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Krieg bis zum bitteren Ende: Ahmad Vahidi

Seit Jahrzehnten feste Stütze der Islamischen Republik: Ahmad Vahidi. (© imago images/NurPhoto)
Seit Jahrzehnten feste Stütze der Islamischen Republik: Ahmad Vahidi. (© imago images/NurPhoto)

Ahmad Vahidi hat seine blutige Karriere dem iranischen Regime zu verdanken. Heute steht er für den Kampf um jeden Preis.

In unserer turbulenten Ära gezielter Tötungen im Iran sind Schlagzeilen wie jene über den Tod des Obersten Führers Ali Khamenei und die Beseitigung hochrangiger Persönlichkeiten wie Ali Larijani oder des Kommandanten der Revolutionsgarden Mohammad Pakpour zur beinahe alltäglichen Gewohnheit geworden. Einer Person, die seit Jahrzehnten zu den Stützen der islamischen Diktatur gehört, ist es bislang allerdings gelungen, am Leben zu bleiben: Ahmad Vahidi.

Vahidi, der seinen Weg während der Revolution von Ayatollah Khomeini im Jahr 1979 begann, die den Iran in die Islamische Republik verwandelte, wurde jüngst zum Kommandeur der Revolutionsgarden ernannt, nachdem sein Vorgänger am ersten Tag der Operation Epic Fury eliminiert worden war. Er ist heute einer der mächtigsten Männer in der Islamischen Republik – in deren Geschichte er eine Spur des Terrors und des Blutvergießens hinterlassen hat.

Von Interpol gesucht

Ahmad Vahidi ist nicht nur ein Militäroffizier; er verkörpert die Revolution selbst. Wie der Iran-Experte Nati Tuvia erklärt: »Er ist durch und durch Teil des Regimes und Teil der Revolutionsgarden.« Vahidi gehörte zu den ersten Kommandanten der Quds-Truppe, dem Zweig der Revolutionsgarden, der für die Pflege der Beziehungen zu terroristischen Organisationen im gesamten Nahen Osten (oft als Stellvertreter bezeichnet) zuständig ist. Seit den Anfängen von Khomeinis Herrschaft hat er eine beachtliche Karriere hingelegt, die ihn weit nach oben gebracht hat.

In den 1990er Jahren war Vahidi als Kommandeur der Quds-Truppe der Drahtzieher hinter einigen der tödlichsten Terrorattentate gegen jüdische und israelische Ziele. Dazu gehörten die Bombenanschläge auf die israelische Botschaft in Argentinien (1992) und das jüdische Gemeindezentrum AMIA in Buenos Aires (1994), bei denen insgesamt mehr als 100 Menschen ums Leben kamen.

Die Iran-Expertin Tamar Eilam Gindi stellt fest, dass der Iran in dieser Zeit auf der internationalen Bühne kaum Zurückhaltung übte: »Die 1990er Jahre waren allgemein durch umfangreiche Aktivitäten der Islamischen Republik im Ausland gekennzeichnet, und Vahidi gehörte zu ihren prominenten Akteuren.« Aufgrund seiner Beteiligung an diesen Anschlägen erließ Interpol einen Haftbefehl gegen ihn.

Nach seiner Terror-Tätigkeit bei der Quds-Truppe bekleidete Vahidi mehrere hochrangige politische Ämter. 2009 bis 2013 war er Verteidigungsminister, von 2021 bis 2024 Innenminister.

Hardliner im Richtungsstreit

Heute steht Vahidi im Zentrum einer scharfen Konfrontation mit der sogenannten »moderaten« politischen Führung unter Präsident Masoud Peseschkian. Berichten von Iran International zufolge ist zwischen den beiden ein heftiger Streit darüber entbrannt, ob man in den Verhandlungen mit Präsident Trump Kompromisse eingehen oder den Krieg fortsetzen soll.

