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Ein Anschlag mit Ansage: Mamdani und der Ground-Zero der Gesellschaft

Der neue New Yorker Bürgermeister Zohran Mamdani mit seiner Frau und seinen Eltern
Der neue New Yorker Bürgermeister Zohran Mamdani mit seiner Frau und seinen Eltern (© Imago Images / Media Punch)

Die Autorin, gebürtige Amerikanerin und Schwarze, erklärt, warum der Wahlsieg von Zohran Mamdani zum neuen New Yorker Bürgermeister kein Mandat, sondern ein Menetekel ist.

»Heute Abend sind wir vom Alten ins Neue getreten«, proklamierte ein 34-Jähriger in Brooklyn. Er stand im gleißenden Licht des Sieges vor einer jubelnden Menschenmenge. Er, das ist Zohran Kwame Mamdani, 1991 in Uganda geborener Sozialist. Der Lokalpolitiker aus dem 36. Wahlbezirk in Queens ist ein Einwanderer, der den amerikanischen Traum in seiner modernsten Form versinnbildlicht. Im Big Apple ist er groß herausgekommen; nun wird er erster muslimischer Bürgermeister der Weltmetropole New York.

In diesem feierlichen Augenblick gedachte er, das Pathos und die historische Gravitas von Jawaharlal Nehrus berühmter Hymne Begegnung mit dem Schicksal zu beschwören. Damit stellte der junge Shooting Star seinen politischen Aufbruch bewusst in die Tradition eines epochalen Wechsels und einer neuen Bestimmung.

Es war um 23:30 Uhr Ortszeit am vergangenen Dienstag. Gerade eine halbe Stunde vor Mitternacht – und es war schon fünf nach zwölf. Denn dies war nicht die Fanfare eines neuen Morgens, sondern das schrille, wenn auch unbeabsichtigte, Läuten eines Weckers, der längst hätte klingeln müssen.

Aber zahlreiche Medien nah und fern bejubelten den Aufstieg des Außenseiters weitgehend unkritisch und bastelten gemeinsam mit ihm, dem zeitweiligen Rapper, das Narrativ eines Marginalisierten. Die bitterböse Ironie: Ein Millionärssohn predigte Marxismus und wurde dafür gefeiert. Während er sich medienwirksam als besitzloser Champion der Arbeiterklasse inszeniert – betont durch sein geringes, deklariertes Nettovermögen, das Fehlen eines Autos und das Wohnen in einer Mietwohnung –, liegt der wahre Anker seiner politischen Existenz im massiven elterlichen Kapital.

Als Sprössling des berühmten Akademikers Mahmood Mamdani und der Hollywood-Regisseurin Mira Nair wuchs Zohran Mamdani wohl nicht im Elend auf, sondern in einem von der Columbia University subventionierten Wohnraum und einer zwei Millionen Dollar teuren Chelsea-Wohnung. Er genoss eine »sehr privilegierte« Kindheit, wie er selbst offen einräumte. Sein Aufstieg ist somit nicht das Produkt des harten sozialen Kampfes.

Jenseits von Geld und Börse

Es gibt besorgniserregende Hinweise bezüglich der Finanzierung seines Wahlkampfs. Die wahre Geldquelle seiner politischen Macht enthüllte paradoxerweise eine seiner prominentesten Mentorinnen: Die palästinensisch-amerikanische Aktivistin Linda Sarsour behauptete öffentlich, die Kampagne sei maßgeblich durch das Council on American-Islamic Relations (CAIR) finanziert worden.

Sarsour nannte explizit das von CAIR finanzierte das Political Action Committee (PAC) Unity and Justice Fund, das sie als »den größten institutionellen Spender der Pro-Zohran-PACS in New York« beschrieb. Laut öffentlichen Aufzeichnungen spendete der Unity and Justice Fund 120.000 Dollar an das Mamdani-Lager und war damit die Hauptgeldquelle unter den Institutionen. Die diesbezügliche Brisanz liegt darin, dass CAIR wegen angeblicher Verbindungen zur Hamas unter Beobachtung des Kongresses steht. Inwieweit beispielsweise Katar, bekannt als Hauptfinanzier der Hamas, hinter dieser Kette ideologisch geprägter Spenden steckt, bleibt noch unklar. Sarsour kündigte an, nach der Wahl weitere Details über die Finanzierung bekannt zu machen.

