LGBT-Studie: 96% der Homosexuellen im Irak haben Gewalt erlebt

„Die erste jemals durchgeführte Studie über das Leben und die Erfahrungen von LGBT+-Menschen im Irak hat ergeben, dass 96 Prozent von ihnen irgendeine Form verbaler oder körperlicher Gewalt erlebt haben. Die Studie schätzt, dass 2017 mehr als 220 LGBT+-Menschen in dem Landen getötet wurden. Seit 2003 hat es in dem Land jedes Jahr ‚Mordkampagnen’ gegen LGBT+-Menschen gegeben. [Es waren] 257 LGBT+-Menschen, deren Aussagen die Grundlage der Studie ‚Fighting for the Right to Life: The State of LGBT+ Human Rights‘ in Iraq bilden (…) Die Studie wurde von der Interessengruppe IraQueer in Zusammenarbeit mit einer weiteren Gruppe erstellt, die aus Sorgen um ihre Sicherheit nicht genannt werden will. Im Rahmen des einjährigen Forschungsprojekts, das die Lage der LGBT+-Menschen im Irak zwischen 2015 und 2018 erfasste, wurden auch elf Regierungsvertreter bzw. -beamte, zwölf religiöse Anführer und 201 Angehörige der irakischen Zivilgesellschaft befragt. IraQueer ist die erste und einzige LGBT+-Organisation, die sich mit dem Irak und Irakisch Kurdistan befasst. Sie wurde 2015 gegründet. (…)

Amir Ashour, der Gründer und Geschäftsführer von IraQueer erklärte dem Daily Beast gegenüber: ‚Dies ist die erste Studie ihrer Art im Irak. Unseres Wissens sind Statistiken über die LGBT+-Community im Irak noch nie veröffentlicht worden. Die Zahlen mögen im Vergleich zu Studien in anderen Ländern wie Großbritannien klein erscheinen. Doch in einem Land wie dem Irak, wo jede Form der öffentlichen Betätigung zu Gewalt führen kann und potenziell lebensgefährlich ist, sind die Zahlen geradezu überraschend groß.‘ Bewaffnete Gruppen wie der Islamische Staat und Asa’eb Ahl Al-Haq haben sich unter denen, die die LGBT+-Community bedrohen, besonders hervorgetan, so die Studie. Die Verfolgung durch den Islamischen Staat wurde durch die berüchtigten Bilder dokumentiert, die zeigen, wie Schwule von Gebäuden gestürzt werden. (…) Doch werden LGBT+-Menschen auch von ihren Clans und Familienangehörigen körperlich und verbal misshandelt, weil sie die ‚Ehre‘ der Familie beschädigen. Von den Misshandlungen, die LGBT+-Menschen erleiden, gehen laut IraQueer und Outright International 31 Prozent auf das Konto der Milizen, 27 Prozent auf das der Familien, 22 Prozent auf das der Regierung und zehn Prozent auf das des Islamischen Staats. Für die verbleibenden zehn Prozent sind anderen Instanzen verantwortlich. (…)

‚Die LGBT+-Menschen im Irak befinden sich in Lebensgefahr‘, so Ashour dem Daily Beast gegenüber. ‚Den alljährlichen Mordkampagnen, die es nun schon seit mehr als einem Jahrzehnt gibt, setzt die Regierung nichts entgegen. Nicht ein einziger Täter ist für die Tötung eines Homosexuellen zur Verantwortung gezogen worden.‘ ‚Die Tatsache, dass 96% der befragten LGBT+-Menschen angaben, sie seien mit Gewalt konfrontiert worden, ist zutiefst erschreckend. Es ist nicht nur unmöglich, sich in der Öffentlichkeit zu zeigen. Schon die reine Annahme, das geringste Gerücht, dass man schwul ist, kann den Tod bedeuten. Die Studie beschreibt die verschiedenen Misshandlungen, denen die LGBT+-Community ausgesetzt ist, im Detail. Keiner der Befragten vertraut der irakischen Regierung. (…) Sie genießen keinerlei Rechtsschutz und es mangelt der Regierung bislang am politischen Willen, die Verstöße gegen die Menschenrechte von LGBT+-Menschen zu ahnden. Die Regierung erkennt LGBT+-Menschen einfach nicht als Bürger des Irak an und tut nichts, um sie zu schützen.‘“ (Tim Teeman: „ISIS Is Beaten. But Iraq Is Still Hell for LGBT+ People“)

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