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Katar ist ein moderner Sklavenstaat

Das Kafala-System macht ausländische Arbeiter – nicht nur – in Katar zu modernen Sklaven
Das Kafala-System macht ausländische Arbeiter – nicht nur – in Katar zu modernen Sklaven (Quelle: JNS)

Ausländische Arbeiter im Golfstaat Katar leben unter einem repressiven System, das von internationalen Arbeitsrechtsexperten als Zwangsarbeit und moderne Sklaverei eingestuft wird.

Charles Jacobs / Ben Poser

Tucker Carlson, ehemaliger Moderator von Fox News und nun als Podcaster tätig, ist von Katar überzeugt. Er preist das Land seinen Millionen Followern in den sozialen Medien und zweifellos auch seinen Freunden im Weißen Haus an. Manche Leute bekommen viel Geld von dem Golfstaat, um solche Arbeit zu leisten. Vier ehemalige Kongressabgeordnete, darunter zwei Demokraten und zwei Republikaner, erhalten jeweils 80.000 Dollar pro Monat, um sich für Katar einzusetzen. Auch amerikanische Universitäten erhalten Paletten voller Geld aus Katar – seit dem Jahr 2000 bis zu 100 Milliarden Dollar –, um Studenten in ihren Vorlesungen antijüdische, antiisraelische und antiamerikanische Propaganda zu vermitteln.

Und Carlson kauft sich tatsächlich ein Haus in Katar. Es wäre interessant zu wissen, wie viel er dafür bezahlen musste, wenn überhaupt. Kürzlich erzählte er seinem Publikum, in Katar würden mehr Christen leben als in Israel. Das stimmt: In Katar leben etwa 381.000 Christen, in Israel nur etwa 184.000. Das Problem ist dabei nur, dass Christen in Katar praktisch moderne Sklaven sind.

Sie sind fast ausschließlich Arbeiter mit Migrationshintergrund, vor allem aus Süd- und Südostasien, aus Ländern wie Bangladesch, Indien, Nepal, den Philippinen und Sri Lanka. Im Gegensatz zu den Christen in Israel sind sie keine Staatsbürger, können weder wählen noch eingebürgert werden, werden zunehmend überwacht und verfolgt und haben keine nennenswerten politischen Rechte.

Darüber hinaus mussten sie im Zuge ihrer Arbeit viele Verluste hinnehmen, darunter Tausende ungeklärte Todesfälle im Zusammenhang mit Hitzestress, unsicheren Arbeitsbedingungen und Erschöpfung. Sie leben also nicht als Mitglieder der Gesellschaft, sondern als billige, schlecht bezahlte Arbeitskräfte, die sich auf ihre Bezahlung nicht verlassen können, da ihre Vorgesetzten häufig die Löhne unterschlagen bzw. stehlen.

Alle ausländischen Arbeiter leben unter dem KafalaSystem (Bürgschaftssystem), das von internationalen Arbeitsrechtsexperten wiederholt als Zwangsarbeit und moderne Sklaverei eingestuft wurde. Diese Menschen sind an ihre Arbeitgeber gebunden, werden ihrer Pässe beraubt und mit Haft oder Abschiebung bedroht, wenn sie versuchen, das Land zu verlassen, zu protestieren oder sich auch nur zu beschweren. Viele müssen sich hohe Geldbeträge zu hohen Zinsen leihen, um ihre Vermittlungsgebühren – manchmal in Höhe eines Jahreslohns – bezahlen zu können, wodurch sie tief in Schulden geraten.

Katar kündigte im Jahr 2020 weitreichende Arbeitsreformen an. Die Aufrichtigkeit dieser Zusagen, darunter die Zahlung von Entschädigungen in Millionenhöhe an die Arbeiter, ist jedoch höchst zweifelhaft. Human Rights Watch wirft der Regierung vor, ihre Versprechen »nicht einzuhalten«.

