Mit der Berufung von Tamika Mallory, einer Vertrauten des Islamisten Louis Farrakhan, in sein Übergangsteam zog der designierte New Yorker Bürgermeister Zohran Mamdani nicht nur die Kritik der jüdischen, sondern auch der LGBTQ-Gemeinde auf sich.
New York City fungiert als ein multikultureller Mikrokosmos für die Herausforderungen unserer Zeit. Die politischen und sozialen Kämpfe, die hier ausgetragen werden, hallen auf der ganzen Welt wider. In dieser Stadt, die als Schmelztiegel unterschiedlicher Kulturen und Ideologien gilt, sind die politischen Entscheidungen von überregionaler Bedeutung und beeinflussen weit mehr als nur das lokale Geschehen.
Eine dieser Entscheidungen, die weitreichende Auswirkungen auf die Stadt und darüber hinaus haben könnte, ist die Berufung von Tamika Mallory in das Übergangsteam des designierten Bürgermeisters Zohran Mamdani, die nicht nur Fragen über die Ausrichtung der kommenden Stadtregierung aufwirft, sondern auch die Beziehungen zur jüdischen Gemeinschaft zerrüttet.
Die jüdische Bevölkerung umfasst etwa dreizehn Prozent (ca. 1,1 Millionen Menschen) der gesamten New Yorks (ca. 8,5 Millionen Menschen). Damit ist New York die Stadt mit der größten jüdischen Gemeinschaft in den Vereinigten Staaten und zählt auch global zu einer der größten. Besonders in Brooklyn und Teilen von Manhattan gibt es starke jüdische Gemeinden, die seit Jahrhunderten eine zentrale Rolle in der kulturellen, religiösen und wirtschaftlichen Landschaft der Stadt spielen.
Problematische Personalie
Mamdani, der in New Yorks progressiven politischen Kreisen als Hoffnungsträger gehandelt wird, hat mit seiner Entscheidung, die Afroamerikanerin Tamika Mallory in eine Schlüsselrolle zu berufen, eine politisch brisante Linie überschritten.
Die 1980 in New York geborene Tamika Danielle Mallory war Mitbegründerin des Women’s March 2017, wofür sie das Time Magazine als eine der führenden hundert Frauen des Jahres ausgezeichnet hat. Soweit das Positive. Mallory ist allerdings eine sehr umstrittene Figur, die für ihre Nähe zu Louis Farrakhan, dem Führer der Nation of Islam, bekannt und nicht zuletzt berüchtigt ist. Farrakhan, der wiederholt antisemitische Aussagen getätigt hat, darunter die Bezeichnung von Juden als »Termiten«, steht im Zentrum einer breiten Diskussion über den stets zunehmenden Judenhass in den USA.
Mallory hat Farrakhan nie klar und unmissverständlich angeprangert. Im Gegenteil, sie verteidigte ihre Beziehung zu ihm in einem Interview mit CBS News von 2018 und erklärte, »keine Angst« vor den von Farrakhan geäußerten kontroversen Aussagen zu haben. Diese Haltung macht Mallory völlig ungeeignet für eine Rolle in einer Regierung, die auf Inklusion und Toleranz angewiesen sein sollte.
Mamdanis Personalie folgte auf seine jüngste, überraschende Zusammenkunft mit US-Präsident Donald Trump – ein Treffen zweier mutmaßlich unvereinbarer politischer Platzhirsche, die in den Augen vieler Beobachter eine Art Bromance zur Schau stellten. Diese Annäherung wurde von vielen entweder als taktische Anbiederung oder als Beweis einer politischen Inhaltsleere und als Bruch Mamdanis mit der Agenda der Democratic Socialists gewertet, deren Mitglied er ist. Es ist, als würde Mamdani versuchen, sein Treffen mit dem erzkonservativen Trump durch die Beschwichtigung des linken, antiisraelischen Flügels mit einem Alibi zu versehen, indem er die zum Symbol für Antisemitismus-Relativierung gewordene Mallory in sein Team ruft.
Als Verfechter einer progressiven Utopie angetreten, steckt Zohran Mamdani nun so oder so in der Falle seiner eigenen Moral. Die Spannung spitzt sich zu: Wird Mamdani die politische Verantwortung übernehmen und die moralischen Implikationen der toxischen Verbindung Mallorys zu Farrakhan anerkennen? Oder wird er versuchen, sich hinter der glänzenden Fassade seiner progressiven Agenda zu verstecken und die Verbindungen zu einer potenziell gefährlichen Figur weiter zu verharmlosen? In einer Stadt, die ihre Vielfalt wie ein Banner trägt, muss er sich fragen lassen, wie er ohne das Vertrauen regieren will, das er durch seinen Schritt endgültig verspielt.
Moralisch-politische Herausforderung
Die jüdische Gemeinschaft in New York hat auf die Ernennung Mallorys mit scharfer Kritik reagiert. Zahlreiche Organisationen, darunter die Anti-Defamation League (ADL) und der Jewish Community Relations Council (JCRC), haben ihre Besorgnis über die mögliche negative Wirkung auf die Beziehungen zwischen der Stadtregierung und der jüdischen Gemeinde geäußert. Die ADL bezeichnete Mallorys Verteidigung von Farrakhan als eine »schwere moralische Verfehlung« und forderte Mamdani auf, sich öffentlich von seiner Wahl zu distanzieren.
Kritik gibt es jedoch auch aus der LGBTQ-Gemeinschaft, und zwar ebenfalls wegen Tamika Mallorys unverbrüchlicher Loyalität zu Louis Farrakhan. Seine homo- und transphoben Tiraden sind seit Jahrzehnten aktenkundig. Selbst der Women’s March musste die Unvereinbarkeit dieser Hetze mit den eigenen »Unity Principles« im März 2018 einräumen.
Doch Mallory, die sich als Speerspitze des intersektionalen Feminismus inszeniert, weigerte sich trotz dieser nachgewiesenen Hetze, sich von Farrakhan zu distanzieren. Stattdessen adelte sie ihn öffentlich als »den Größten aller Zeiten«und beschrieb ihn als moralische Autorität, deren Einfluss sie »nicht bereue«. Prominente Unterstützer wie die Schauspielerin Alyssa Milano zogen sich damals ebenfalls zurück und begründeten dies ausdrücklich mit der Weigerung von Tamika Mallory und Linda Sarsour, Farrakhans vielseitige Hetze in klaren Worten zu verurteilen.
Mit der Ausrede, es handle sich bei Mallory sowieso nur um eine vorläufige Position, kann sich Mamdani nicht ausreden. Ihre Berufung in das Übergangsteam des designierten Bürgermeisters beinhaltet eine schwerwiegende Verfehlung, die das Vertrauen der jüdischen Gemeinschaft in die Führung New Yorks tiefgreifend zerstört und nicht zuletzt andere marginalisierte Gruppen gefährdet. Mamdani muss demzufolge gezwungen werden, sich den Konsequenzen seiner Wahl zu stellen. Um das Vertrauen der jüdischen und anderer Minderheiten wiederherzustellen und eine dauerhafte Zerstörung des politischen Klimas in New York zu vermeiden, muss der designierte Bürgermeister unverzüglich eine klare und unmissverständliche Distanzierung von Tamika Mallory vollziehen.






