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Lösen ausgerechnet Bäume den nächsten israelisch-libanesischen Krieg aus?

Grenze zwischen Israel und dem Libanon
Grenze zwischen Israel und dem Libanon (© Imago Images / Xinhua)

Eine libanesische Umweltschatzorganisation pflanzt Bäume an der Grenze zu Israel, um so der Terrororganisation Hisbollah Angriffe zu erleichtern

„Ein Konflikt um Bäume könnte den nächsten israelisch-libanesischen Krieg auslösen“ – so lautet die auf den ersten Blick überraschende Schlagzeile einer Reportage, die vor einigen Tagen im Wall Street Journal erschien.

Die Zeitung hatte ihren Kriegsberichterstatter Dion Nissenbaum zusammen mit dem Beiruter Journalisten Nazih Osseiran und dem Fotografen Lorenzo Tugnol auf die libanesische Seite der stark gesicherten israelisch-libanesischen Demarkationslinie geschickt, der sogenannten Blauen Linie, die von der UNO 1978 auf einer Landkarte gezogen wurde.

Vom Libanon versucht die vom Iran bewaffnete und finanzierte schiitische Terrororganisation Hisbollah seit Jahrzehnten, Israel zu infiltrieren, um Israelis zu töten oder zu entführen. Auch mit Tunneln: So wird die Blaue Linie von ihr buchstäblich untergraben.

Der größte Vorfall der letzten 15 Jahre ereignete sich am 12. Juli 2006, als Hisbollah-Kämpfer – begleitet von Raketenangriffen, die der Ablenkung dienten – in israelisches Territorium eindrangen. Sie überfielen zwei israelische Militärfahrzeuge aus dem Hinterhalt, töteten drei Soldaten und entführten zwei weitere Soldaten, Eldad Regev und Ehud Goldwasser.

Der Angriff löste den zweiten Libanonkrieg aus, den der damalige israelische Ministerpräsident Ehud Olmert mit dem Ziel führte, Regev und Goldwasser zu befreien. Zwei Jahre später, als Olmert zustimmte, den in Israel inhaftierten Hisbollah-Terroristen und Kindermörder Samir Kuntar im Austausch gegen Regev und Goldwasser freizulassen, erhielten Regevs und Goldwassers Angehörige nur zwei Särge zurück; die beiden waren an den Verletzungen gestorben, die sie bei dem Hisbollah-Überfall erlitten hatten.

Terroristen aus dem Libanon

Schon bevor die Hisbollah Anfang der 1980er Jahre auftauchte, hatte es in Galiläa, wie der Norden Israels heißt, grausame Terroranschläge gegeben, die von Terroristen verübt wurden, die aus dem Libanon unbemerkt nach Israel eindrangen.

Vor allem nach 1967, als Judäa, Samaria, der Gazastreifen, das gesamte Ostufer des Sees Genezareth und die Golanhöhen im Sechs-Tage-Krieg unter israelische Kontrolle gekommen waren (und somit als Sprungbrett für Terroranschläge ausschieden), avancierte der Libanon zum bevorzugten Ausgangspunkt für grenzüberschreitende Überfälle auf Israelis.

Besonders blutig waren die Geiselnahme von 105 Schülern und zehn Erwachsenen in einer Schule in Ma’alot im Mai 1974, bei der 25 Kinder und sechs Erwachsene getötet wurden, und das Küstenstraßenmassaker im März 1978, bei dem 39 Israelis getötet wurden, darunter 13 Kinder. Beide Taten wurden von Jassir Arafats PLO verübt (im ersten Fall war es die DFLP, im zweiten die Fatah).

