So könnte die Türkei zum Erfüllungsgehilfen Assads werden

Unter den gegebenen Umständen und angesichts des mit einer militärischen Invasion verbundenen hohen Risikos hätte die Türkei ihre Bodenoffensive in Syrien nicht ohne Deckung aus der Luft gestartet. Der Luftraum über dem Bezirk Afrin wird jedoch von Russland kontrolliert. Ohne die Zustimmung Moskaus könnte Ankara seine Kampfflieger nicht in das Gebiet entsenden. Diese Zustimmung erfolgte offenbar am Wochenende, als Moskau wütend auf die Erklärung der Vereinigten Staaten reagierte, ihre Streitkräfte würden dauerhaft im Norden Syriens verbleiben und eine 30.000 Mann starke Grenzschutztruppe der SDF ausbilden. Die Amerikaner kontrollieren im Norden Syriens zwar den Luftraum über den kurdischen Bezirken Kobane und Jazira, doch bleibt Afrin isoliert und liegt in der russischen Operationssphäre. So wird Afrin das Opfer russischer Unmutsbekundungen Washington gegenüber. Das Risiko tragen dabei die Türkei und die Menschen in Afrin.

Für die Türkei hängt ein guter Ausgang von der andauernden russischen Zustimmung zu der Offensive in Afrin ab. Selbst wenn es den Türken gelingen sollte, Afrin zügig zu erobern, stünden die von den SDF/PYD/YPG kontrollierten Bezirke Kobane und Jazira de facto weiterhin unter amerikanischem Schutz und blieben damit für die Türkei unerreichbar. Doch selbst dies ist unwahrscheinlich, auch wenn die türkische Kampagne überaus erfolgreich sein sollte. Sollten die Verteidiger Afrins allzu schwere Verluste erleiden, würde sie sich vermutlich dem Verlangen des Assad-Regimes fügen, dass Damaskus die Kontrolle über das Gebiet wieder übernimmt. Sollte das geschehen, würde Russland die Türkei umgehend davon in Kenntnis setzen, dass sie in Afrin keine Einsätze mehr fliegen kann. Dann hätten die Türkei und die Freie Syrische Armee ihr Blut und Geld eingesetzt, um dem Assad-Regime Arbeit abzunehmen.“ (David Romano: „Anakara Throws the Dice in Afrin“)

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