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„Der politische Islam richtet sich gegen uns alle“

Der Islam-Theologe Mouhanad Khorchide (Quelle: Universität Bremen/Youtube)
Der Islam-Theologe Mouhanad Khorchide (Quelle: Universität Bremen/Youtube)

Der Islam-Theologe Mouhanad Khorchide verteidigt die Regierungspläne für die „Dokumentationsstelle Politischer Islam“.

Der Standard

STANDARD: Sie mussten die Dokumentationsstelle bereits gegen Kritik verteidigen. Was macht Sie so sicher, dass sie etwas bewirken wird?

Khorchide: Weil wir endlich über den politischen Islam reden, und zwar auf einer sachlichen Ebene. Davor haben wir das ausschließlich über den Jihadismus, Salafismus und den gewalttätigen Extremismus getan, und dabei aus den Augen verloren, dass es mit dem politischen Islam ein weiteres Phänomen gibt, das im Gegensatz zu Europa viele islamische Länder bereits als große Gefahr erkannt haben. (…) Im Grunde beschreibt der Begriff eine menschenfeindliche Ideologie, die die Herrschaft im Namen des Islam anstrebt. Die Religion dient als Mittel, um Gläubige zu manipulieren. Der politische Islam richtet sich gegen uns alle und ist viel gefährlicher als der Jihadismus und Salafismus, weil er viel subtiler, nämlich in Krawatte und Anzug, auftritt. Das durchschauen viele Politiker noch nicht, mit denen ich rede.

STANDARD: Die Islamische Glaubensgemeinschaft (IGGÖ) mahnt eine stärkere Einbindung in der Dokumentationsstelle ein. Ihr Präsident Ümit Vural wird mit der islamistischen Millî-Görüş-Bewegung in Verbindung gebracht. Inwieweit kann die IGGÖ überhaupt einbezogen werden?

Khorchide: Ausgeschlossen soll sich niemand fühlen. Ich bin dafür, dass die IGGÖ einbezogen wird. Allerdings nicht in die wissenschaftliche Arbeit. Das lehne ich ab, denn wenn der Verdacht bestehen sollte, dass Teile der IGGÖ mit Organisationen sympathisieren, die dem politischen Islam nahestehen, muss man sich die Frage stellen, wie frei und unabhängig die Dokustelle ist, wenn die IGGÖ zu stark involviert ist. Man muss unbedingt im Dialog bleiben. Aber die Wissenschaft muss frei sein, von der Politik wie auch von der IGGÖ. Wir müssen aufpassen, dass die IGGÖ mit „involviert sein“ nicht meint, Studien und Ergebnisse der Dokustelle mitbestimmen zu können. (…)

Nicht die Religion, sondern eine menschenfeindliche Ideologie steht im Fokus. Eine Strategie der Islamisten wird es jetzt sein, Druck auf die Grünen aufzubauen und die Koalition zu spalten. Hier geht es aber nicht um Parteipolitik, der Extremismus des politischen Islam gefährdet uns alle.

(Auszüge aus einem Interview mit Mouhanad Khorchide, dem Leiter des Zentrums für Islamische Theologie an der Universität Münster, das unter dem Titel „Islamtheologe Khorchide: ‚Politischer Islam viel gefährlicher als Jihadismus‘“ im Standard erschienen ist.)

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