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Kollateralschaden des Iran-Krieges: Spannungen in der Arabischen Liga

Treffen der Arabaischen Liga in deren Hauptsitz in Kairo. (© imago images/Bashir Daher)
Treffen der Arabaischen Liga in deren Hauptsitz in Kairo. (© imago images/Bashir Daher)

Aus den Golfstaaten hagelt es Kritik an der Arabischen Liga, die nicht deutlich genug gegen iranische Angriffe Stellung bezogen habe.

Die seit Jahrzehnten vielfach beschworene »arabische Einheit« war stets mehr Propaganda als Realität, die Unterschiede zwischen den arabischen Staaten waren in aller Regel augenscheinlicher als die angeblichen Gemeinsamkeiten. Immer wieder wurde deshalb etwa die »Liga der Arabischen Staaten« zum Schauplatz erbitterter Konflikte zwischen den Ländern, deren Einheit sie eigentlich repräsentieren sollte.

Wie die Jerusalem Post berichtet, erlebt die Arabische Liga infolge des Iran-Krieges ihre nächste ernste Krise. Vor allem in den Ländern des Golf-Kooperationsrats mehren sich demnach Zweifel an der Handlungsfähigkeit der Organisation. Vorgeworfen werde ihr aktuell vor allem, angesichts der tausendfachen iranischen Drohnen- und Raketenangriffe auf die Golfstaaten keine klaren und entschiedenen Positionen bezogen zu haben. Verbunden werde dies mit der zum Teil recht grundsätzlichen Kritik, die Liga verfolge in Wahrheit nicht allgemein-arabische, sondern in erster Linie ägyptische Interessen.

Unfähig

Zwar verurteilte die Liga die iranischen Angriffe in mehreren Erklärungen, unter anderem Ende Februar sowie nach einer Dringlichkeitssitzung am 8. März 2026. Aber insbesondere für Kritiker in den Golfstaaten waren diese Reaktionen unzureichend und zu allgemein formuliert. Im Zentrum der Vorwürfe stehe laut dem Bericht der Jerusalem Post Generalsekretär Ahmed Aboul Gheit, der die iranischen Angriffe zwar als »großen Fehler« bezeichnet, zugleich aber auch betont hatte, dass kein Mitgliedsstaat einen Abbruch der Beziehungen zum Iran gefordert habe. Diese Position hat in den Golfstaaten erboste Reaktionen hervorgerufen.

So sei der kuwaitische Außenminister Jarrah Jaber Al-Ahmad Al-Sabah scharf mit der Liga ins Gericht gegangen. »Trotz ihres symbolischen Status‘«, so der Minister bei einem Treffen Ende März, »hat sich die Arabische Liga als eindeutig unfähig erwiesen, mit den sich rasch wandelnden Herausforderungen Schritt zu halten und eine wirksame Rolle bei der Gewährleistung der arabischen Sicherheit zu spielen.«

Parallel dazu würden Forderungen nach grundlegenden Veränderungen lauter. Einzelne Stimmen plädierten dafür, die Mitgliedschaft der Golfstaaten auszusetzen oder die Organisation ganz zu verlassen. Jamal Sanad Al-Suwaidi, stellvertretender Vorsitzender des Kuratoriums des Emirates Center for Strategic Studies and Research, der für seine engen Verbindungen zu den Herrschern der Golfstaaten bekannt ist, twitterte am 31. März 2026: »Die Golfstaaten erwägen den Austritt aus der Arabischen Liga.«

Dr. Khaled Al-Subaie, Leiter des Khaled Center for Media Studies and Consultations in Saudi-Arabien und mit guten Kontakten in die saudische Führung ausgestattet, forderte am 4. April 2026 in einem X-Posting, dass »die Golfstaaten die Teilnahme an den Sitzungen der Liga der Arabischen Staaten verweigern, diese und ihre Beschlüsse nicht anerkennen und ihre Büros in diesen Ländern schließen« sollten. Zudem verlangte er von den Golfstaaten, »keinerlei Beiträge in den Haushalt der Arabischen Liga einzuzahlen«.

Einwände gegen Strukturen

Kritik gibt es auch an den institutionellen Strukturen der Liga. Kritiker sehen sie zu stark von Ägypten geprägt, da die Liga ihren Sitz in Kairo hat und der Generalsekretär traditionell aus Ägypten stammt.

Der saudische Politologe Qasim Sultan stellte gegenüber der Jerusalem Post fest, dass die Liga an Bedeutung verloren habe, wofür vor allem »die Schwäche der aufeinanderfolgenden Generalsekretäre« verantwortlich sei. »Die meisten von ihnen sind ehemalige ägyptische Beamte, über 70 Jahre alt. Daher ist diese Position, trotz ihrer Bedeutung, für einige ehemalige ägyptische Beamte zu einem Ort geworden, an dem sie in den Ruhestand treten, Profit machen und Vorteile erlangen können.«

Änderungen der Charta der Liga müssten dafür sorgen, »ihre Beschlüsse für die arabischen Staaten verbindlicher zu machen, ihren Entscheidungsprozess zu beschleunigen und bei der gemeinsamen Koordinierung effektiver zu arbeiten«.

Ein ehemaliger irakischer Armeegeneral formuliert die Kritik am ägyptischen Vorrecht auf den Posten des Generalsekretärs weniger diplomatisch: »Wenn ein ehemaliger ägyptischer Beamter, sei es ein Außenminister, ein Premierminister oder jemand anderes, ein Amt bekleidet, vertritt er nach wie vor ägyptisches Denken und ägyptische Politik und repräsentiert daher nicht alle Araber.«

Ruf nach Alternativen

Neben Reformvorschlägen wird auch der Ruf nach Alternativen laut. Als Folge der aus seiner Sicht unzureichenden Reaktionen der Liga auf die iranischen Aggressionen forderte der kuwaitische Journalist Abdullah Al-Khamis die Gründung eines »arabischen Koordinierungsrates«, dem die Golfstaaten, Jordanien, Marokko und Syrien angehören sollten. Dies seien Länder, die sich »in ihren Entscheidungen weitgehend einig« seien und über »Einfluss auf internationale Angelegenheiten« verfügen würden.

Wenig überraschend sind es vor allem Stimmen aus Ägypten, die der heftigen Kritik an der Liga entgegentreten. Sie werfen den Kritikern vor, die Liga dafür verantwortlich zu machen, dass die arabischen Staaten eben unterschiedliche Interessen hätten. So gebe es unter den Liga-Mitgliedern auch Länder, die gute Beziehungen zur Islamischen Republik unterhalten.

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