022, auf dem auch Tunesien als zweites nordafrikanisches Land vertreten war. Zuvor war Marokko der Linie vieler afrikanischen Staaten gefolgt und vertrat eine neutrale Haltung im laufenden Konflikt, indem es sich etwa bei der Abstimmung der UN-Vollversammlung im März 2022, in der die russische Aggression verurteilt wurde, der Stimme enthielt. Marokko gehörte zu den 25 von 54 afrikanischen Staaten, die sich bei dieser UN-Resolution der Stimme enthielten oder nicht abstimmten.

Doch die anhaltende Unterstützung Russlands für Marokkos regionalen Rivalen Algerien scheint, neben amerikanischem Druck, ein Umdenken in Rabat bewirkt zu haben. Kurz nach der Teilnahme Marokkos an der UNO-Vollversammlung besuchte etwa der russische Außenminister Sergej Lawrow Algerien, wo er erklärte, Russland und Algerien würden »in allen wichtigen Fragen der internationalen Politik auf Augenhöhe« verkehren.

Die Spannungen zwischen Algerien und Marokko haben in letzter Zeit zugenommen und dazu geführt, dass Algerien im August 2021 seine diplomatischen Beziehungen zu Marokko abgebrochen hat. Die beiden nordafrikanischen Länder streiten vor allem über den politischen Status der von Marokko beanspruchten Westsahara, während Algerien die Unabhängigkeitsbewegung der Polisario unterstützt, die sich aus Mitgliedern der indigenen Bevölkerung, der Sahrauis, zusammensetzt und Anspruch auf das Gebiet erhebt. 

Die Westsahara wurde von Marokko besetzt, nachdem das Königreich sie in zwei Etappen 1976 und 1979 annektiert hatte. Nach internationalem Recht wird sie jedoch nicht als rechtmäßiger Teil Marokkos betrachtet. Algerien unterhält seit jeher enge militärische Beziehungen zu Moskau, die bis in die Sowjetzeit zurückreichen und sich in den vergangenen Jahren noch verstärkt haben.

»Moralisches Gebot«

Seit 2015 bittet die Ukraine Marokko um den Kauf der nun gelieferten Kampfpanzer, um ihren Bestand an sowjetischen Panzern zu ergänzen. Der Krieg mit Russland hat ihre Anzahl dezimiert. In einem Interview im November sprach Präsidentenberater Mykhailo Podoliak über den Bedarf der ukrainischen Armee an militärischer Unterstützung aus Partnerländern, um die territoriale Integrität des Landes mit militärischen Mitteln wiederherzustellen. 

»Wir brauchen noch 150 bis 200 Panzer, etwa 300 gepanzerte Fahrzeuge, 100 Artilleriesysteme, 50 bis 70 Mehrfachraketenwerfersysteme, darunter das beeindruckende amerikanische HIMARS, von dem die Ukraine bereits mehrere Exemplare besitzt, sowie 10 bis 15 Flugabwehrsysteme, um den Himmel zu schließen«, so Podoliak damals.

Vergangene Woche erklärte der britische Außenminister James Cleverly, die Versorgung der Ukraine mit Hochleistungspanzern für den Kampf gegen Russland sei »ein moralisches Gebot«. Trotz der wachsenden Zahl von Staaten, die Panzer und gepanzerte Fahrzeuge nach Kiew schicken, wartet das Land immer noch auf deutsche Leopard-2-Panzer.

Eine Entscheidung darüber, ob Berlin der ukrainischen Bitte endlich nachkommt, sollte eigentlich vergangene Woche fallen, aber der deutsche Verteidigungsminister Boris Pistorius sagte, sein Land brauche mehr Zeit. »Es gibt gute Gründe für die Lieferung und es gibt gute Gründe gegen sie. Angesichts der Gesamtsituation eines Krieges, der nun schon fast ein Jahr andauert, müssen alle Vor- und Nachteile sehr sorgfältig abgewogen werden, und diese Einschätzung wird von vielen Verbündeten ausdrücklich geteilt«, sagte Pistorius gegenüber Reportern.

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