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Hamas: »Gott für Überschwemmung in Gaza verantwortlich«

Flut in Gaza (Quelle: Twitter)
Flut in Gaza (Quelle: Twitter)

Zerstörte Infrastruktur, Korruption und Unterdrückung dominieren das Leben im Gazastreifen. Und alles spricht dafür, dass es noch schlimmer werden wird.

Mohammed Altlooli

Seit Jahrzehnten, nämlich seit die Hamas sich an die Macht geputscht hat, vermissen die Bewohnerinnen und Bewohner des Gazastreifens ein Leben in Würde ebenso wie fundamentale Rechte. Und es fällt ihnen zunehmend schwerer, noch mehr Probleme schultern zu müssen, während es noch schlimmer werden soll.

Laut einem Bericht der Vereinten Nationen wird das Leben in Gaza ab dem Jahr 2025 in Gaza kaum mehr möglich sein. Und laut Berichten von Menschenrechtsorganisationen beträgt der Prozentsatz von Menschen, die unter die Armutsgrenze fallen, schon heute 70 Prozent. Diese Zahl steigt seit 2007 stetig an und wird absehbar weiter ansteigen.

Wollte man Gaza noch retten, wäre weit mehr nötig, als ein paar Laibe Brot zu verteilen, etwas mehr Strom zu liefern und ein paar Arbeitsplätze zu schaffen. Es erforderte vielmehr eine vollständige Erneuerung der völlig maroden Infrastruktur, die durch die Kriege der Hamas mit Israel zerstört wurde.

Diese Infrastruktur ist derart menschenunwürdig, dass vermutlich Tiere in Massenhaltung bessere Lebensbedingungen in Deutschland haben als die Menschen in Gaza.

Mitte Januar dieses Jahres, als Gaza von sintflutartigen Regenfällen heimgesucht wurde, zeigte sich einmal mehr die Schwäche und Unfähigkeit der Stadtverwaltungen, die mit der Hamas-Regierung in Gaza zusammenarbeiten. Angesichts von Überschwemmungen und Zerstörungen wurde sie gefragt: Warum? Und Hamas antwortete: »Gott ist dafür verantwortlich, nicht wir.«

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Nach dem Regen, Bildquelle: Flickr (Oxfam)

Gott und Holzplanken

Das ist ihre Begründung: für ihr eigenes Versagen macht die Hamas Gott und natürlich Israel verantwortlich. Aber die Verantwortung für den Untergang von Gaza liegt in Wirklichkeit bei den Beamten und Herrschern, die den Forderungen der Bevölkerung nach einer Änderung des Lebensstandards und der Regierungsform keinerlei Beachtung schenken.

Stattdessen tragen sie jeden Tag dazu bei, dass Leben und Hoffnungen von weiteren Menschen zerstört werden und reagieren mit Repression auf Unmut. Aber Gott dafür sei ja verantwortlich…

Und wenn sie etwas unternehmen, dann sieht es so aus, wie die Aktion einiger Offizieller in Beit Hanoun, die angesichts der Überschwemmungen und Beschädigungen an Gebäuden und Straßen eine Holzplanke für Schulkinder platzierten, über die diese dann zu ihren Häusern gelangen können. Ihre Antwort sind also Holzplanken.

Wo ist das ganze Hilfsgeld?

Aber die Menschen in Gaza fragen, wohin eigentlich die Millionen gehen, die im Namen unseres Elends überall für Gaza gesammelt werden. Ganz ähnlich sieht es in Städten der Westbank aus.

Erst kürzlich erklärte Premierminister Muhammad Shtayyeh, warum es ihnen unmöglich gewesen sei, ein Krankenhaus zu Ende zu bauen. Das Projekt sei gescheitert, weil nur 140 Millionen Dollar zur Verfügung gestanden hätten. Und er bat Präsident Abbas, mehr Geld für den Bau aufzubringen.

Reicht diese Summe nicht aus, um ein Krankenhaus zu bauen? Wo ist das Geld jetzt? Das sind Fragen, die sich Palästinenserinnen und Palästinenser täglich stellen, während sie immer weiter verarmen.

Inzwischen leiden Palästinenser mehr unter der Korruption und Unfähigkeit ihrer eigenen Führer als unter israelischer Politik und hoffen derweil auf Arbeitsmöglichkeiten in Israel, denn in Gaza und der Westbank gibt es keine.

Der Autor engagierte sich im „Gaza Youth Movement“, musste aus dem Gazastreifen fliehen und lebt, nach längerem Aufenthalt in einem Flüchtlingslager in Griechenland, inzwischen als Asylbewerber in Deutschland. (Artikel zuerst bei Jungleblog erschienen.)

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