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Libanon vor der großen Finsternis

Wie anderswo im Libanon gehen auch in der Hauptstadt Beirut immer öfter buchstäblich die Lichter aus. (© imago images/Danita Delimont)
Wie anderswo im Libanon gehen auch in der Hauptstadt Beirut immer öfter buchstäblich die Lichter aus. (© imago images/Danita Delimont)

Die staatliche Stromversorgung im Libanon ist weitgehend zusammengebrochen. Jetzt drohen auch private Anbieter, nicht mehr weitermachen zu können.

Campbell MacDiarmuid, The Irish Independent

Im Libanon ist dieser Tage ein Kartell von Geschäftsleuten, das vor Ort als „Generatoren-Mafia“ bekannt ist, das Einzige, was die Lichter während der immer länger werdenden landesweiten Stromausfälle am Leuchten hält. Jahrelang haben private Stromerzeuger fette Gewinne eingefahren, indem sie einen saftigen Aufpreis für die Füllung der Lücken auf dem Strommarkt verlangten. Doch nach dem wirtschaftlichen Zusammenbruch des Libanon boomt das Geschäft nicht mehr – und der Chef der Stromerzeuger-Mafia droht damit, das Land „in die Dunkelheit“ zu stürzen.

„Macht euch bereit: In zwei Tagen werden wir unsere Generatoren der Regierung übergeben und ihr sagen, dass sie sich um ihr Problem kümmern muss. Wir können nicht weitermachen“, sagt Abdo Saade. Er ist der Vorsitzende des Syndikats der privaten Stromerzeuger im Libanon, einer Gruppe von mehreren tausend Geschäftsleuten, die den größten Teil der Stromversorgung in dem kleinen Land sicherstellen.

Der Libanon begann mit dem Einsatz privater Generatoren, um die Stromausfälle während des 15-jährigen Bürgerkriegs zu bewältigen. „Wir kamen, um eine kleine Marktlücke zu schließen“, sagt Herr Saade (60). Diese Lücke erwies sich als lukrativ, und die Stromerzeuger sind seit dem Ende des Konflikts im Jahr 1990 weiterhin auf einem weitgehend unregulierten grauen Markt tätig. Obwohl das staatliche Unternehmen Electricite du Liban (EDL) der einzige legale Stromversorger ist, hat es immer an der Kapazität gefehlt, rund um die Uhr Strom zu liefern. (…)

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Mit der Verschärfung der Krise sind die Devisenreserven geschrumpft, und die Regierung hat die Menge an importiertem Brennstoff, den sie an die EDL liefert, reduziert. In diesem Monat wurden die beiden größten Kraftwerke des Landes für mehrere Tage vollständig abgeschaltet.

Beirut, einst eine schillernde Stadt, ist heute ein düsterer Ort, an dem es die meiste Zeit über keine Straßenlaternen und nicht einmal funktionierende Ampeln gibt. Stromausfälle, die einst zwei Stunden dauerten, können sich auf Tage ausdehnen, so dass private Stromerzeuger mehr Strom liefern als der Staat. (…)

In den letzten Monaten hat die Regierung die Treibstoffsubventionen gestrichen, so dass Diesel nun das Zehnfache kostet. Obwohl private Stromerzeuger technisch gesehen illegal sind, erkennt die Regierung ihre Rolle an, indem sie monatliche Tarife festlegt. Obwohl sich die Abonnementkosten seit Anfang des Jahres etwa verzehnfacht haben, sagte Saade, dies sei nicht genug.

„Wenn das so weitergeht, können 80 Prozent der Stromerzeuger nicht mehr weiterarbeiten“, sagte er und forderte die im Grunde bankrotte Regierung auf, die Subventionen wieder einzuführen. „Wir steuern auf die Dunkelheit zu.“

(Aus dem Artikel „‘We’re heading into darkness’ – generator mafia threatens to cut Lebanon’s power“, der vom Irish Independent veröffentlicht wurde. Übersetzung von Florian Markl.)

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