Während der Präsident versucht, einen wirtschaftlichen Zusammenbruch zu verhindern und einen Waffenstillstand zu sichern – Berichten zufolge warnte er den Kommandeur der Revolutionsgarden, dass »der Iran vor einem totalen wirtschaftlichen Zusammenbruch stehen wird, wenn der Krieg nicht innerhalb von drei Wochen bis zu einem Monat endet« –, verfolgen Vahidi und die Revolutionsgarden einen kompromisslosen Hardliner-Kurs.

Ein weiterer Streit entstand darüber, ob die Raketenangriffe auf die Golfstaaten fortgesetzt werden sollten. Etwa eine Woche nach Kriegsbeginn veröffentlichte Präsident Peseschkian ein Video, in dem er sich für die Angriffe entschuldigte und versprach, sie würden eingestellt – doch das geschah nicht. Die Revolutionsgarden setzten trotz der Erklärung des Präsidenten den Abschuss von Raketen und Drohnen auf die Golfstaaten fort.

»Wir wissen, dass die Revolutionsgarden dem Präsidenten nicht gehorchen«, sagt Eilam Gindin. Sie zitiert eine unverblümte Botschaft, die über Vahidis Telegram-Kanäle verbreitet wurde: »Hört nicht auf den Präsidenten – er versteht nichts. Wir befinden uns im Krieg, und wir sind diejenigen, die die Entscheidungen treffen.«

Teil des harten Kerns

Israelische Quellen teilten dem Autor mit, dass einer der Hauptgründe, wenn nicht sogar der zentrale Grund dafür, dass Teheran noch nicht auf Präsident Trumps Fünfzehn-Punkte-Vorschlag reagiert hat, interne Meinungsverschiedenheiten innerhalb der Führung sind. Uneins sei man darüber, ob und wie man auf Trumps Avancen antworten solle. »Im Moment haben die Hardliner die Oberhand«, sagte eine Quelle.

Nati Tuvia bekräftigt diese Einschätzung und erklärt, dass Vahidi »eindeutig zum harten Kern gehört, der es vorzieht, um jeden Preis zu kämpfen, anstatt den Krieg zu beenden oder einem Waffenstillstand zuzustimmen«.

Vahidis Macht beschränkt sich nicht auf das Schlachtfeld oder Auslandseinsätze. Er wurde von Europa und den Vereinigten Staaten wegen seiner Beteiligung an der Entwicklung von Massenvernichtungswaffen und Nuklearprogrammen sowie wegen Menschenrechtsverletzungen mit zahlreichen Sanktionen belegt. Als Innenminister war er direkt verantwortlich für die gewaltsame Unterdrückung innerstaatlicher Proteste, insbesondere jener, die nach dem Tod von Mahsa Amini im Jahr 2022 ausbrachen.

Tuvia erklärt, dass Vahidi zwar nicht jeden Polizeibeamten vor Ort befehligt, aber als logistischer Architekt der Unterdrückung fungiert: »Er ist tief in die Organisation der Logistik und die Versorgung der inneren Sicherheitskräfte eingebunden.« »Es wäre unmöglich, ihn als Pragmatiker oder Reformer zu bezeichnen«, fügt Eilam Gindin hinzu. »Er ist ein Konservativer, ein Fundamentalist, und er hat iranisches Blut an seinen Händen.«

Bis zum bitteren Ende

Angesichts der Schwächung der traditionellen religiösen Führung und der Ausschaltung vieler Feldkommandeure scheint Vahidi zu glauben, dass seine Stunde gekommen ist. Für das Regime ist er ein unverzichtbarer Garant für das Überleben, für die Welt und für das iranische Volk verkörpert er dagegen das brutalste Gesicht Teherans.

Während der Iran an einem kritischen Scheideweg steht, ist Vahidi von seiner Position überzeugt. Er sieht sich als »den richtigen Mann zur richtigen Zeit«, um über die Zukunft des Landes zu entscheiden – selbst wenn der Preis dafür ein totaler Krieg und wirtschaftliche Verwüstung sind.

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