Beim Europatag in Wien störten »Pro-Palästina«-Aktivisten eine Veranstaltung vor dem Eurovision Song Contest. Bürgermeister Michael Ludwig reagierte mit ungewöhnlich scharfen Worten – und hatte völlig recht.
Stefan Wachtberger
Im Vorfeld des Eurovision Song Contest in Wien zeigte sich mitten in der Innenstadt, wie aufgeheizt die Stimmung mittlerweile ist. Während eines Festes für Europa und Vielfalt wurden die Reden von Bürgermeister Michael Ludwig und Außenministerin Beate Meinl-Reisinger von einer kleinen, aber aggressiven Gruppe von »Pro-Palästina«-Aktivisten gezielt gestört. Mit Trillerpfeifen, Zwischenrufen, Dauerlärm und den üblichen »Genozid«-Rufen protestierten sie gegen die Teilnahme Israels am European Song Contest, der diese Woche in Wien über die Bühne geht.
Bürgermeister Ludwig reagierte darauf ungewöhnlich scharf. Mit Blick auf die massiven Sicherheitsvorkehrungen rund um den ESC sagte er sichtlich aufgebracht: »Das soll ein Event der Begegnung sein, und leider werden wir große Sicherheitsmaßnahmen brauchen. Wegen Menschen wie Ihnen zum Beispiel«, und wies dabei in Richtung der Demonstranten. Später folgte der Satz: »Wir lassen uns hier nicht wegterrorisieren.« Und auch: »Das ist nicht unser Wien.«
Klare Worte, die längst überfällig waren.
The Mayor of Vienna towards a „Palestine”-activist today:
— Philipp Brokes (@philbrokes) May 9, 2026
„We need huge security measures because of people like you. But even despite you, we will celebrate this feast of togetherness and allow every artist to perform. We won’t let you terrorise us here.”#ESC @puls24news pic.twitter.com/fh5mDq25wQ
Denn natürlich ist Kritik an israelischer Politik legitim. Ob der Song Contest dafür die richtige Bühne ist, sei dahingestellt. Aber wer Veranstaltungen niederbrüllt, andere mundtot macht und gezielt die Eskalation sucht, überschreitet eine Grenze. Genau das hat Ludwig ausgesprochen. Während viele Politiker in solchen Situationen diplomatisch ausweichen, zeigte der Wiener Bürgermeister aus der Emotion heraus eine klare Kante. Das muss man ihm hoch anrechnen.
Das Problem sitzt aber tiefer. Antisemitismus entwickelt sich zunehmend zu einem Lifestyle, zu einem identitätsstiftenden Protestmilieu, das sich über soziale Medien, Demonstrationen und popkulturelle Codes verbreitet. Hass auf Juden wird mittlerweile als Aktivismus verkauft, der Extremismus wird zur Normalität.
Der Blick nach England, Frankreich oder in europäische Großstädte in anderen Ländern zeigt, wohin die Entwicklung führen kann. Dort sind antisemitische Übergriffe in den letzten Monaten massiv angestiegen, jüdische Menschen verstecken ihre Symbole aus Angst vor Angriffen, Veranstaltungen stehen unter Polizeischutz.
Der Vorfall beim Europatag war deshalb mehr als nur ein kurzer Eklat. Er hat gezeigt, wie aggressiv antisemitische Stimmung mittlerweile auch in Wien auftritt. Ludwigs Wutrede dagegen mag ein wichtiger Anfang gewesen sein. Doch um dieser Entwicklung entgegenzutreten, braucht es mehr als den einmaligen »Grant« eines Bürgermeisters. Deshalb ist zu hoffen, dass den Worten auch echte Taten folgen.






