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London: Ausstellung antisemitischer Hetzbilder abgesagt

Matthew Collings (re.) bei einer Ausstellung in London 2024. (© imago images/Avalon.red)
Matthew Collings (re.) bei einer Ausstellung in London 2024. (© imago images/Avalon.red)

Auf den Bildern einer Schau namens »Zeichnungen gegen Völkermord« in London sollten Juden als kindermordende Vampire und Ritualmörder dargestellt werden.

Eine für Mai geplante antisemitische Kunstausstellung im Südwesten Londons wurde abgesagt, nachdem die Organisation UK Lawyers for Israel (UKLFI) eine Beschwerde eingereicht hatte. Die Ausstellung »Zeichnungen gegen Völkermord« von Matthew Collings war vom 16. bis 24. Mai 2026 in der Delta House Gallery in Wandsworth geplant.

Eines der Bilder, die dort hätten ausgestellt werden sollen, zeigt den Eigentümer des Auktionshauses Sotheby’s, den französisch-israelischen Geschäftsmann Patrick Drahi, wie er lebende Babys isst, daneben die Worte: »Hey, seht her, ich verkaufe ein ›fantastisches‹ Gemälde, während ich ein Baby bei lebendigem Leibe esse.« Die Figur hat große, scharfe Raubtierzähne, Ströme von Blut laufen ihm aus dem Mund. Neben ihm ist eine blonde Frau gezeichnet, auch sie mit den gleichen Merkmalen als Monster dargestellt. »Ich auch« (»Me too«), heißt es neben ihr.

Ein anderes Bild zeigt einen nackten Mann mit erigiertem Penis. Beine und Füße erinnern eher an ein Tier als an einen Menschen – so, wie Dämonen und Teufel im Mittelalter gezeichnet wurden. Auf der Figur steht neben dem Penis: »Groß-Israel«. Darunter ist das Wort »hypnotisieren« gekritzelt. Mit seinen dämonischen Augen (dargestellt als ein Pfeil, der aus ihnen schießt) scheint das Monster anderen seinen Willen aufzuzwingen, ähnlich wie Graf Dracula bei Bram Stoker oder der Vampir Kurt Barlow in Stephen Kings Roman Brennen muss Salem.

Weitere Bilder stellen Juden als Teufel mit Hörnern dar oder zeigen sie auf Schädeln stehend mit Botschaften wie: »Wir lieben den Tod«.

Wie die Jerusalem Post berichtet, gibt es außerdem mehrere Werke, die leugnen, dass die Hamas bei ihren Angriffen am 7. Oktober Vergewaltigungen oder sexuelle Gewalt begangen hat. In einem heißt es, es gebe: »keine Beweise dafür, dass sexuelle Gewalt am 7. Oktober als Waffe eingesetzt wurde«, sowie »keine enthaupteten Babys, keine Beweise für Vergewaltigungen«.

Matthew Collings beschreibt die Zeichnungen für seine Wanderausstellung »Zeichnungen gegen Völkermord« als »ein Fenster in die Verbindungen der zionistischen Lobby zu unserer Regierung, den Mainstream-Medien und der Kunstwelt. Die Bilder zeigen Personen, die am Völkermord in Gaza beteiligt waren.«

Bilder erinnern an den Stürmer

UKLFI wandte sich schriftlich an die Eigentümer der Galerie, die Pineapple Corporation und die Delta House Studios Ltd., und warnte davor, dass die zur Ausstellung vorgesehenen Werke antisemitische Bilder und Narrative enthielten. UKLFI wies darauf hin, dass das Material möglicherweise gegen das Gesetz über die öffentliche Ordnung von 1986 verstoße und sowohl der Künstler als auch die Galerie Klagen riskieren könnten. Zudem setzten sich die Galerie und ihre Eigentümer Risiken für ihre Reputation aus.

UKLFI verwies dabei auf Kritiken zu einer früheren Ausstellung von Collings in Zeitungen wie der Times und dem Telegraph. In diesen thematisierten die Rezensenten den Antisemitismus und wiesen auf Parallelen zu Julius Streichers Hetzblatt Der Stürmer hin. Camilla Long, die Rezensentin der Times, schrieb, nachdem sie die »groteske Ausstellung« besucht hatte, könne sie sich „nicht vorstellen, wie es sich anfühlen muss, heutzutage jüdisch zu sein“. Sie sprach von »offener Blutlüge«.

Nach Erhalt des Schreibens von UKLFI bestätigten die Galeristen die Absage der Ausstellung. In einer E-Mail-Antwort vom 24. April 2026 schrieb Tom Berglund, Vorsitzender der Pineapple Corporation: »Wir wussten nichts von dieser Ausstellungsabsicht, da sie ohne Rücksprache mit den Eigentümern der Künstlerateliers in der Riverside Road organisiert wurde.« Er fügte hinzu: »Wir alle hoffen, dass die Probleme im Nahen Osten letztendlich gelöst werden können.«

Tödliche Lügen

Als Blutlüge wird die Behauptung bezeichnet, Juden würden Nichtjuden – Babys, Kinder oder Teenager – töten, um ihr Blut zu trinken, ihr Fleisch zu essen oder mit ihrem Blut Matzen zu backen. Sie tauchte bereits im ersten Jahrhundert nach Christus in den antijüdischen Schriften des griechisch-ägyptischen Sophisten Apion aus Alexandria auf, die nicht erhalten sind, von denen wir aber durch Flavius Josephus wissen, der in seiner Schrift Contra Apionem (Gegen Apion) darauf reagierte.

