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Krach zwischen der Türkei und Nordzypern

Die Beziehungen zwischen der Türkei und Nordzypern erleben gerade eine schwere Krise. (imago images/Joko)
Die Beziehungen zwischen der Türkei und Nordzypern erleben gerade eine schwere Krise. (imago images/Joko)

Die Türkei betrachtet das von ihr besetzte, international nicht anerkannte Nordzypern wir ihr kleines Kind – und reagiert zornig auf mangelnde Unterordnung.

Orhan Kemal Cengiz, Al-Monitor

Türkische Politiker und andere Vertreter, die die nur von Ankara als Staat anerkannte Türkische Republik Nordzypern besuchen, weigern sich seit Oktober, sich mit Präsident Mustafa Akinci zu treffen. Obwohl Akincis Kritik an der Politik Ankaras der offensichtliche Auslöser für die Abkühlung der Beziehungen war, steckt mehr dahinter: der zunehmende Energiewettbewerb im östlichen Mittelmeerraum.

Nachdem die Türkei am 9. Oktober eine Militäroperation im Nordosten Syriens gestartet hatte, nahm Akinci eine völlig andere Haltung ein als die türkische Regierung, die aus einer Koalition der „Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung“ (AKP) und der rechtsextremen „Partei der Nationalistischen Bewegung“ (MHP) besteht.

Mit Hunderten Verhaftungen von Menschen, die lediglich die Operation „Frühling des Friedens“ in Syrien kritisierten, wurde die Infragestellung des Militärfeldzugs zu einer Art Tabu. Akincis Äußerungen über die Operation wirkten unter diesen Umständen wie der sprichwörtliche Stich in ein Wespennest. Unter Bezugnahme auf die Militärintervention der Türkei in Zypern im Jahr 1974 sagte er: „Auch wenn wir die Operation ‚Frieden‘ nannten, war es ein Krieg, und 1974 wurde Blut vergossen. Und auch wenn wir die jetzige Operation ‚Frühling des Friedens‘ nennen, ist das, was vergossen wird, nicht Wasser, sondern Blut. Aus diesem Grund ist es mein größter Wunsch, dass Dialog und Diplomatie so bald wie möglich wieder ins Spiel kommen.“ (…)

Akinkis Bemerkungen konnten durchaus als freundliche Erinnerung eines altgedienten Politikers an die Auswirkungen grenzüberschreitender Militäroperationen gelesen werden, doch Ankara nahm sie als eine Art Feindseligkeit gegenüber der Türkei auf. Präsident Recep Tayyip Erdogan sagte, Akinci habe „seine Grenzen überschritten“, und Vizepräsident Fuat Oktay verurteilte den türkisch-zypriotischen Führer offen. In Nordzypern erhielt Akinci unterdessen Morddrohungen, gegen die er bei der Justiz Ermittlungen beantragte. (…)

Jeder, der weiß, wie die Türkische Republik Nordzypern und ihre Bevölkerung in der Türkei gesehen werden, konnte leicht erkennen, was den Zorn ausgelöst hat. Das offizielle und weit verbreitete Verständnis der Beziehung Nordzyperns zur Türkei könnte wie folgt zusammengefasst werden: Die militärische Intervention der Türkei im Jahr 1974 rettete die zypriotischen Türken, die von zypriotischen Griechen, die die Annexion der Insel an Griechenland anstrebten, abgeschlachtet wurden. Es ist die Türkei, die die Rechnungen in Nordzypern durch direkte und indirekte Finanzhilfe bezahlt. Deshalb sollten die zypriotischen Türken Ankara stets dankbar sein. Die Türkei ist „die Mutter“ und die Türkische Republik Nordzypern ist ihr „Baby“. Alles, was über diese Vorstellung von Unterordnung hinausgeht, würde den Status quo gefährden.

Genau dieses Verständnis kritisierte Akinci in einem Interview mit dem Guardian vom 6. Februar. Er sagte, er stimme nicht mit Erdogans Sicht der Beziehung zwischen der Türkei und Nordzypern als einer zwischen „Mutter und Baby“ überein und forderte stattdessen „unabhängige, brüderliche Beziehungen“. (…)

Akincis Vision, die von vielen türkischen Zyprioten geteilt wird, fordert ein bikommunales, aus zwei Regionen bestehendes Zypern mit politischer Gleichheit und einer einzigen „Persönlichkeit“, wie er dem Guardian sagte. Sie basiert auf einer gemeinsamen Identität als Inselbewohner Zyperns, und besteht nicht darin, dass sie Türken oder Griechen wären. (…)

Akincis Bemerkungen machten ihn in der Türkei zum Buhmann und riefen eine beispiellose Welle von Reaktionen hervor, die härteste, die ein Vertreter Nordzyperns je gesehen hat. MHP-Chef Devlet Bahceli forderte Akinci zum sofortigen Rücktritt auf. „Akinci und seine Unterstützer sollten nicht vergessen, dass Zypern türkisch ist und türkisch bleiben wird“, sagte Bahceli. Er schlug auch vor, dass Akinci in den griechisch-zypriotischen Süden ziehen sollte. (…)

Die Türkei hat ein ernsthaftes Problem mit den gemeinsamen Bemühungen Zyperns, Ägyptens, Israels und mehrerer anderer Länder, die im vergangenen Jahr inmitten der Konkurrenz um die Energieressourcen im östlichen Mittelmeerraum das Eastern Mediterranean Gas Forum ins Leben gerufen haben – unter Ausschluss der Türkei.

Why is Turkish Cypriot leader declared ‘enemy’ in Turkey?

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