Korruption und Misswirtschaft verhindern den Wiederaufbau Mosuls

„Der Abriss eines zerstörten Gebäudes in der nordirakischen Stadt Mosul, in dem der Islamische Staat Männer hingerichtet hatte, von denen gesagt wurde, dass sie homosexuell wären, dauert bereits drei Monat an. Obdachlose Jungen, die in den Überresten des ehemaligen Gebäudes der Nationalen Versicherungsgesellschaft auf Schrottjagd gehen, arbeiten an einigen Tage schneller als der einsame Bagger, der auf dem zerfallenen Gerippe steht. Zwei Jahre nach der Schlacht, in der irakische Truppen Mosul vom IS zurückeroberten, besitzen die Behörden nicht genügend Ausrüstung, um die Trümmer in der Stadt zu beseitigen. Hunderte von Fahrzeugen der Kommune von Mosul wurden im Kampf zerstört oder vom IS als Selbstmordbomben eingesetzt. Nur wenige wurden ersetzt. Unternehmen, die vom Gouverneur mit lukrativen Verträgen beauftragt wurden, um das Defizit auszugleichen, arbeiten absichtlich langsam, oder existieren manchmal nicht einmal, sagen Gesetzgeber und Einheimische. (…)

Der Regionalgouverneur bestreitet jedoch die Betrugsvorwürfe und sagt, dass nicht genug Geld in sein Büro fließt, um den Wiederaufbau zu finanzieren. Viele Bewohner kämpfen mit finanziellen Schwierigkeiten. Familien, die gezwungen sind, ihre eigenen Häuser zu bauen, verschulden sich, leihen sich bei Freunden Geld und leben von Wohltätigkeit. Andere drängen sich in immer teurere Mietwohnungen. Die ausländisch finanzierten Projekte leiden ebenfalls unter Verzögerungen. ‚Es gibt keinen strategischen Plan. Es herrscht Chaos’, sagte der Abgeordnete Mohamed Nuri Abed Rabbo. Die schlechte Planung bewirkt ein Missmanagement bei den Wiederaufbauanstrengungen und der mutmaßlichen Korruption, was die Wiederherstellung langsam und planlos macht. In diesem Umfeld befürchten die Bewohner, dass die Überreste des IS erneut den Ärger ausnutzen werden. ‚Die Stadt wird nur auf dem Papier wiederaufgebaut‘, sagte Abu Ali Neshwan, ein 52-jähriger Ladenbesitzer. ‚Hier gibt es keinen Staat. Korruption ist allgegenwärtig.’ (…)

Laut einer Umfrage von REACH, einer Nichtregierungsorganisation, sind immer noch fast 2 Millionen Iraker durch den Kampf gegen den IS vertrieben. Viele sagen, dass sie wegen der Zerstörung und des Mangels an Dienstleistungen nicht bereit sind, nach Hause zurückzukehren. Die Bewohner befürchten, dass es für Gruppen wie den IS umso einfacher sein wird, wieder aufzutauchen und zu rekrutieren, umso länger es dauert, Mosul zu reparieren. Die Bedingungen, unter denen der IS im Jahr 2014 Mosul und andere Städte eroberte, einschließlich der Korruption und der Vernachlässigung sunnitischer muslimischer Gemeinschaften durch eine von Schiiten dominierte Regierung, bleiben bestehen. Ein Polizist an einem provisorischen Kontrollpunkt sagte, er mache sich am meisten Sorgen um die Kinder, die in den Trümmern herumstöbern: ‚Sie werden die nächste Generation des IS sein – er lebt von Korruption und Chaos.‘“ (John Davison: „No plan for Mosul: chaos and neglect slow Iraqi city’s recovery“)

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