Kaum Möglichkeiten zur Flucht für Jemeniten

Wenn ein Land von Krieg und katastrophaler wirtschaftlicher Not befallen wird, fliehen die Menschen oft, um sich zu retten oder anderswo ein besseres Leben zu finden. Millionen Syrer sind seit Anfang des Kriegs 2011 unter anderem in die Türkei, nach Jordanien und in den Libanon geflohen. Doch im Jemen liegen die Dinge etwas anders. Die Nachbarländer, darunter Saudi-Arabien und Oman, weigern sich aus Furcht, es könnte zu einer Masseneinwanderung kommen, die überwiegende Mehrheit der vertriebenen Jemeniten auf legalem Wege aufzunehmen. Folglich sitzen Tausende Jemeniten fest bzw. wenden sich an Schleuser. (…)

Der Jemen gehört zu den ärmsten Ländern der Welt. Unter den 188 im United Nations Human Development Index erfassten Ländern nimmt der Jemen den 160. Platz ein. Seit dem Ausbruch des Bürgerkriegs im März 2015 sind Jemeniten, Somalier und Angehörige anderer Gruppen teils Richtung Ostafrika geflohen, unter anderem nach Dschibouti, Äthiopien, Somalia und in den Sudan, teils nach Saudi-Arabien und Oman. Der UNHCR erklärte im Oktober 2017, 190.352 Menschen aus dem Jemen seien in die Nachbarländer geflohen, oft unter den widrigsten Umständen. Schätzungsweise zwei Millionen Menschen sind aus ihren Wohnungen vertrieben worden und entweder in andere Teile des Jemen oder ins Ausland geflohen. Dem UNHCR zufolge haben inzwischen schätzungsweise eine Million Menschen versucht, in ihre Heimatorte zurückzukehren, obgleich ihre Sicherheit dort nicht gewährleistet ist. (…)

Die meisten Jemeniten sind auch nach den Maßstäben anderer Länder in der Region arm. Im Jemen leben 28 Millionen Menschen. Der UNO-Agentur für humanitäre Hilfsleistungen UNOCHA zufolge sind schätzungsweise 20,7 Millionen Menschen auf humanitäre Hilfsleistungen und Schutz angewiesen. Sieben Millionen Menschen wissen nicht, woher ihre nächste Mahlzeit kommen soll, und laufen Gefahr, Opfer einer Hungersnot zu werden. Da sie kaum genügend Geld haben, um das Überleben ihrer Familien zu gewährleisten, ist an Reisen ins Ausland kaum zu denken.“ (Bericht auf Middle East Eye: „Nowhere to run: The Yemenis stranded in their own country“)

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