Während des Irankriegs haben die katarischen Mediennetzwerke eine mit dem Teheran übereinstimmende Berichterstattung verfolgt und Israel sowie die USA negativ dargestellt.
Ariel Admoni
Dohas doppeltes Spiel während der amerikanischen und israelischen Militärkampagne gegen den Iran spiegelt sich in seinem ausgeklügelten, staatlich finanzierten Medienapparat deutlich wider. Aufstachelung, Förderung von Terrorismus und Unterstützung islamistischer Regime sind wiederkehrende Merkmale in diesen Medien. Auch als Katar selbst unter iranischen Angriffen stand, blieb die Berichterstattung der staatlich finanzierten Medien über Teheran positiv.
Achtzig Prozent
Ende März führte das auf die Analyse arabischer Mediennetzwerke spezialisierte Forschungsinstitut Marsad Al I’lam Al Arabi eine Umfrage durch, in der die Zuschauerzahlen von 21 digitalen Medienkanälen untersucht wurden, wobei der Schwerpunkt vor allem auf Netzwerken mit Sitz am Golf lag.
Die Ergebnisse zeigten, dass die katarischen Sender Al Jazeera und Al Araby etwa achtzig Prozent der gesamten Zuschauerzahlen in der arabischen Welt ausmachen. Von Anfang an fungierten beide Sender als zentrale Säulen der regionalen Kommunikationsstrategie Katars: Al Jazeera seit Ende der 1990er Jahre und das etwa zwei Jahrzehnte später gegründete Al Araby seit dem Jahr 2015.
Ihr Einfluss wurde besonders deutlich nach dem Angriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023, als Al Jazeera für einen Großteil der arabischen Welt zur dominierenden Informationsquelle über die Ereignisse im Gazastreifen wurde. Dies führte zu einer deutlichen Verschiebung der regionalen Einstellungen. Während der Sender aufgrund seiner voreingenommenen Berichterstattung zuvor arabische Animositäten gegenüber Katar geschürt hatte, trug die Gaza-Berichterstattung nach dem 7. Oktober dazu bei, die Legitimität Dohas wiederherzustellen.
Die Berichterstattung der katarischen Medien integrierte Narrative und Botschaften, die von der Hamas stammten. Von Beginn des Angriffs an sendete Al Jazeera Berichte auf der Grundlage von GoPro-Aufnahmen, die den Titel »Szenen vom Angriff der Al-Qassam-Brigaden auf einen Militärposten« trugen. Darunter war Material aus dem Kibbuz Re’im, dem Kibbuz Be’eri, dem Erez-Grenzübergang und dem Außenposten Nahal Oz.
Zugleich strahlte der Sender zeitweise auch Inhalte aus, die nicht vollständig mit der Hamas-Darstellung übereinstimmten: teils, um den Anschein von Objektivität zu wahren, teils als Ausdruck der inhärenten Komplexität der Beziehungen zwischen Katar und der Hamas, eine Dynamik, die während des Konflikts mit dem Iran noch deutlicher zutage trat.
Während der aktuellen Konfrontation mit der Islamischen Republik haben Al Jazeera und Al Araby eine eindeutig proiranische redaktionelle Linie eingeschlagen. Die Sender räumten hochrangigen iranischen Persönlichkeiten, darunter Funktionären des Regimes und Akteuren mit Verbindungen zum Korps der Islamischen Revolutionsgarden, umfangreichen Raum ein.
Die Berichterstattung umfasste häufige iranische Pressekonferenzen, Kommentare, die Teherans Position bekräftigten, und eine anhaltende Betonung der iranischen Opferzahlen. Parallel dazu sendeten beide Sender auch ausführliche Interviews mit der Huthi-Führung im Jemen sowie Erklärungen von Hamas-Sprechern, während abweichende Standpunkte entweder marginalisiert oder verzerrt dargestellt wurden.
Schon während des Gaza-Kriegs waren Berichte aufgetaucht, wonach Al-Jazeera-Korrespondenten an Aktivitäten mit Verbindungen zur Hamas beteiligt gewesen seien, darunter die Unterstützung bei der Geiselnahme von Israelis. Dem Sender wurde zudem vorgeworfen, seine journalistische Infrastruktur zur Weitergabe operativer Informationen zu nutzen, was an Berichte während des Zweiten Libanonkriegs 2006 anknüpfte, nach denen seine Berichterstattung Angriffsziele preisgegeben habe. Ähnliche Vorwürfe wurden während des aktuellen Krieges auch gegen Al-Araby-Korrespondenten erhoben.
