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„Krone“-Fantasien über Ultraorthodoxe

Von Florian Markl

„Krone“-Fantasien über UltraorthodoxeDer Außenpolitik-Chef der Kronen Zeitung hat sich wieder einmal zum Thema Israel geäußert. Zwar beschimpfte er dieses Mal nicht Israelis, die jenseits der sogenannten Grünen Linie leben, auf menschenverachtende Weise als „giftige(s) Natterngezücht“, aber der kurze Kommentar von Kurt Seinitz zum „Thema des Tages“ ist dennoch beeindruckend. Eigentlich geht es darin um die vom türkischen Präsidenten formulierte Forderung, die Türken in Europa sollten möglichst viele Kinder kriegen. Wohin eine solche „bevölkerungspolitische Aggression“ führen könnte, versucht Seinitz an der „Entwicklung des israelischen Staates“ zu demonstrieren: „Bei seiner Gründung betrug der Anteil der Ultraorthodoxen unbeachtete 3 Prozent, heute sind es 30 Prozent, und der Staat ist politisch handlungsunfähig geworden.“

Diese Behauptung ist völlig haltlos: Tatsächlich wird der Anteil der Ultraorthodoxen an der israelischen Bevölkerung auf rund 11 Prozent geschätzt. Selbst wenn deren Geburtsrate unverändert hoch bliebe, würden sie selbst im Jahr 2059 noch nicht die 30 Prozent erreicht haben, die Seinitz den Krone-Lesern unterzujubeln versucht. Er hat die tatsächliche Zahl einfach verdreifacht, um daraus die „bevölkerungspolitische Aggression“ zu spinnen. So gelingt es Seinitz, einen Kommentar über die Politik Erdogans mit frei erfundenen Zahlen in die Anklage einer Gruppe von Juden zu verwandeln, die er als besonders abstoßend zu erachten scheint.

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