Umweltschutz im Namen des Terrors

Früher konnten Touristen an der israelisch-libanesischen Grenze einen breiten Streifen Sand besichtigen, der jeden Tag säuberlich geharkt werde. Dies geschah, damit man morgens sehen konnte, ob in der Nacht jemand die Grenze überquert hatte. Heutzutage versucht Israel, die Grenze mit allerlei Hightech zu sichern. Doch die Terroristen wollen die Überwachung des Grenzgebiets verhindern. Hier kommen die Bäume ins Spiel. Dion Nissenbaum und Nazih Osseiran schreiben:

„Im Zentrum der Spannungen, die einen brandneuen Krieg zwischen Israel und dem Libanon auslösen könnten, stehen Baumgruppen, die entlang der unscharfen Grenze gepflanzt wurden“

Die Bäume wurden entlang der israelischen Sperranlage gepflanzt und sollen, so die Reporter, „diesen Ort nicht einfach grüner machen“. Sie sollen den israelischen Überwachungskameras die Sicht verdecken. Gepflanzt wurden sie von einer „Umweltschutzorganisation“, die zur Hisbollah gehört und sich „Grün ohne Grenzen nennt“.

Den Schutz dieser Bäume nutzte die Hisbollah, als sie im September 2019 eine israelische Patrouille mit Panzerabwehrraketen angriff. Spricht man die „Umweltschützer“ darauf an, so die Reporter, erklärten sie, dass sie nichts damit zu tun hätten, wenn die Hisbollah die Bäume für Terroranschläge nutze.

Assaf Orion, ein pensionierter israelischer Soldat, sagte den Journalisten, dass „Grün ohne Grenzen“ der Hisbollah einen „dünnen Schleier“ an die Hand gebe, mit dem sie ihre Verantwortung leugnen könne. „Es ist nicht ‚Grün ohne Grenzen’, es ist ‚Gelb an der Grenze’“, so Orion in Anspielung auf das gelbe Emblem der Terrororganisation.

2010 gab es entlang der Grenze ein folgenreiches Scharmützel, als libanesische Soldaten auf israelische Soldaten schossen, die auf der israelischen Seite der Grenze Bäume ausgruben. Dabei wurden ein israelischer Soldat, zwei libanesische Soldaten und ein libanesischer Journalist getötet. In jüngster Zeit, so die Reporter, habe das libanesische Dorf Kfar Kila begonnen, zusammen mit „Grün ohne Grenzen“ Bäume auf der israelischen Seite der Blauen Linie zu pflanzen, „an einer der vielen Stellen, wo die UN-Linie nicht deutlich markiert ist“.

Bäume gegen Zionisten

„Grün ohne Grenzen“ geriert sich zwar als „Umweltorganisation“, der es um „Wiederaufforstung“ gehe, macht aber gleichzeitig keinen Hehl daraus, dass die Bäume einem militärischen Zweck dienen – dass sie direkt an der Grenzmauer gepflanzt werden, um israelische Überwachungskameras zu verdecken.

Zu einer solchen Pflanzaktion hatte „Grün ohne Grenzen“ im April sogar Reporter eingeladen, die über diesen „Akt des Widerstands“ berichteten. Die englischsprachige libanesische Website the961 schrieb damals:

„Die jüngste Initiative ist eine Schau des Widerstands des libanesischen Volkes gegen das Ausspionieren des Libanon durch die israelische Regierung. Natürlich sind Bäume keine Lösung, um die Massenüberwachung des Libanon durch Israel zu stoppen, aber sie machen es etwas schwieriger.“

Seit Jahren beklagt sich Israel bei den Vereinten Nationen zudem darüber, dass „Grün ohne Grenzen“ ein Vorwand der Hisbollah ist, entlang der Grenze Beobachtungsposten und andere militärische Infrastruktur zu errichten.

Auch die New York Times sprach kürzlich in einem Beitrag von „Beobachtungsposten der Hisbollah, die als Stationen einer Umweltgruppe getarnt sind“. „Grün ohne Grenzen“ bekennt sich dazu, eine Vorfeldorganisation der Hisbollah zu sein, die Pflanzaktionen finden oft gemeinsam mit Parlamentsabgeordneten oder anderen Funktionären der Hisbollah statt, auch zu Ehren von „Märtyrern“ – so nennt die Miliz jene Mitglieder, die im Krieg gegen Israel ums Leben kommen. Der Präsident von „Grün ohne Grenzen“, Hajj Zuhair Nahle, sagte 2017:

„Wir verstecken diese Verbindung [zur Hisbollah] nicht. Das kann man allen unseren Broschüren und Medienkampagnen entnehmen. Wir schreiben: ‚Die Bäume sind die Schatten des Widerstands’.“

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