Erkennbares Muster
Dieses Muster war bereits vor dem Irankrieg erkennbar, als Al Jazeera ein Bild scheinbarer Normalität im Iran vermittelte – beispielsweise durch die Hervorhebung des zivilen Alltagslebens –, während die innenpolitischen Spannungen heruntergespielt wurden. Nachdem der Iran im aktuellen Krieg auch Katar angegriffen hatte, stieß diese redaktionelle Linie auf Kritik von Aktivisten in Doha, da sie als übermäßig iranfreundlich empfunden wurde.
Als Reaktion darauf wurde das Argument vorgebracht, dass Al Jazeera und Al Araby nicht für ein heimisches Publikum, sondern für die breitere arabische Öffentlichkeit bestimmt seien. Dieser Logik zufolge sollen die lokalen katarischen Medien die offizielle Linie widerspiegeln, während die internationalen Sender in einem umfassenderen regionalen Umfeld agieren und sich dadurch auszeichnen sollen, dass sie eine Bandbreite an Meinungen präsentieren, um so das Bild von Offenheit und kritischem Hinterfragen zu stärken.
Jenseits dieser Behauptung diente die aktuelle Berichterstattung der katarischen Medien über den Irankrieg aber vor allem dazu, eine Annäherung an Teheran zu signalisieren. Ihre redaktionelle Linie richtete sich gegen US-Präsident Donald Trump, stellte ihn als Triebfeder der Eskalation dar. Dabei verwendeten die Sender emotional aufgeladene Bilder und schlossen sich eng sowohl der iranischen Propaganda als auch der der Muslimbruderschaft an, zu der sie seit langem enge Verbindungen unterhalten. Das in London ansässige Al Araby etwa stellte die USA als ölabhängige Kriegsmaschine unter israelischer Kontrolle dar und publizierte eine Karikatur von Donald Trump, die ihn mit Hakenkreuzen und beim Nazi-Gruß zeigt.
Gleichzeitig benötigen diese Medien nur minimale Gesten, um den Anschein von Ausgewogenheit zu wahren. Gelegentliche, zurückhaltende Kritik am Iran oder ein einzelner Kommentar, der Israel oder die USA unterstützt, dienen dazu, dem westlichen Publikum Objektivität und Mäßigung zu signalisieren. Solche Beiträge stammen oft von Forschern, die mit in Doha ansässigen Thinktanks verbunden sind und Teil eines umfassenderen Ökosystems ausmachen, das Katar über die Medien, Wissenschaft und Politik hinweg aufgebaut hat. Zusammen bilden diese Elemente ein kohärentes Betriebsmodell, in dem sich verschiedene Plattformen gegenseitig verstärken, um langfristige Narrative sowohl auf regionaler als auch auf internationaler Ebene voranzutreiben.
Das Verhalten von Al Jazeera hat gelegentlich auch zu konkreten Maßnahmen geführt. So blockierte Israel während des Gaza-Kriegs die Sendungen, und die Behörden in Kurdistan haben im aktuellen Konflikt mit dem Iran ähnliche Schritte unternommen. Verstärkte Kontrolle hat die Reporter des Senders auch in anderen Kontexten eingeschränkt. In London wurde ein Korrespondent nach dem Terroranschlag auf die Machzikei-Hadas-Synagoge, bei dem unter anderem Krankenwagen in Brand gesetzt wurden, von Mitgliedern der örtlichen jüdischen Gemeinde des Tatorts verwiesen Der Reporter dokumentierte den Vorfall in den sozialen Medien, während ein in Doha ansässiges Medium dies als Schikane und Verletzung der Pressefreiheit darstellte.
Unterschätzt
Das weniger im Kreuzfeuer stehende Al Araby hingegen kann weiterhin mit relativ wenigen Einschränkungen arbeiten, was verdeutlicht, in welchem Maße sein Einfluss unterschätzt wird. In einem Fall berichtete der Sender vom Ort eines Raketeneinschlags in Tel Aviv, wobei der Reporter, der den Sender als in London ansässiges Medium präsentierte, von einem israelischen Soldaten live auf Sendung aufgefordert wurde, seinen Ausweis vorzuzeigen.
Während der auf Hebräisch geführte Austausch selbst ohne Konfrontation ablief, verpackte der Sender ihn später in den sozialen Medien als Beweis dafür, dass Israel die Pressefreiheit untergrabe, indem es Journalisten schikaniere. Jede ernsthafte Bewertung der von Al Jazeera ausgehenden Risiken muss auch Al Araby als Teil des umfassenderen katarischen Systems berücksichtigen, Einfluss zu gewinnen und zu erweitern.
(Der Text erschien auf Englisch zuerst beim Jewish News Syndicate. (Übersetzung von Alexander Gruber.)






