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Kein russisch-arabischer Gipfel: Hat Moskau im Nahen Osten versagt?

Der russisch-arabische Gipfel wurde abgesagt, Syrien Präsident al-Sharaa kam dennoch nach Moskau
Der russisch-arabische Gipfel wurde abgesagt, Syrien Präsident al-Sharaa kam dennoch nach Moskau (© Imago Images / ZUMA Press)

Was es beduetet, dass Moskau den russisch-arabischen Gipfel nicht organisieren konnte und gezwungen war, ihn auf unbestimmte Zeit zu verschieben.

Wegen der Entwicklungen rund um das Waffenstillstandsabkommen im Gazastreifen im vergangenen Monat kündigte Russland die Verschiebung des geplanten arabisch-russischen Gipfels an, der am 15. Oktober in Moskau hätte stattfinden sollen.

Wie der Kreml erklärte, habe Präsident Wladimir Putin ein Telefonat mit dem Vorsitzenden des Arabischen Gipfels, dem irakischen Premierminister Mohammed Shia al-Sudani, geführt. Während des Gesprächs seien Putin und al-Sudani übereingekommen, dass es für viele der eingeladenen arabischen Staatschefs unter den gegenwärtigen Umständen schwierig sei, an dem Gipfeltreffen teilzunehmen, während US-Präsident Donald Trump versuche, seinen Plan für den Gazastreifen umzusetzen. Insofern sei es angebracht, das Gipfeltreffen auf einen späteren Zeitpunkt zu verschieben.

Blamage für Putin

Die Veröffentlichung dieser Erklärung nur wenige Stunden nachdem der russische Außenminister Sergej Lawrow verkündet hatte, der syrische Präsident Ahmed al-Sharaa werde wie geplant an der Konferenz teilnehmen, lässt jedoch vermuten, dass die Entscheidung zur Verschiebung sehr plötzlich getroffen wurde und es zuvor an einer ausreichenden Abstimmung mangelte. So sieht die britische Tageszeitung The Guardian die Verschiebung durch den russischen Präsidenten auch als »ein klares Zeichen für den schwindenden Einfluss Moskaus im Nahen Osten«.

Der Bericht stellte fest, dass der Kreml gehofft hatte, der Gipfel würde regionale Führer nach Moskau locken, um über regionale Sicherheit und Energiebeziehungen zu diskutieren. Letztlich sei Putin jedoch zur Absage gezwungen gewesen, nachdem nur eine begrenzte Anzahl von Führern ihre Teilnahme bestätigt hatte, unter ihnen der syrische Präsident Ahmed al-Sharaa und der Generalsekretär der Arabischen Liga, Ahmed Abou El-Gheit.

Der bereits im April angekündigte Gipfel sollte den trotz der westlichen Sanktionen anhaltenden Einfluss Moskaus im Nahen Osten demonstrieren. Stattdessen wurde er nun laut Guardian zu einer »diplomatischen Blamage« für den russischen Präsidenten, da sich die Aufmerksamkeit auf Sharm el-Sheikh verlagerte, wo Ägypten den Gaza-Friedensgipfel ausrichtete.

Darüber hinaus schrieb die in London ansässige Zeitung Al-Arab in einer Analyse, dass mehrere arabische Staatschefs, die an dem Gipfeltreffen teilnehmen wollten, es vorzogen, anstatt nach Moskau nach Sharm el-Sheikh zu reisen, um sich dort mit US-Präsident Donald Trump zu treffen. Diese Entwicklung zeige, »dass die Beziehungen Russlands zum Nahen Osten einen neuen Tiefpunkt erreicht haben, insbesondere nachdem Moskau in den letzten zwei Jahren seinen Verbündeten, sei es dem Iran oder dem Regime von Baschar al-Assad in Syrien, keine Unterstützung gewährt hatte.«

Vorteil Skrupellosigkeit

Die Zeitung wies jedoch darauf hin, dass Moskau seine Rolle in Zukunft wieder stärken könne, da es aufgrund seines pragmatischen Ansatzes in der Lage ist, mit allen Parteien unabhängig von deren ideologischen Ausrichtungen Vereinbarungen zu treffen und somit Möglichkeiten hat, seine regionale Stellung schrittweise zurückzugewinnen. »Beispielsweise arbeitet Russland derzeit daran, seine Beziehungen zu den Golfstaaten in beispiellosem Tempo zu festigen, was Moskau dabei geholfen hat, sein bisheriges Image als problematische Macht, die unkonventionelle Akteure wie Syrien und den Iran unterstützt, abzulegen.«

Der ehemalige russischer Botschafter im Libanon und Experte für russische Angelegenheiten Alexander Zasypkin sagte, der arabisch-russische Gipfel sei aufgrund intensiver diplomatischer Aktivitäten zur Umsetzung des amerikanischen Plans zur Beendigung des Kriegs im Gazastreifen verschoben worden. Russland werde den Gipfel allerdings zu einem späteren Zeitpunkt nachholen, da er einen wichtigen Schritt in der Entwicklung der russisch-arabischen Beziehungen darstelle.

Zasypkin wies Berichte über einen Rückgang der Rolle Russlands im Nahen Osten zurück: Er glaube nicht, »dass die Veränderungen, die in den letzten zwei Jahren im Nahen Osten stattgefunden haben, die Rolle Russlands als Katalysator für Stabilität in der Region beeinträchtigt haben«. Russland halte an den Grundsätzen seiner Politik unter Präsident Wladimir Putin fest, »insbesondere an der Achtung der Souveränität der Staaten und ihrer souveränen Entscheidungen, der Ablehnung ausländischer Einmischung, und strebt ausgewogene Beziehungen zu allen Ländern in der Region auf gleichberechtigter Basis an«.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Russland im Nahen Osten nicht endgültig gescheitert ist, da es seine Einflussbereiche vom Golf bis nach Nordafrika weiter diversifiziert und seine Rolle in der Region wieder aufbaut, nachdem seine Verbündeten in Syrien und im Iran verheerende Schläge erlitten haben. Einen Vorteil hat Moskau dabei durch seine Skrupellosigkeit, sich um Menschen- oder Minderheitenrechte nicht zu kümmern, was einen Vorteil für Autokratien darstellt, da sie so nicht einmal die oberflächlichen Rücksichten nehmen müssen, die im diplomatischen Umgang mit westlichen gefragt sind.

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