Die Juden, so Apion, würden in Alexandria Menschen mästen, um sie ihrem Gott zu opfern. Im Jahr 38 n. Chr., etwa zur selben Zeit, als Apion seine Schrift verfasst haben muss, gab es in Alexandria das erste verzeichnete Pogrom der Antike. Der römische Statthalter Flaccus bestrafte nicht die Täter, sondern entzog den Juden ihre bürgerlichen Rechte und sperrte sie in ein kleines Viertel der Stadt, das erste Ghetto der Geschichte.

Im 12. Jahrhundert kam die Blutlüge nach England. Als im Jahr 1144 kurz vor Ostern im ostenglischen Norwich die Leiche eines vermissten Jungen namens William gefunden wurde, wurden die Juden grundlos bezichtigt, ihn entführt und ermordet zu haben. Ein zum Christentum konvertierter Jude namens Theobald von Cambridge schrieb: »Die Juden von Norwich kauften vor Ostern ein christliches Kind und folterten es mit allen Foltern, mit denen unser Herrgott gefoltert wurde.« Dies würde, so hofften die Juden angeblich, die Ankunft des jüdischen Messias beschleunigen. Jedes Jahr, so Theobald, versammelten sich Juden aus vielen Ländern »in Spanien«, um ein »Opfer auszuwählen«, um sich so an Jesus zu »rächen«.

Die Blutlüge setzte sich bis ins 20. Jahrhundert in vielen europäischen Ländern fort, kam immer wieder hoch, wenn ein Kind vermisst und später seine Leiche gefunden wurde – mochte es beim Spielen ertrunken oder Opfer eines Sexualverbrechens geworden sein.

Nicht ausschließlich christlich

Auch wenn viele der Fälle in die Erzählung vom »jüdischen Gottesmord« integriert wurden – der Mord an einem unschuldigen Kind als rituelle Wiederholung der Kreuzigung –, muss man betonen, dass die Blutlüge kulturübergreifend ist. Apion war kein Christ, ebenso wenig wie Sherif Pascha, der Gouverneur von Damaskus, der im Jahr 1840 Juden verhaften und foltern ließ, weil er sie bezichtigte, den Kapuzinermönch Pater Tomaso und seinen muslimischen Diener entführt und ermordet zu haben. Juden wurden unter Folter zu Geständnissen gezwungen oder gleich ermordet, wenn sie nicht gestanden. Es gab daraufhin im ganzen Osmanischen Reich Pogrome und Angriffe auf Synagogen.

Der französische Sozialist Gustave Tridon (1841–1871), Mitglied der Ersten Internationale und der Commune de Paris von 1871, vertrat in seinem Buch Le Molochisme Juif, verfasst während eines Gefängnisaufenthalts zwischen 1866 und 1868 und 1884 postum veröffentlicht, die These, die Menschenopfer fordernde phönizische Gottheit Moloch sei der wahre Gott der Juden, dem sie heimlich huldigten. Sie seien »eine fleischfressende Rasse, die ihren Göttern Menschen opfert«. Detailreich beschrieb er, wie Juden angeblich am Sederabend des Pessachfests am Ende des Mahls, zu später Stunde, Menschenfleisch äßen.

In Zeichnungen, Karikaturen und Wandmalereien kehrt das Motiv des Juden als Vampir oder menschenfressendes Ungeheuer auch in der Gegenwart immer wieder. Zu erinnern ist hier etwa an das Gemälde »People’s Justice« des indonesischen Künstlerkollektivs Taring Padi auf der Kasseler documenta 2022.

Angst vor Gewalt

Nach der Absage der Collings-Ausstellung erklärte ein Sprecher von UK Lawyers for Israel: »Wir begrüßen die Entscheidung, diese Ausstellung abzusagen. Meinungsfreiheit ist ein Grundrecht, doch sie erstreckt sich nicht auf die Verbreitung von Material, das sich antisemitischer Stereotype, entmenschlichender Bilder und Verschwörungstheorien über Juden bedient.« Es bestehe eine »reale Gefahr, antisemitische Bilder und Narrative im kulturellen Raum zu normalisieren«.

»Wenn Material, das Juden dämonisiert oder klassische antisemitische Stereotype wiederverwertet, als legitimer künstlerischer Ausdruck präsentiert wird, riskiert dies, die Schwelle für das, was im öffentlichen Diskurs als akzeptabel gilt, zu senken.« In einer Zeit, in der jüdische Gemeinden in London und in ganz Großbritannien bereits mit einem deutlichen Anstieg antisemitischer Vorfälle und Angriffe konfrontiert seien, könne ein Klima, in dem »Hass verharmlost oder entschuldigt« werde, »dazu beitragen, dass solche Angriffe wahrscheinlicher werden«.

Drei Tage später stach im Londoner Stadtteil Golders Green, in dem im März bereits ein Brandanschlag auf mehrere Wagen eines jüdischen Rettungsdienstes stattgefunden hat, ein Mann auf offener Straße mit einem Messer auf Juden ein.

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