Libanon versucht, Hisbollah-Drogenhändler in Paraguay zu schützen

Nader Mohamad Farhat

„Wenige Tage nach dem Rückzug der Trump-Administration aus dem Atomabkommen mit dem Iran hat Washington im Rahmen seiner Offensive gegen Teheran und seine Stellvertreter seine Sanktionen gegen die Hisbollah verschärft. Dennoch bleibt die Politik der USA der libanesischen Terrorgruppe gegenüber uneinheitlich. Indem das Weiße Haus der Hisbollah gegenüber den starken Mann markiert, die von ihr massiv infiltrierten und zum Teil vollständig kontrollierten staatlichen Institutionen des Libanon aber unterstützt, untergräbt es letztlich seinen eigenen Bestrebungen, die geheimen Geldquellen der Hisbollah trockenzulegen. Zurzeit kommt dieser Widerspruch im politischen Vorgehen der USA in Paraguay zum Tragen, wo die libanesische Botschaft versucht, die Auslieferung eines angeblichen Hisbollah-Finanziers namens Nader Mohamad Farhat zu verhindern.

Während die Waffen und Kämpfer der Hisbollah sich vorwiegend im Libanon und in Syrien befinden, stellt Lateinamerika einen entscheidenden Operationsraum für die kriminellen Netzwerke dar, aus denen ein Großteil der Einnahmen der Hisbollah stammt. Paraguay beherbergt im Dreiländereck, wo Paraguay, Argentinien und Brasilien aufeinandertreffen, eine bedeutsame und wachsende mit der Hisbollah verbundene Geldwäscheoperation. Die örtlichen Hisbollah-Agenten sind am dortigen Aufschwung des Kokainverkehrs beteiligt und es gibt Belege dafür, dass die Hisbollah hochrangige Funktionäre in dir Region entsandt hat, um diese Aktivitäten zu koordinieren. Nachdem die Entscheidungsträger in den USA das Dreiländereck ein Jahrzehnt lang vernachlässigt haben, befassen sich Ermittlungen des FBI inzwischen mit den von der Hisbollah dort betriebenen Geschäften in der Höhe von etlichen Milliarden Dollar. Dass die Hisbollah sich zur Wehr setzen würde, indem sie ihren Einfluss vor Ort geltend macht, war zu erwarten. Dass sie sich dazu der libanesischen Botschaft bedienen würde, die streng genommen zu jenen staatlichen Institutionen gehört, die Washington als Gegengewicht zur Hisbollah stärken will, überrascht allerdings doch etwas. (…)

Die US-Behörden verlangen die Auslieferung Farhats, was darauf zu verweisen scheint, dass seine Geldwäscheoperationen mit dem Finanzsystem der USA im Zusammenhang standen. Doch die libanesische Regierung will seine Auslieferung verhindern. Der libanesische Geschäftsträger in Asunción Hassan Hijazi hat an die Generalstaatsanwältin Paraguays geschrieben, sie solle das Ansuchen der USA, Farhat auszuliefern, zurückweisen. (…) Sich in ein rechtliches Verfahren in seinem Gastland einzumischen, stellt dagegen eine Verletzung des diplomatischen Protokolls dar und zeigt eindeutig, dass das Außenministerium in Beirut die Interessen der Hisbollah über jene des Libanon stellt.“ (Emanuele Ottolenghi: „Lebanon Is Protecting Hezbollah’s Cocaine Trade in Latin America“)

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