Auf diese Art und Weise wird auf jeden Fall die bejubelte Diversität des neuen Bürgermeisters zum trojanischen Pferd, das die ideologische Schwere des Nahostkonflikts und fragwürdiger institutioneller Spender in das Herz der New Yorker Lokalpolitik trägt.

Trauma der Trümmer

Die euphorisierte Presse ignorierte allerdings eine nicht minder große Brisanz: Der Sieg eines solchen Kandidaten an der Spitze dieser Stadt mit ihren acht Millionen Einwohnern reißt die Wunden der ganzen Vereinigten Staaten auf. Denn der Ort, der das symbolische 9/11-Trauma der USA markiert, ist nun Schauplatz eines politischen Affronts. Mamdanis ausgesprochene Israelfeindlichkeit und seine Nähe zu militanten linken Fraktionen bilden die Hauptlast seines Amtes. Diese ideologische Hypothek verdichtet sich durch seine früheren Kommentare zu 9/11, in denen er das posttraumatische Leid der muslimischen Gemeinschaft als zentrales Narrativ betonte, und macht seinen Triumph zur ultimativen, sarkastischen Provokation – ein ideologischer Schlag gegen die kollektive Erinnerung der Metropole.

Mamdani transformiert die Grundwerte New Yorks ­– Offenheit, Pluralismus, Leistungsbereitschaft ­– in einen neuen Ground Zero der politischen Spaltung. Unter dem Banner sozialer Gerechtigkeit werden Identitätspolitik, Klassenkampf und antizionistische Positionen zu zentralen, eng miteinander verwobenen Dogmen erhoben. Diversität wird so nicht mehr als verbindendes Element erlebt, sondern zunehmend zum Prüfstein der Zugehörigkeit. New York, einst Symbol der Integration und des Kompromisses, steht am Beginn einer Ära, in der die moralisierte Gesinnung über den Gemeinsinn triumphiert.

Die Folgen manifestieren sich unmittelbar und drastisch: Mamdani lehnte den Vorstoß des noch amtierenden, schwarzen Bürgermeisters Eric Adams ab, fünftausend neue Polizisten in Dienst zu stellen und nannte das Vorhaben lediglich ein »Theater der Politik«. Eine Haltung, die angesichts steigender Kriminalität die öffentliche Sicherheit der Metropole kompromittiert und ihm von prominenten Demokraten wie Ex-Gouverneur Andrew Cuomo, der als Unabhängiger kandidierte, scharfe Kritik einbrachte.

Die jüdische Bevölkerung reagiert zudem mit akuter Angst. Der israelische Generalkonsul in New York warnte bereits vor der Wahl, dass sich Juden verstärkt in Synagogen und Gemeinden über die Aliyah (die Auswanderung nach Israel) erkundigen und den Umzug nach Florida in Betracht ziehen; ein klares Zeichen für das sinkende Sicherheitsgefühl einer wichtigen demografischen Gruppe.

Mamdanis Sieg wird weit über die Wahlurnen hinauswirken und droht, einen Braindrain auszulösen, der die finanzielle und intellektuelle Basis zwischen Wall Street und Washington Square Park substanziell schwächen wird.

Hoffnungsfroh machen dennoch einige wichtige demografische Angaben. In New York City wählen Schwarze, Hispanics und Juden traditionell mit großer Teilnahme den demokratischen Kandidaten. Diesmal stimmte die Mehrheit der wählenden Schwarzen mit 52 Prozent gegen Mamdani, 45 Prozent für Andrew Cuomo und sieben Prozent für den Republikaner Curtis Sliwa. Hispanische Wähler votierten mit 45 Prozent für Mamdani, 37 Prozent für Cuomo, 13 Prozent für Sliwa und fünf Prozent für andere. Lediglich 33 Prozent der jüdischen Wähler stimmten für Mamdani, ungeachtet größerer Zustimmung bei den jüngeren, säkularen und liberalen jüdischen Wählern. Nun gilt es, die multikulturelle Opposition zu Zohran Mamdani konsequent auszubauen.

Wahlergebnisse in New York werden von den Behörden (Board of Elections) nicht nach Ethnien oder Religionen aufgeschlüsselt. Daher stammen diese Zahlen aus Exit-Polls und Wähleranalysen der Nachrichtenagenturen (insbesondere AP Voter Poll). Diese stellen die genauesten öffentlich verfügbaren Schätzungen dar.

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