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Kein Ende der Proteste in Assads Syrien

Auch in dem vom Assad-Regime kontrollierten Teil Syriens sind die Menschen auf Nahrungsmittellieferungen wie diese vom World Food Program der Vereinten Nationen abhängig. (© imago images/ZUMA Wire)
Auch in dem vom Assad-Regime kontrollierten Teil Syriens sind die Menschen auf Nahrungsmittellieferungen wie diese vom World Food Program der Vereinten Nationen abhängig. (© imago images/ZUMA Wire)

Proteste von Drusen im Süden Syriens zeigen: selbst in Regionen, die sich formal unter der Kontrolle Assads befinden, steht das Regime auf wackeligen Füßen.

Über die Lage in Syrien wird kaum noch berichtet. Wenn überhaupt, werden am ehesten noch die katastrophalen Lebensumstände von Binnenvertrieben in Idlib oder die jüngste Offensive des Islamischen Staates gegen ein Gefängnis im Nordosten des Landes thematisiert. Abseits des ohnehin eingeschränkten medialen Scheinwerferlichts verschlechtert sich währenddessen auch in den vom Regime kontrollierten Gebieten die Lage weiter.

Enorme Preissteigerungen treffen hier auf radikale Kürzungsmaßnahmen. Der Großteil aller Syrerinnen und Syrer ist von Unterstützung abhängig. Erst kürzlich strich die Regierung die Zahl der Hilfsempfänger weiter zusammen. Mittlerweile soll es nur noch knapp die Hälfte derer sein, die noch vor zwei Jahren von dem Programm profitiert haben.

Derweil sind die Energiepreise in den letzten Monaten um über 180% gestiegen, während das Durchschnittsgehalt auf 20 US-Dollar im Monat gesunken ist. Längst haben die Menschen verkauft, was sie auch nur irgendwie entbehren können, die Ersparnisse sind aufgebraucht und eine Besserung ist nicht in Sicht. Die Kürzungen deuten eher auf das Gegenteil hin. Auch die jüngsten Zahlen des Welternährungsprogramms der Vereinten Nationen (WFP) weisen in diese Richtung:

»Eine Rekordzahl an Syrern ist inzwischen von Ernährungsunsicherheit betroffen, und 12,4 Millionen Menschen haben Schwierigkeiten, sich mit grundlegend erforderlichen Nahrungsmitteln zu versorgen. Das sind fast 60 % der Bevölkerung des Landes, und allein im letzten Jahr ist die Zahl der Hungernden um unglaubliche 4,5 Millionen Menschen gestiegen. Weitere 1,8 Millionen Menschen sind von Ernährungsunsicherheit bedroht, wenn nicht dringend humanitäre Maßnahmen ergriffen werden.«

In Suwaida explodierte jüngst der Unmut über die allgemein desolate Lage und es kam zu Massenprotesten in dieser im Süden des Landes gelegenen Region, die vornehmlich von Drusen bewohnt ist und als vergleichsweise loyal gegenüber dem Assad-Regime gilt. Das letzte Mal hatten hier im Jahr 2020 Demonstrationen stattgefunden.

»Bewohner der Stadt Salim in der ländlichen Region im Norden Suwaidas haben die Damaskus-Suwaida-Autobahn mit brennenden Autoreifen blockiert und so den Transportverkehr lahmgelegt, berichten Korrespondenten der North Press. Darüber hinaus schlossen die Bewohner die staatlichen Einrichtungen in mehreren Städten im Norden von Suwaida.

Zwei Tage lang fanden in mehreren von der Regierung gehaltenen Orten Demonstrationen gegen die Entscheidung statt, Subventionsleistungen für einen großen Teil der Bewohner zu streichen.«

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Immer mehr Sicherheitskräfte werden in die Region beordert, um die Demonstrationen in den Griff zu bekommen. Offenbar befürchtet das Regime, dass sich die Proteste auf andere Regionen ausdehnen könnten. Quellen aus Suwaida berichten, dass die Demonstrationen von einem breiten Spektrum unterstützt würden, dem sogar Regierungsangestellte angehörten.

Anders als in anderen Regionen des Landes müssen Sicherheitskräfte und Geheimdienste in Suwaida allerdings vergleichsweise vorsichtig agieren, denn das Regime kann es sich nicht leisten, die drusische Bevölkerung noch mehr gegen sich aufzubringen. In den letzten Jahren haben sich viele Drusinnen und Drusen von Assad abgewendet. Inzwischen sind auch in Suwaida immer wieder Forderungen nach einem Sturz des Regimes zu vernehmen.

Auch sollen immer mehr Drusen aus der syrischen Armee desertieren. Und selbst prominente Honoratioren, die bislang Assad ihre Loyalität erklärt hatten, äußerten in letzter Zeit offene Kritik an seinem Regime.

Die Ereignisse in Suwaida zeigen, dass Diktator Assad sich seiner Herrschaft nicht einmal in den Gebieten sicher sein kann, die dem Anschein nach unter seiner Kontrolle stehen. Selbst in diesen Regionen steht sein Regime auf wackeligen Füßen und stets droht ihm die Gefahr, von neuen Protesten erschüttert zu werden. Anders als einige Regierungen in der arabischen Welt, aber auch einige europäische Staaten es sehen wollen, ist Assad auch nach mehr als zehn Jahren blutigen Krieges weit davon entfernt, Herr im eigenen Haus zu sein.

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