Khameneis Beitrag zur #MeToo-Debatte: Frauen sollen Hijab tragen

„Der religiöse Führer des Iran, Ajatollah Ali Khamenei, ist normalerweise keiner, der an vorderster Front für Frauenrechte und Gleichberechtigung einsteht – zumindest nicht in der öffentlichen Wahrnehmung der westlichen Welt. Frauen und Mädchen ab neun Jahren müssen im Iran ein Kopftuch tragen, und ihre Aussage ist vor Gericht nur halb so viel wert wie die eines Mannes. Trotzdem scheint Khamenei den Feministen in sich entdeckt zu haben: Auf Twitter ließ er sogar ein eigens produziertes Video zum Thema posten. Mit dramatischer Musik untermalt, sieht man dort westliche Frauen, die über die Zudringlichkeiten der Männer klagen und ‚Me too!‘, ich auch, rufen. Dann wendet sich der 79-jährige Oberkleriker und mächtigste Mann des Iran mit ernster Miene an die Weltöffentlichkeit. Der Islam erlaube keinen sexuellen Missbrauch oder Gewalt, erklärt Khamenei. Und er hat auch gleich einen Lösungsvorschlag parat: Die Einführung der islamischen Kopfbedeckung für alle Frauen, so, wie sie im Iran Alltag ist. ‚Mit der Einführung des Hidschab hat der Islam die Tür geschlossen auf einem Weg, der Frauen zu einer solchen Abnormalität hinziehen würde‘, sagt er. In anderen Worten: Eine Frau, die sich nicht sittlich kleidet, ist selbst schuld, wenn sie sexuell belästigt wird – schließlich provoziert sie durch ihr Äußeres. (…)

Im September 2015 veröffentlichte die britische Zeitung Guardian einen Artikel darüber, dass der Hidschab und die strikten Sitten sexuelle Belästigung im Iran schlimmer gemacht hätten. Durch die strenge Geschlechtertrennung in der Öffentlichkeit gebe es keinen Ort, an dem Männer und Frauen sich begegnen könnten. In der Öffentlichkeit ist Nähe zwischen Männern und Frauen verpönt, wenn sie nicht eng verwandt oder verheiratet sind. Berührungen sind verboten, dazu gehört auch ein einfaches Händeschütteln zur Begrüßung. Weil Männer dadurch keine anderen Möglichkeiten hätten, sich Frauen zu nähern, entlade sich ihre Unsicherheit und Frustration in ungelenken bis aggressiven Ausfällen, so der Guardian. Frauen würden dadurch auf der Straße zu Freiwild. Die Lustfeindlichkeit des Klerikersystems schützt Frauen offenbar keineswegs. Anders als Khamenei glauben machen will. Sein Ratschlag hat in den sozialen Medien Protest ausgelöst. Was der Revolutionsführer da erzähle, sei ‚bigott‘, findet Masih Alinejad. Die Frauenrechtlerin ist im Iran aufgewachsen. Heute lebt sie im Exil in New York. ‚In der Islamischen Republik sind immer die Frauen schuld‘, schreibt Alinejad auf ihrer Facebook-Seite.“ (Carolina Drüten: „#MeToo-Tipps aus dem Gottesstaat“)

 

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