WM 2022: Pascal Kirchmair über die Sklavenarbeit in Katar
WM 2022: Pascal Kirchmair über die Sklavenarbeit in Katar (Quelle: Wikimedia Commons)

Sklavenarbeit und Diskriminierung

Katar ist praktisch ein Sklavenstaat. Bekanntlich wurden das grandiose Fußballstadion und die Einrichtungen für die FIFA-Weltmeisterschaft 2022 mit moderner Sklavenarbeit errichtet. Aus den eigenen Aufzeichnungen der katarischen Regierung geht hervor, dass zwischen 2011 und 2020 landesweit 15.799 Arbeiter starben. Migranten machen erstaunliche 91 Prozent der Gesamtbevölkerung Katars aus, wobei die Zahl der Arbeiter auf vielleicht zwei Millionen geschätzt wird. Wie kann Carlson nicht wissen, dass das Land ein Gefängnis voller Sklaven ist?

Während dieses System Arbeiter aus ganz Asien und Afrika ausbeutet, gehören afrikanische Arbeiter – unter anderem aus Äthiopien, Ghana, Kenia, Nigeria, Sudan und Uganda – zu jenen Gruppen, die auch einer rassistischen Diskriminierung ausgesetzt sind.

Sowohl afrikanische Männer, die im Baugewerbe, im Sicherheitsdienst und in der Reinigung arbeiten und Frauen, die als Hausangestellte Beschäftigung finden, sind den härtesten Bedingungen ausgesetzt: Löhne, die nicht ausbezahlt werden, überfüllte oder unbewohnbare Unterkünfte, beschlagnahmte Dokumente und Vergeltungsmaßnahmen im Falle einer öffentlichen Meinungsäußerung. Ein dokumentierter Fall betrifft siebzehn Ostafrikaner, die nach Katar verschleppt und ohne Bezahlung und Essen zurückgelassen wurden. Sie wurden dann in eine staatliche »Unterkunft« gebracht, wo sie zu ihren Verbindungen befragt und ihre Pässe gestohlen wurden, woraufhin sie später abgeschoben wurden.

Eine seltene afrikanische Stimme durchbrach dieses apartheidähnliche System: Malcolm Bidali, ein christlicher Migrant aus Kenia, der anonym über das Leben im katarischen Arbeitsregime schrieb.

Bidali formulierte, was Tausende afrikanische Arbeiter in dem Golfemirat erleben, aber nur wenige artikulieren können: Übermäßige Arbeitszeiten, eingeschränkte Bewegungsfreiheit, Angst vor Bestrafung und das Wissen, dass die eigene legale Existenz vollständig von der Zustimmung des Arbeitgebers abhängt. Als seine Identität bekannt wurde, wurde der Kenianer verhaftet und inhaftiert. Sein Vergehen war, dass er das von ihm Erlebte öffentlich gemacht hatte. Sein Fall ist gerade deshalb so wichtig, weil er seine Erfahrungen transparent machte; die meisten Opfer bleiben unsichtbar.

Das ist die Realität hinter Katars glänzendem Image als moderner, toleranter Staat – ein Image, das durch bezahlte Lobbyisten, westliche Universitäten, Thinktanks und in jüngerer Zeit auch durch prominente Medienvertreter, die bereit sind, die Argumente des Regimes zu wiederholen, verstärkt wird. Selbst wenn dies bedeutet, das Verbrechen der menschlichen Knechtschaft zu vertuschen.

Christen leben in Katar nicht als freie Männer und Frauen, wie Carlson es angedeutet hat. Tatsächlich sollte es ihn nicht überraschen, dass die Person, die dort sein neues Haus reinigen wird, eine schwarze christliche Sklavin ist.

Ben Poser ist Chefredakteur des White Rose Magazineund Forschungsdirektor der African Jewish Alliance. Charles Jacobs ist Präsident des Jewish Leadership Project. (Der Text erschien auf Englisch zuerst beim Jewish News Syndicate. Übersetzung von Alexander Gruber.)

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