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Krieg in Äthiopien: Israels Präsident will Juden rasch nach Israel holen

Sigd-Zeremonie äthiopischer Juden auf der Promenade von Armon Hanatziv in Jerusalem
Sigd-Zeremonie äthiopischer Juden auf der Promenade von Armon Hanatziv in Jerusalem (© Imago Images / Xinhua)

Anlässlich des Feiertags Sigd sagte Isaac Herzog, dass viele derjenigen die immer noch auf Einwanderung warten, bedroht sind und sich in einer beunruhigenden Situation befinden.

Times of Israel

Israels Staatspräsident Isaac Herzog rief am Mittwoch dazu auf, die verbleibenden äthiopischen Juden unverzüglich nach Israel zu bringen, die auf die Auswanderung aus ihrem afrikanischen Heimatland warten, wo ihr Leben durch ein Aufflammen der Gewalt weiter bedroht ist.

Äthiopien hatte Anfang der Woche den Notstand ausgerufen, da der Bürgerkrieg, in dem seit November 2020 Tausende Menschen getötet und Millionen zu Flüchtlingen wurden, auf die Hauptstadt Adis Abeba überzugreifen droht.

„Die Sehnsüchte der Vergangenheit stellen zum großen Teil die Grundlage dieses heiligen Tages dar, aber es ist wichtig, dass wir nicht einen Moment lang unsere Sehnsüchte für die Zukunft vernachlässigen“, sagte Herzog bei einer Zeremonie in Jerusalem anlässlich des äthiopisch-jüdischen Feiertags Sigd.

„Tausende warten immer noch darauf, nach Israel auszuwandern, und viele von ihnen sind unmittelbar bedroht und befinden sich in einer besorgniserregenden Situation. Wir müssen fortfahren zu handeln, um sie schnell nach Israel zu bringen.“

Präsident Herzog ging auch auf die Situation der äthiopischen Einwanderer in Israel ein und sagte, dass die „nationale Mission des Landes nicht beendet ist, für die bestmögliche Integration der äthiopischen Juden zu sorgen. Dies ist nicht nur eine Pflicht – es ist ein großes Privileg, denn wir alle sehen den immensen Beitrag der Einwanderer aus Äthiopien, wohin wir auch schauen.«

Das Projekt, die Tausenden äthiopischen Juden, die noch in Addis Abeba warten, nach Israel zu bringen, ist umstritten und wurde mehrfach verzögert. Einwanderungsministerin Pnina Tamano-Shata, die selbst gebürtige Äthiopierin ist, hat geschworen, schnell für eine Umsetzung zu sorgen.

Letztes Jahr bat eine Organisation, die sich dafür einsetzt, die in Äthiopien verbliebenen Juden nach Israel zu bringen, die Regierung, etwas zu unternehmen, nachdem ein Mitglied der jüdischen Gemeinde bei Kämpfen in dem afrikanischen Land getötet worden war. Girmew Gete hatte 24 Jahre lang darauf gewartet, mit seiner Familie nach Israel gehen zu können.

Seitdem wurden über 2.000 äthiopische Juden im Rahmen einer staatlichen Aktion nach Israel gebracht.

Man geht davon aus, dass 7.000 bis 12.000 äthiopische Gemeindemitglieder immer noch darauf warten, nach Israel gehen zu können, viele von ihnen aus der Region Tigray, dem Zentrum des Konflikts. Andere, die ihre Dörfer schon vor Jahren verlassen haben, fristen ihr Dasein in der Nähe der jüdischen Gemeindezentren in Gondar City und Addis Abeba. (…)

Sigd ist ein Feiertag, an dem die Rückkehr aus dem Exil nach Jerusalem gefeiert wird: ein zentrales Thema der äthiopisch-jüdischen Tradition, die davon ausgeht, dass die Gemeinschaft Buße tun muss – Sigd beinhaltet wie Jom Kippur besondere Gebete und Fasten –, um sich der Rückkehr in die heilige Stadt würdig zu erweisen.

Bei einer der wichtigsten Gemeinschaftsveranstaltungen in Israel rund um den Feiertag versammeln sich Tausende von Gemeindemitgliedern und ihre rabbinischen Führer (Kessim) auf der Promenade im Stadtteil Armon Hanatziv mit Blick auf die Altstadt von Jerusalem. Die Kessim lesen aus Psalmen und anderen biblischen Texten – und danach beendet die Gemeinschaft ihre von Trauer gprägten Zeremonien mit Essen und Tanzen.

Etwa 140.000 Juden äthiopischer Herkunft leben heute in Israel. Rund 22.000 wurden 1984 während der Operation Moses und 1991 während der Operation Solomon per Luftbrücke nach Israel gebracht, die meisten von ihnen aus der Beta Israel Gemeinde. Viele von ihnen sind gut intergriert und finden sich in allen Schichten der Gesellschaft, obgleich es immer wieder Vorwürfe des institutionalisierten Rassismus gibt.

(Aus dem Artikel Amid war in Ethiopia, Herzog urges bringing remaining Jews to Israel ‘quickly’, der in der Times of Israel erschienen ist. Übersetzung von Alexander Gruber.)

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